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7.3.2011 von Ati.
Karen Marie Moning
Im Bann des Vampirs
Originaltitel: Darkfever
aus dem Amerikanischen übersetzt von Ursula Walther
Ullstein Taschenbuch
ISBN 978-3548266015
ISBN 3548266010
Fantasy, Chick-Lit
Dt. Erstausgabe, 5. Auflage 2010
Umschlaggestaltung Hilden Design, München
Taschenbuch, 368 Seiten
[D] 7,95 €
Zur Autorin
Mit ihren 12 Romanen (der Highländer- und Fever-Serie) landete die 1964 in Ohio geborene Karen Moning nicht nur in den Bestsellerlisten von New York Times und Publishers Weekly. Ihre Romane werden, in 21 Sprachen übersetzt, weltweit vertrieben. Vor ihrem Erfolg als Bestsellerautorin war die studierte Juristin im Versicherungsrecht und Schiedsgerichtsbereich tätig. Heute verbringt sie ihre Zeit zwischen den Bergen von Georgia und den Stränden von Florida und schreibt oder arbeitet beispielsweise an einer Grafiknovelle mit. Ihr bevorzugtes Genre ist Urban Fantasy.
Zum Buch
Die deutsche Ausgabe des ersten Bandes der Fever-Serie erschien bereits im Jahr 2007. Mir liegt gerade die fünfte Auflage von 2010 vor. Dass es sich um eine Serie handelt, geht aus der Kurzbeschreibung der Autorin im Buch hervor – ein kleiner Hinweis in der Inhaltsangabe (beispielsweise auf der Coverrückseite) wäre allerdings praktischer. Das Cover selbst sieht schwarz aus. Eine junge, blonde Frau, die sich an einen langhaarigen Mann lehnt, dessen Gesicht fast von den Haaren verdeckt wird. Gotische Bögen im Hintergrund. Trotz blutroter Schrift sticht der der Buchtitel „Im Bann des Vampirs“ nicht wirklich hervor, ebenso wenig wie der rückseits aufgedruckte Kommentar „Noch dunkler, erotischer und tiefgründiger als Monings Highländer Erfolge“ von Publishers Weekly.
Was passiert laut Inhaltsangabe im Buch?
Die junge Amerikanerin MacKayla Lane interessiert sich vor allem für Mode und Popsongs – bis eines Tages ihre Schwester Alina in Dublin brutal ermordet wird. MacKayla beschließt, selbst nach dem Mörder ihrer Schwester zu suchen. In Irland stellt sie erschrocken fest, dass sie Vampire sehen kann, die eine fatale erotische Anziehungskraft auf sie ausüben. Glücklicherweise trifft sie den Buchhändler Jericho Barrons, der sich mit Dämonen und Vampiren bestens auskennt. Während sie gemeinsam gegen das Böse kämpfen, funkt es gewaltig zwischen Mac und Jericho.
Nach dem Prolog, der mit dem vielversprechenden Auftaktsatz („Meine Philosophie ist ziemlich einfach – jeder Tag, an dem niemand versucht, mich zu töten, ist ein guter Tag.“ ) beginnt das erste Kapitel genau ein Jahr früher. Danach kann man sich in 25 Kapiteln in MacKaylas Geschichte stürzten, die sie rückblickend aus der Ich-Perspektive erzählt, bevor das Buch mit einem Glossar endet.
Meine Meinung
Selten habe ich eine so unzutreffende Beschreibung gelesen – sei es nun bezüglich des Titels, des Kommentars von Publishers Weekly oder im Hinblick auf die Inhaltsangabe. Wobei ich offen gestanden zugeben muss, dass ich die Highländer-Serie nicht gelesen habe. Diesbezüglich könnte es natürlich sein, dass die Folgebände einen solchen Kommentar rechtfertigen. Der Auftaktroman tut es allerdings nicht.
In dem Roman geht es auch nicht, wie Titel oder Inhaltsangabe vermuten lassen, um Vampire, demzufolge kann MacKayla eigentlich auch nicht in den Bann eines solchen geraten. Vielmehr geht es um Feenwesen oder Sidhe. Die einen sollen böse und hässlich sein, die anderen unwirklich schön und gut – wobei die Grenzen da nicht so klar gezogen sind und es durchaus auch anders sein kann (gut aussehend und böse kommt zumindest vor). Dass MacKayla sie sehen kann, liegt an einem Geheimnis in ihrer Vergangenheit. Was sie – eine Sidhe-Seherin - als Hässlichkeit wahrnimmt, empfinden normale Menschen als strahlend schön, ohne zu merken, dass die Bösen ihnen ihre Lebensenergie rauben und rasend schnell altern lassen. Das hat durchaus Bezüge zu Vampiren. Genau wie die in bestimmten Stadtteilen lauernden, schwer fassbaren ebenfalls bösen Gestalten, die statt Blut gleich alles nehmen, was dafür sorgt, dass lediglich Kleider und pergamentartig wirkende Häute en masse zurückbleiben. Der Rest wird quasi absorbiert. Diese Wesen können nur im Schatten existieren, der kleinste Lichtschein wird ihnen gefährlich. Trotz gewisser Parallelen fehlt mir persönlich da der im Titel versteckte Blutsauger. Dann gibt es noch die Tod-durch-Sex-Wesen (allein der Name hat zu hochgezogenen Augenbrauen bei mir geführt), die auch feenartig sind und für das sorgen, was womöglich den erotischen Part darstellen soll, bei mir aber nicht so ankommt. Etwa, dass MacKayla sich in einem Museum voller Menschen – die sie praktischerweise in dem Moment nicht sehen können – auszieht und nur noch eins will und das dazu womöglich noch mit dem Wesen, das eventuell ihre Schwester ermordet hat. Oder mitten am helllichten Tag auf der Straße loslegt. Erotik sieht in meinen Augen etwas anders aus, aber Geschmäcker sind verschieden.
Doch gehen wir einmal von alle irreführenden Dingen ab. Was bleibt dann?
Ein flüssig zu lesender Roman. Eine Geschichte voller mystischer Wesen – kein Wunder, immerhin spielt sie in Irland. Neben bodenständigen Pubs und alten Gebäuden, Tradition und Moderne, gibt es eben auch Feen und andere Gestalten. Die machen aber nicht mithilfe ihrer Magie als strahlende Lichtgestalt alles wieder gut. Sie wirken auch nicht wie grummelnde Zwerge auf der Suche nach Gold, das sie dann boshaft bewachen? Nein, die Wesen in Monings Roman sind trotz ihrer Fähigkeit schön zu wirken, trotz ihrer vielleicht tatsächlichen Schönheit eher Monster, die die Menschheit bedrohen. Und wo etwas Böses ist, braucht es in der Regel einen guten Gegenspieler.
Moning bringt diesen Gegenpart in Form ihrer selbstironischen Hauptfigur mit naiver bis überraschend selbstironischer Denkweise ins Spiel. Diese wirkt trotz ihrer 22 Jahre anfangs eher wie ein typisch amerikanischer Teenager, oder wie eine Cheerleaderin (ich sah fast diese Puschel in ihren Händen). MacKayla ist sehr impulsiv, Vernunft scheint ein Fremdwort für sie zu sein. Mit dem ständigen Hinterfragen der eigenen Handlungsweise sorgt sie für den einen oder anderen Lacher. Im Hinblick auf sie stimmt der Anfang der Inhaltsangabe übrigens. Pink ist ihr ein und alles, und bevor sie in dieses Abenteuer eintaucht, ist eine ihrer größten Sorgen, dass ein Nagellackhersteller die Produktion einer bestimmten Farbe einstellt, weil sie dann nichts mehr hat, was zu ihrem Lieblingsrock passt. Dieser flapsige Stil erschüttert allerdings gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der ernsthaften Sidhe-Seherin und Jägerin des Bösen mehr als einmal. Zudem wirkt sie hin und wieder zu zickig und ihre grenzenlose Naivität mehr als enervierend. Sie schießt zu oft übers Ziel hinaus und agiert oder vielmehr reagiert nicht immer folgerichtig.
Demgegenüber steht der extrem steif, ja verknöchert und behäbig wirkende, und leider von Anfang bis Ende etwas blass bleibende, Jericho, bei dem ich bis zur letzten Seite gerätselt habe, ob er jetzt der Vampir ist, in dessen Bann MacKayla geraten sein soll. Er ist geheimnisumwoben, daneben gut aussehend, reich, klug, nachdenklich, emotionslos, kalt und wirkt irgendwie alt.
Ihre Wege kreuzen sich auf der Suche nach der Wahrheit über den Tod von MacKayla Schwester immer wieder. Ihre Schwester, die irgendetwas mit dem gleichermaßen geheimnisumwobenen wie machtvollen Buch Sinsar Dubh zu schaffen hatte. Oder die, genau, wie sie, plötzlich feststellen musste, dass die Realität in der sie bis zu ihrem Eintreffen in Irland lebte, nicht die Einzige ist. Dass es Artefakte gibt, die es zu suchen gilt, damit die sich mehr und mehr öffnenden Tore zwischen den Welten wieder geschlossen werden können. Die Suche ist es, die Jericho und MacKayla dazu bringt, sich zusammenzuschließen und gemeinsam vorzugehen, ohne allerdings wirklich ein Team zu bilden. Ob die beiden zusammenkommen oder nicht, ob es da mal tatsächlich knistert oder nicht, bleibt auch nach dem Lesen der letzten Seite offen – ob der Folgeband „Im Reich des Vampirs“ diese Frage klärt, allerdings auch.
Die Bösewichte, die bekämpft werden, sind an manchen Stellen überaus eindimensional und zu klischeehaft dargestellt. Warum wer wie handelt, bleibt ein absolutes Rätsel, was durchaus daran liegen kann, dass es sich eben nur um den Auftaktroman der Serie handelt. Dennoch bleibt ein unbefriedigendes Gefühl beim Lesen, zumal noch nicht einmal der Tod von MacKaylas Schwester wirklich aufgeklärt wurde. Das Einzige, was klar zu sein scheint, ist, dass bestimmte Feenwesen nur auf eins aus sind …
Fazit
Nach der anfänglichen Enttäuschung ein Lesequickie ohne wirklichen Tiefgang, der jedoch förmlich nach einem Folgeband schreit, weil einfach zu viele Fragen offenbleiben.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, 3 von 5 Punkten, Autoren M - P, Fantasy & Horror, Roman | Keine Kommentare »
4.3.2011 von Ati.
Guido Dieckmann
Die Königin der Gaukler
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3499254109
ISBN 3499254107
historischer Roman
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung any.way, Hanke/Schmidt
Taschenbuch, 448 Seiten
[D] 9,95 €
Zum Autor
Mit Königin der Gaukler bringt der 1969 in Heidelberg geborene Autor Guido Dieckmann bereits seinen zehnten Roman auf den Buchmarkt und ist somit kein ganz Unbekannter in diesem Sektor. Nach seinem Studium in Anglistik und Geschichte war er zunächst als Wirtschaftshistoriker für Versicherungen tätig. Wenn er nicht schreibt, ist er unter anderem im Vorstand des Literarischen Forums Neustadt an der Weinstraße tätig. Darüber hinaus ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Quo Vadis, die sich für historische Romane einsetzt. Dieckmanns Romane umfassen verschiedene historische Epochen, er selbst bevorzugt das Spätmittelalter, die Reformationszeit und das 18. Jahrhundert.
Nachdem im Jahr 2000 sein erster Roman Die Poetin veröffentlicht wurde, der in seiner Geburtsstadt Heidelberg spielt, folgten Schlag auf Schlag weitere Bücher, unter anderem der unter dem gleichnamigen Titel verfilmte Roman Luther im Jahr 2003. Dieses Buch brachte ihn auch in die Bestsellerlisten und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Zum Buch / Meine Meinung
Das grün-rot gehaltene Cover zeigt, neben floralen Mustern, eine junge Frau mit barock wirkendem Gesicht, einer Geige und einem Geigenbogen, passt also schon mal zu dem, was die Verlagsseite oder auch die Rückseite des Taschenbuches verrät.
Zitat Verlagsseite/Buchrücken
DIE RUNEN DER GAUKLERIN VERKÜNDEN DEN TOD. UND WEITAUS SCHLIMMERES.
Eine Intrige verurteilt die Würzburger Bürgerstochter Regina zu einem Leben als Ausgestoßene. Sie ist dem Tode nahe, als ein Gauklerpaar sie unter die Fittiche nimmt. Mit seiner Hilfe entwickelt sich die einstige Klosterschülerin zur Königin der Gaukler, die sich auch auf das Deuten verbotener Runen versteht. Dies bleibt dem Fürstbischof nicht verborgen. Er entsendet Regina auf geheime Mission ins Taubertal, wo Meister Riemenschneider an einem prachtvollen Altar arbeitet. Unheimliche Vorkommnisse bedrohen das Werk des begnadeten Künstlers. Wer hat ein Interesse daran, den Kult um den Germanengott Wotan wiederzubeleben, dessen steinernes Abbild an der Creglinger Herrgottskirche angeblich Tränen vergießt? Und wer schreckt nicht einmal vor Mord und Grabschändung zurück? Bald ist auch Reginas Leben in Gefahr.
Nach dem Lesen der Inhaltsangabe von Die Königin der Gaukler, ahnte ich schon beinahe, dass das, was die erste Zeile (Die Runen der Gauklerin….) so spannend ankündigt, eine eher untergeordnete Rolle spielt. Und mein erster Eindruck hat mich nicht wirklich getäuscht. Erst auf Seite 269 von 441 landet die Gauklerin Regina in Creglingen. Davor wird ihr bisheriges Leben erzählt, wobei große Sprünge gemacht werden. Es beginnt im Prolog – eigentlich vor ihrer Geburt – wo ihrer Mutter bzw. ihrem Vater von einem, das Volk begeisternden der Obrigkeit aber verhassten, Prediger prophezeit wird, dass sie noch ein Kind bekommen – ein Gauklerkind. Danach macht die Geschichte im ersten Kapitel sofort einen Sprung ins Jahr 1496, in ein Kloster, in dem Regina untergebracht ist und man lernt ein junges Mädchen kennen, das auf die erste Liebe hofft und bitter enttäuscht wird. Was so harmlos beginnt, endet für sie nicht nur mit körperlicher Gewalt, es beendet auch ihr Leben im Kloster und ihr Vater verstößt sie. Und alles nur, weil sie ihren Vater, den Stadtvogt auf etwas Unheilvolles in ihrem Kloster aufmerksam machen wollte.
Dieses Erlebnis sorgt dafür, dass sich die Prophezeiung des Predigers 20 Jahre zuvor erfüllt. Regina landet bei den Gauklern und wird von diesen nicht nur aufgenommen, sondern darf auch bei ihnen bleiben. Die Gaukler ziehen nur im Kreis Würzburg herum, da die Anführerin Rieke aufgrund einer besonderen Vereinbarung mit dem für Würzburg zuständigen Fürstbischof ein Anwesen nutzen darf. Bevor der Leser sich versieht, sind zehn Jahre vergangen und Regina begeistert nicht nur mit ihrer Geige, die eine besondere Verbindung zu ihrer Vergangenheit und die ihrer Mutter aufweist, sondern auch als Runenleserin die Menschen von denen sie auftritt. Doch da sie Würzburg nie wirklich verlassen hat, gerät sie erneut ins Visier des Menschen, der für ihren Fall von der Bürgerstochter zur Gauklerin verantwortlich ist. Was dazu führt, dass sie nach Creglingen gesandt wird, wo Dinge geschehen, die mit dem heidnischen Gott Wotan in Verbindung gebracht und Runenzeichen gefunden werden. Die Zeit in Creglingen dient dann nicht nur dazu, die seltsamen Vorkommnisse und Todesfälle aufzuklären, sondern auch Reginas Ehre wiederherzustellen. Da dieser Part der Geschichte in meinen Augen etwas zu kurz kommt, möchte ich nicht weiter darauf eingehen.
Mit Die Königin der Gaukler halte ich wieder einmal ein Buch in Händen, das mich etwas gespalten zurücklässt. Der Roman ist atmosphärisch eigentlich gut aufgebaut. Die historischen Bezüge sind lebensecht dargestellt, die Grundidee spannend, die Wortwahl und der Erzählstil des Autors so gewählt, dass man ein farbenprächtiges, klares Bild der Zeit vor Augen hat. Doch während im ersten Teil (vor Creglingen) die Personen noch recht deutlich gezeichnet sind, wurden im zweiten Teil so viele in die Handlung eingreifende Personen hereingenommen, dass ihre Charakterisierung eher flach ausfällt. Dadurch konnte ich kein wirkliches Gefühl für diese Figuren entwickeln. Hier wäre zudem eventuell eine Auflistung aller agierenden Figuren hilfreich, wenn auch sehr umfangreich, gewesen.
Das Buch wird aus der Sicht eines unbeteiligten Dritten erzählt. Dabei wechselt Dieckmann die Perspektiven. Zwar laufen alle Handlungsfäden bei Regina selbst zusammen, doch wird mal Regina selbst beleuchtet, mal die Figur des Bildhauers und Kunstschnitzers Riemenschneider, mal die des Arztes Marcello, mal die des Stadtvogtes Babel, und, und, und. Dieser Wechsel versorgt den Leser – manchmal der Spannung abträglich etwas zu früh - mit dem einen oder anderen Detail, das den agierenden Romanfiguren noch fehlt. Die frei erfundene, jedoch mit Bezügen zu historischen Orten und Persönlichkeiten geschriebene Geschichte Reginas ist gespickt mit Intrigen und Unrecht, Glaube und Aberglaube, Verbrechen und Verrat. Als Gegenpol gibt es auch Liebe und Treue, wobei dies in einem relativ ausgewogenen Verhältnis erzählt wird. Dennoch scheint etwas zu fehlen. Doch vielleicht – aufgrund des in einem Handlungsfaden offenen Endes – gibt es ja eine Fortsetzung.
Fazit
Ein farbenprächtiger Roman für einen gemütlichen Leseabend. Leider hat er mich nicht völlig ins Geschehen gezogen, weshalb ich nur 3,5 von 5 Punkten vergeben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, Historisch - Mittelalter, 3 von 5 Punkten, Autoren A - D | Keine Kommentare »
1.3.2011 von Ati.
Isabel Pfeiffer
Das Sündentuch
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3499255021
ISBN 3499255022
historischer Roman
2. Auflage 2010
Umschlaggestaltung
Taschenbuch, 560 Seiten
[D] 9,99 €
Zur Autorin
Viel habe ich nicht über sie gefunden. Nur das, was unter anderem auch auf ihrer eigenen Homepage oder der Verlagsseite zu finden ist. Die 1961 geborene Autorin war vor Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn als Ärztin in der Neurologie und Psychiatrie tätig. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne. Die Untiefen der menschlichen Psyche interessierten sie nicht nur beruflich, sie ziehen sich auch als roter Faden durch ihre Romane. Ihr Debütroman Niemandstochter erschien im Jahr 2009 beim Wunderlich Verlag, trug dort jedoch den Titel die Puppennäherin. Genau wie bei ihrem aktuellen Roman handelt es sich dabei um einen historischen Roman.
Zum Buch / Meine Meinung
Zitat Inhaltsangabe:
Liebe und Verbrechen im mittelalterlichen Ravensburg - Christine lebt als Ehefrau eines reichen Tuchhändlers in einem prächtigen Ravensburger Bürgerhaus. Aber ihre Ehe steht unter keinem guten Stern. Als sie sich heimlich Geld bei einem jüdischen Pfandleiher borgt, ist ihr nicht bewusst, was für fatale Folgen dies hat: Nicht nur findet ihr Mann bald heraus, was sie hinter seinem Rücken getan hat – Christine hat sich in den Juden verliebt und ist auf dem besten Weg, eine Todsünde zu begehen …
Damit ist schon mal eine der weiblichen Hauptfiguren benannt. Die Zweite wird hier nicht erwähnt, hat aber in meinen Augen ebenfalls einen sehr großen Part in der Geschichte, zumal sich ihre Wege mit denen von Christine kreuzen. Doch anfangs könnte ihr Leben nicht gegensätzlicher sein.
Während Christine Köpperlin zunächst noch in scheinbarer Sorglosigkeit lebt, sich um Blumengärten kümmern kann und finanziell allein schon durch ihre Ehe mit dem reichen Tuchhändler Frick abgesichert ist, muss sich Gerli von klein auf gegen alle Widrigkeiten zum Trotz durchkämpfen. Sie ist früh mit ihrem kleineren Bruder von zuhause geflohen und lebt mit diesem genau wie Christine im hochmittelalterlichen Ravensburg. Während sie in einer Papiermühle schuftet und darauf hofft, dass der Müller sie eines Tages heiratet, betätigt sich ihr eigener Bruder lieber als ihr Zuhälter als sich ehrlicher Arbeit zu widmen. Abgesehen davon gibt er ihr Geld mit schöner Regelmäßigkeit für Wetten und Alkohol aus.
Adversativer könnte das Leben dieser beiden Frauen nicht sein. Doch der Schein trügt. Obwohl Christine nicht wie Gerli täglich neu ums Überleben kämpfen muss, bedeutet das nicht, dass sie glücklich ist. Ihre Ehe mit dem mehrere Jahre älteren Frick ist kinderlos, er selbst rücksichtslos, untreu und bisweilen gewalttätig. Und eines Tages macht er etwas, was seine Frau bis ins Mark trifft, ohne dass sie sich groß dagegen wehren kann: Er holt seinen unehelichen Sohn und später auch dessen Mutter in ihr eigenes Haus.
In Ravensburg gibt es auch ein Judenviertel. Der Arzt David, der schon lange nicht mehr seinem Beruf nachgeht, dem genau wie allen anderen Juden, im damaligen Europa Misstrauen, Neid und Gewalt entgegenschlägt, muss zusammen mit seiner Familie sein tägliches Brot als Geldverleiher verdienen. Eines Tages steht Christine in seiner Tür. Sie benötigt dringend Geld. Als Pfand bringt sie ein Seidentuch mit – ein Geschenk ihres Mannes. Und wofür? Für eine Flöte, mit der sie ausgerechnet Ludwig, den unehelichen Sohn ihres Mannes, eine Freude machen möchte, der mit dem Umzug nach Ravensburg kreuzunglücklich ist.
Mit dieser Begegnung nimmt nicht nur die sich zart anbahnende Liebesgeschichte zwischen David und Christine ihren Lauf, sondern auch das Unglück. Als Ludwig eines Tages verschwindet, fällt der Verdacht auf die Juden. Es wird weniger nach dem Täter als nach einem Sündenbock gesucht. Und mit dem einsetzenden Kesseltreiben gerät auch Christines Leben ins Trudeln. Tiefer als sie dabei fällt, kann eine Frau ihrer Gesellschaftsschicht kaum fallen. Gleichzeitig scheint sich zumindest für Gerli, die sie in diesem Zusammenhang kennenlernt und mit der sie sich anfreundet, ein kleiner Hoffnungsschimmer abzuzeichnen.
Isabel Pfeiffer schafft es in ihrem zweiten Roman nicht nur sehr gut, die privilegierte Christine lebensnah darzustellen, sie zeichnet gleichwohl das klare Bild einer jungen Frau, die das genaue Gegenteil erlebt. Doch obwohl es die Autorin mit ihrem flüssigen, lebensnah und lebendig wirkenden Erzählstil mir ermöglicht hat, mich leicht in diese beiden Figuren einzufinden, gab es bedauerlicherweise die eine oder andere Länge. Dass ich dennoch weitergelesen habe, lag daran, wie verständlich sie die Situation der beiden Frauen geschildert hat. Ihre soziale Abhängigkeit in einer männerbestimmten Welt. Die Kompromisse, die sie eingehen mussten. Die teilweise fatalistische Haltung, die sie dabei einnahmen. Wie gesagt – die Lebensumstände wurden sehr interessant geschildert und dargestellt. Die Spannung mithilfe des plötzlichen Verschwindens von Ludwig gesteigert.
Leider blieb aber die eigentliche Liebesgeschichte und mit ihr David, der zusammen mit seiner Familie als Beispiel für die mittelalterliche Judenverfolgung dient, etwas zu nebensächlich, zu verschwommen. Obwohl ich andererseits nicht behaupten kann, dass der politische Aspekt in dieser Sache (Judenverfolgung) nicht deutlich wird, finde ich diesen Part etwas zu flach dargestellt. Darüber hinaus schlich sich durch die Perspektivwechsel zwischen dem Leben von Gerli und Christine sehr früh eine gewisse Vorhersehbarkeit ein, was die Spannung für meine Begriffe auf einem eher geringen Level gehalten hat.
Fazit
Ein guter Grundgedanke wurde hier in einen nachvollziehbar historischen Rahmen gepackt. Kleinigkeiten sorgten für ein paar Längen, trotz allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt und vergebe 3,5 von 5 Punkten.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Historisch - Mittelalter, 4 von 5 Punkten, 3 von 5 Punkten, Autoren M - P | Keine Kommentare »
1.3.2011 von Ati.
Axel Meyer
Das Buch der Sünden
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3499253805
ISBN 3499253801
Historischer Roman
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung any.way, Katrin Günther
Taschenbuch, 784 Seiten
[D] 9,95 Euro
Zum Autor
Vielleicht liegt es daran, dass er in der Stadt Heinrich des Löwen zur Welt kam, wenn auch erst 1968 und nicht zu Zeiten der historischen Persönlichkeit. Jedenfalls lebte und lernte Axel S. Meyer bis zur Beendigung seines Studiums in Germanistik und Geschichte dort. Heute lebt und arbeitet er in Rostock als Zeitungsreporter und Redakteur.
Zum Buch / Meine Meinung
Obwohl ich diverse negative Kommentare gelesen habe, hat mich das Buch neugierig gemacht. Nachdem es im letzten August erschienen war, wurde bereits im Oktober 2010 die dritte Auflage herausgebracht. Nachdem der Autor 2009 bei einer Verlagsausschreibung von Rowohlt damit den ersten Preis belegt hatte, wurde er in diesem Jahr zusätzlich mit Platz 26 bei einem Lovelybooks-Wettbewerb bedacht. Und das alles mit einem Debütroman.
Worum geht es darin?
Zitat Inhaltsangabe
Im Jahr 845 bringen die Normannen den Tod nach Paris. Die Mörder kommen über die Flüsse: Am Morgen besetzen 120 Drachenboote die Seineinsel, am Abend sind die Straßen mit Leichen übersät. Brandgeruch liegt in der Luft.
Hilflos muss der junge Odo mit ansehen, wie sein Vater getötet und seine Mutter verschleppt wird. Er schwört Rache. Jahre später fällt ihm im Kloster St. Gallen eine Schrift in die Hände: Das Buch der Sünden. Es prophezeit den Untergang der heidnischen Welt – sobald die sieben Todsünden gesühnt sind. Besessen von der Idee, dieses Werk zu verrichten, macht sich Odo auf den Weg nach Norden. In die gottlose Stadt der Wikinger, nach Haithabu ….
Was dabei unerwähnt bleibt, dennoch einen großen Raum einnimmt, parallel läuft und sich stellenweise mit dem in der Inhaltsangabe beschriebenen Handlungsstrang vermischt, ja sogar verbunden ist, ist die Geschichte des Schmiedes und späteren Woiwoden Helgi. Von seiner Liebe zu der Sklavin Runa. Von der Andeutung und Erahnung von Runas Vergangenheit. Von ihrer Flucht in Runas Heimat. Ich nenne Runa jetzt einfach weiterhin Runa, obwohl die spätestens nach Ankunft in ihrer alten Heimat ihren ursprünglichen Namen zurückerhält. Von seinem beziehungsweise ihrem neuen Leben.
Der Roman beginnt mit einer Offenbarung des Johannes (wie übrigens alle der folgenden sieben Buchteile), dann folgen zwei Karten, bevor es mit dem ersten Teil in Paris losgeht, der im Jahr 845 um die Osterzeit spielt. Der zweite Teil führt uns im Herbst 861 bis zum Frühjahr 862 nach St. Gallen. Im Dritten lenkt der Autor unser Augenmerk im Sommer 863 nach Haithabu, während der Vierte in Rujana von Sommer bis Herbst des gleichen Jahres spielt. Der fünfte Teil steuert zurück nach Haithabu und umfasst den Zeitraum von Herbst 863 bis Frühjahr 864, der Sechste bringt und wiederum nach Rujana, dieses Mal im Frühjahr 864, bevor der siebte und letzte Teil erneut um die Osterzeit im Jahr 864 nach St. Gallen zurückführt. Im Epilog macht die Geschichte nochmals einen Sprung nach Haithabu. Wir begleiten zumindest Odo also über einen Zeitraum von 19 Jahren, wobei aber große Sprünge gemacht werden. Ein Nachwort rundet alles ab. Alle Teile sind in kurze Kapitel gefasst, was das Lesen erleichtert. Gleichwohl gibt es einige Längen, die es wiederum stellenweise erschweren.
Mit dem Roman hat man sowohl einen Krimi/Thriller – es geschehen einige grausame Morde, ganz abgesehen davon, dass die Zeit damals sehr brutal dargestellt wird – als auch eine Liebesgeschichte in der Hand. Die Liebesgeschichte spielt sich vor dem Hintergrund der recht trostlos beschriebenen damaligen Welt ab. Das mindert sie nicht zwingend – wer jedoch auf einen Liebesroman mit reinem Happy-End-Feeling spekuliert, wird vielleicht etwas enttäuscht. Historische Bezüge zu heute noch existierenden Orten sind da, Meyer baut geschichtlich belegte Personen in seine fiktive Geschichte ein. Es wird sowohl das Problem der Christianisierung beschrieben, als auch das eigentliche Leben der Dänen und Wikinger, die ja nicht nur als Seefahrer und furchtlose Krieger zugange waren.
Ich bin ehrlich gestanden etwas gespalten, was meine Meinung zu dem Buch betrifft. Einerseits beschreibt Meyer sehr plakativ die damaligen Lebensumstände. Die Morde gehen weder unter noch werden sie bei aller Brutalität übertrieben blutrünstig dargestellt. Runas Rechtlosigkeit in ihrer Zeit als Sklavin, die Armut, die Emotionen der Romanfiguren – all das vermag der Autor glaubwürdig zu vermitteln. Der Wandel des Waisenjungen und späteren Mönchs Odo zum Verfechter seiner fanatischen Ideologie ist so beschrieben, dass sie angesichts seines kindlichen Traumas erklärbar ist. Soweit so gut.
Doch die Geschichte verliert immer wieder genau diese Glaubwürdigkeit durch das gleichzeitige Einbringen von Zufällen, die in manchen Passagen einfach zu viel sind. Logischerweise muss Odo auf das Buch der Sünden treffen, es finden, um sein Verhalten zu rechtfertigen. Doch die Weise, wie das in dieser Geschichte geschieht, überzeugt mich nicht. Logischerweise muss er das Schicksal seiner Mutter eruieren, damit der Handlungsbogen von Helgi und Odo zu einem schlüssigen Ende kommt. Angesichts des kurzen Zeitraumes, in dem Odo dies gelingt, hapert es aber schon wieder an meinem Verständnis dafür. Logischerweise muss Odo eine sichere Basis (sprich den kleinen Orden in Haithabu) für sein Vorhaben finden. Die Umstände, die dazu führen, sind aber eben sehr zufällig.
Es gibt kleinere Nebenstränge. Beispielsweise die abgrundtiefe Feindseligkeit zwischen Runa und ihrer Schwester. Woher der Hass derselben kommt, arbeitet der Autor nicht genau heraus. Er nutzt ihn in meinen Augen einfach als Mittel, die Geschichte gegen Ende noch einmal hochzuputschen. Fast scheint es, als würde Meyer sich in zu vielen Nebenschauplätzen verlieren. Doch das stimmt nur bedingt. Zumindest teilweise führen wie einfache Füllkapitel wirkende Passagen tatsächlich letztendlich irgendwie zum Ende des Gesamthandlungsbogens. Ebenfalls negativ aufgefallen ist mir eine gewisse Vorhersehbarkeit, die mal schwächer, mal stärker ausgeprägt daherkommt. Leider wirkt das tödlich auf die Spannung, die dadurch kein wirklich hohes Level erreicht. Und auch die vielen, vielen lebensbedrohlichen Situationen, in die beispielsweise Helgi kommt, sind mir etwas zu überzogen dargestellt. Mag sein, dass das mit der damaligen Zeit zusammenhängt, in der man sich seines Lebens nicht sicher war. Doch auf mich wirkt es einfach so, als ob die Spannung künstlich aufgeputscht wird. – Was schade ist, denn der Schreibstil Meyers hat das im Grunde genommen nicht nötig. Das Ende selbst könnte aus Hollywood stammen. Zwar explodiert nichts, aber etwas zu blutig wird es spätestens jetzt allemal und wie alte Westernhelden schaffen es auch die Figuren in Meyers Roman noch das eine oder andere mit übermenschlich wirkender Kraft in Angriff zu nehmen und gar zu erledigen, bevor sie denn sterben. Von dramatisch einstürzenden Gebäuden, just an dem Ort, an dem Odo seinen Plan vollenden will, ganz zu schweigen.
Dennoch, obwohl diese Sachen es mir stellenweise sehr schwer gemacht haben, den Roman zu Ende zu lesen, war gleichzeitig etwas darin, das mich immer wieder zum Weitermachen angestachelt hat. War es die Hoffnung, dass sich die Schwächen in nichts auflösen? Der sympathisch dargestellte Helgi? Der völlig unsympathische, doch seltsam diffus bleibende Soziopath Odo? Die Neugier, weil Haithabu und Rujana gleich um die Ecke liegen und ich einfach hinfahren könnte (obwohl natürlich so gut wie nichts mehr von damals im Heute vorhanden ist)? Ich weiß es wirklich nicht.
Fazit
Ein durchaus opulenter Roman, der aber die eine oder andere Schwäche aufweist. Kein Lesequickie, man sollte dabei bleiben, damit der Handlungsfaden nicht verloren geht. Die Geschichte hat mich nicht wirklich überzeugt und gepackt. Aber auch nicht endgültig abgeschreckt. Deshalb 3 von 5 Punkten für Meyers Debütroman.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Historisch - Mittelalter, 3 von 5 Punkten, Autoren M - P, Krimi & Thriller, Abenteuer | Keine Kommentare »
15.2.2011 von Ati.
Philippa Gregory
Die Königin der Weißen Rose
Originaltitel: The White Queen
Rowohlt Taschenbuchverlag
ISBN 978-3499254840
ISBN 3499254840
Historischer Roman
Deutsche Erstausgabe 2011
aus dem Englischen übersetzt von Astrid Becker und Elvira Willems
Umschlaggestaltung any.way, Hamburg
Taschenbuch, 560 Seiten
[D] 9,99 €
Zur Autorin:
Philippa Gregory wurde 1954 in Kenia geboren und wuchs in England auf. Die Journalistin war sowohl als Reporterin wie auch Produzentin für Zeitschriftenverlage und einen Radiosender tätig. Darüber hinaus studierte sie Geschichte und promovierte im Fachbereich „Literatur des 18. Jahrhunderts“. Neben ihrem Faible für historische Romane verfasst Gregory auch Kurzgeschichten, Kinderbücher und Buchbesprechungen. Ihre Studienkenntnisse setzt sich zudem als historische Beraterin bei einem Privatsender ein.
Zum Buch / Meine Meinung:
Wie die Autorin in „Die Königin der Weißen Rose“ anmerkt, handelt es sich dabei um den ersten Roman einer Trilogie über die Plantagenets, der eher auf Fakten als Fiktion beruht. Gleichwohl merkt sie nur eine Seite weiter hinten an, dass dieser Roman fiktionaler ist, als andere, die ihrer Feder entstammen. Und zwar deshalb, weil er sich vor der Tudorzeit abspielt und kriegsbedingt nur spärliche historische Zeugnisse vorhanden sind. In ihrem Auftaktroman zu den Plantagenets behandelt sie die Geschichte einer Königin aus dem Hause Burgund, die abgesehen davon, dass sie eher ungeliebt und missachtet war, sich auch als Nachfahrin der Wassergöttin Melusine verstand – was ein wenig Magie ins Spiel bringt.
Magie – von ihrer Mutter angeregt und der zu diesem Zeitpunkt verwitweten Elizabeth Woodwille ausgeübt – ist es, was König Edwards Interesse an ihr verstärken soll. Grundsätzlich vorhanden ist es schon ab dem Moment, in dem er sie kennenlernt. Obwohl sie gesellschaftlich weit unter ihm steht und dazu noch Lancastianerin ist, wagt sie es, ihn aufzusuchen. Mit dem Tod ihres Mannes und dem Sieg der Yorkisten über die Lancastianer wurden ihr die Güter weggenommen, die die Zukunft ihrer Kinder sichern sollten. Ihr Mut wird belohnt. Edward hört sie nicht nur an, er ist fasziniert von ihr. Und auch er spricht etwas in der jungen Frau an. Er möchte sie zu seiner Geliebten machen, was sie ihm verweigert. Um Elizabeth doch zu bekommen, heiratet er sie heimlich, bevor er in den Krieg zieht, welchen die um den Thron kämpfenden Adelshäuser York und Lancaster nach wie vor ausfechten. Als die heimliche Heirat in ihrer Familie ans Licht kommt, erlebt Elizabeth Stunden des Zweifels und der Ängste. Angeblich hat Edward sich früher bereits ähnlich verhalten und die Heirat später abgestritten. Doch bald stellt sich heraus, dass er dieses Mal zu seinem Wort steht. Er holt Elizabeth gegen alle Standesdünkel, Mutmaßungen und Widerstände an seinen Hof. Schon kurz nach ihrer Krönung zur Königin von England erwirbt Elizabeth viele Feinde, Neid und Intrigen schlagen ihr entgegen und bedrohen sie und ihre Familie. Die einen nennen sie Hure, die anderen Hexe. Nur wenige akzeptieren sie als das, was sie ist – eine Königin.
Elizabeth erzählt uns ihre Geschichte selbst. Grundsätzlich liegt in ihrer Heirat tatsächlich die Chance auf eine Versöhnung der zerstrittenen Adelshäuser, auf Frieden für das gebeutelte Land. Zumal Elizabeth überhaupt kein Problem darin sieht, die Fronten zu wechseln. Ihre Treue zur Gefolgschaft der „Roten Rose“, dem Symbol der Lancastianer, verblasst sehr rasch und sie wird Yorkistin. Während sie gleich zu Beginn des Romans über ihre momentane Situation nachsinnt (Zitat: „In jedem Herrenhaus im Land sitzen jetzt Yorkisten, die an jedem profitablen Geschäft, an jedem Ort und jeder Steuer teilhaben. Ihr junger König sitzt auf dem Thron, und seine Anhänger bilden den neuen Hofstaat. Wir, die Besiegten, sind Arme in unseren eigenen Häusern und Fremde in unserem eigenen Land, unser König ist im Exil und unsere Königin eine rachsüchtige Fremde, die sich mit unserem alten Feind Frankreich verbündet hat. Wir müssen uns mit dem Tyrannen von York einigen, und gleichzeitig beten wir, dass Gott sich gegen ihn wenden und unser wahrer König mit einer Armee zu einer weiteren Schlacht gen Süden stürme möge.“), setzt sie bereits kurz nach ihrer Vermählung alles daran, ihre Familie fest in das zuvor verhasste Adelshaus zu integrieren und ihren Mann zu unterstützen. Dafür vermählt sie beispielsweise ihren Bruder mit einer etliche Jahrzehnte älteren Frau. Bald kann niemand mehr einen Schritt tun, ohne über jemanden zu stolpern, dessen Ehe sie angebahnt hat.
Glücklich kann sie allerdings nie wirklich sein. Abgesehen davon, dass ihre große Liebe Edward, sie regelmäßig betrügt, ist sein Thron nie sicher. Seine eigene Mutter zählt zu seinen Gegnern und würde lieber seinen Bruder als ihn auf dem Thron sehen. Nicht nur einmal müssen Elizabeth und er, ebenso wie ihre Kinder, Verrat und Mord oder auch die Inhaftierung in den Tower (der andererseits Schutz bietet) fürchten. Eines ihrer Kinder kommt im Kirchenasyl zur Welt. Um den Thronfolger zu retten, muss sie letztlich ihren Sohn ins Exil schicken. Ihre Kinder werden per Gesetz zu Bastarden erklärt. Doch Elizabeth gibt die Hoffnung auch nach dem Tod ihres Mannes niemals wieder auf, das Symbol ihres Königs – die „Weiße Rose“ – erneut aufblühen zu sehen. Ihre eigene Tochter, ins Interesse von Henry Tudor gerückt, scheint dieselben Interessen zu verfolgen, denn sie will statt Henry lieber Richard heiraten, der sie zur Königin machen und ihren Sohn auf den ursprünglichen Thron von Edward setzen will. Auch sie strebt danach das Haus York zu einer Dynastie zu machen, damit die „Weiße Rose“ auf ewig blüht.
Zeichnet Gregory mit Elizabeth das Bild eines Opfers? Nein, trotz allem was „Die Königin der Weißen Rose“ erlebt, beweist sie Stärke. Allerdings, eine machtbesessene Stärke. Der im Gegenzug zu Elizabeth eher sympathisch wirkende König Edward IV. erscheint nur als blasse Randgestalt, während Elizabeth selbst kalt und ehrgeizig herüberkommt. Die Liebe zu ihrem Mann? Sie war zweifellos vorhanden und ausgeprägt, und doch ergeht es ihr Edward selbst.
Elizabeth erzählt beispielsweise vom heimtückischen Mord an ihrem Vater, Bruder oder Sohn, hat jedoch andererseits keine Hemmungen, um der Macht und Rache willen Gegner ausschalten zu lassen. Vielleicht war das in der Zeit, in der sie gelebt hat (1437-1492) notwendig. Doch mich hat die Figur, die Gregory uns hier vorstellt, eher abgeschreckt als fasziniert. Nicht nur die Zeit, auch Elizabeth und ihre Handlungen erschienen mir beim Lesen rücksichtslos, grausam, nahezu besessen. Die vorgebliche Sorge für ihre zwölf Kinder (von denen nur fünf sie überlebt haben) geht immer wieder in ihrem allzu deutlichen Machthunger unter. Gefühllos kalt scheint sie über deren Tod hinwegzugehen. Viel zu kalt, auch wenn man davon ausgeht, dass in dieser Zeit die Kindersterblichkeit weitaus höher war als heute, dass die Kinder am Hof nur bedingt von ihren Eltern erzogen wurden oder dass Kinder in verschiedenen Epochen unterschiedliche Stellenwerte eingenommen haben. Hier setzt sie gefühlsmäßig ganz klare Unterschiede zwischen einer Tochter (schwach, lediglich dazu gut, mögliche nützliche Verbindungen zu stärken) und einem möglichen Thronfolger. Bei diesem scheint der Verlust der Möglichkeit der Machterhaltung weitaus schlimmer für sie zu sein, als der Tod des Kindes an sich. In allem zeichnet sich weniger das Bild einer Mutter, als das einer Königin, die trotz aller Widrigkeiten in meinen Augen nur eines möchte: Königin bleiben und die Nachfolge maßgeblich mitbestimmen. Dies alles geschieht bisweilen seltsam nüchtern.
Das magische Element in diesem Roman – als Nachfahrin von Melusine verfügt ihre Mutter über gewisse hellsichtige Fähigkeiten, die auch in Elizabeth schlummern – ist geschickt in die übrige Handlung eingeflochten, spielt aber dennoch eine eher untergeordnete Rolle. Ebenso die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und Edward. Auch die fügt sich ein, kommt aber nicht so wirklich heraus. Insoweit ist die auf dem Buchrücken vermerkte „Zauberin der Liebe“ etwas irreführend. „Herrscherin von Königs Gnaden“ passt schon eher – ohne Edward wäre Elizabeth nie auf den Thron gekommen.
Abgerundet wurde die Geschichte mit einer Karte bezüglich der Schlachten der Rosenkriege, einem Stammbaumausschnitt der Häuser York und Lancaster sowie einem ausführlichen Quellennachweis. Als besonderes I-Tüpfelchen befand sich ein Lesezeichen mit dem Porträt Elizabeth Woodwilles sowie eines Stammbaumes ihres persönlichen Familienzweiges dabei. Letzteres half bisweilen durch die Flut an Personen, die mir im Roman begegneten.
Fazit
Trotz der stellenweise trockenen Beschreibung historischer Begebenheiten sowie des einen oder anderen überaus künstlich wirkenden Dialogs ein opulenter Roman. Doch obwohl die Autorin die stetige, lebensbegleitende Angst – wem kann ich trauen, wer wird mir gefährlich – sehr gut dargestellt hat, fehlte mir etwas und das Leben der Elizabeth Woodwille konnte mich nicht wirklich begeistern. Deshalb nur drei von fünf Punkten für „Die Königin der Weißen Rose“.
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Geschrieben in Historisch - Mittelalter, 3 von 5 Punkten, Autoren E - H, Roman | Keine Kommentare »
14.2.2011 von Ati.
Danielle Trussoni
Angelus
Originaltitel: Angelology
Droemer
ISBN 978-3426198780
ISBN 3426198789
Roman
Dt. Erstausgabe 2010
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
Umschlaggestaltung Zero Werbeagentur München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 656 Seiten
€ 19,95 [D]
Zur Autorin
Nach ihrem Studium in Geschichte und englischer Literatur an der Universität von Wisconsin-Madison lebt und arbeitet die 1973 geborene Danielle Trussoni heute als freie Schriftstellerin sowohl in den Staaten als auch in Bulgarien. Neben ihrer Tätigkeit für „The New York Times Book Review“, „The New York Times Magazine“ oder auch „The Telegraph Magazine“ wurde 2006 ihr Buch „Falling Through the Earth: A Memoir“ veröffentlicht. Dieses Buch stand im gleichen Jahr auf der Liste der Besten Bücher der New York Times und heimste mehrere Auszeichnungen ein. Mit „Angelus“ erscheint bei uns der erste Roman der Autorin.
Zum Buch /Meine Meinung
Ein schwarzer, mit weiß-silbernen Ornamenten und einem Siegelring verzierter Schutzumschlag, über den sich ein rot-glänzendes Band – könnte auch ein Tuch sein – schlängelt, schützt die gebundene Hardcoverausgabe. Sieht (für mich) spannend aus und wer den Klappentext liest, kann ebenfalls neugierig werden.
Dementsprechend groß waren meine Erwartungen, mit denen ich an den Roman herangegangen bin. Die von Trussoni kunstvoll verwobenen Beschreibungen der Engel wie der Angelologen zogen mich anfangs in ihren Bann, verlangten dann aber zunehmend Durchhaltevermögen. Eine mehrmals gelesene Einstufung in das Genre Krimi/Thriller hat mich anfangs zudem etwas irritiert. Denn, obwohl Mord, Entführung und der Kampf ums Überleben thematisiert werden, passt Trussonis Roman für mich nicht in dieses Genre hinein und ich würde ihn eher im Fantasybereich ansiedeln. Doch zum eigentlichen Inhalt.
Die Nephilim, aus der altisraelischen Mythologie als riesenhafte Mischlinge aus männlichen Götterwesen und Menschenfrauen bekannt, tauchten bereits in Texten aus dem Entstehungsprozess der Bibel auf. Obwohl die apokryphen Texte selbst nicht aufgenommen wurden, findet man die Erwähnung der Nephilim im ersten Buch Mose 6, 5. Sie sollen von großer Boshaftigkeit und die Vorfahren der Riesen der Vorzeit gewesen sein.
Gemäß Trussonis Roman leben sie beispielsweise noch in New York mitten unter den Menschen, obwohl diese in den seltensten Fällen etwas davon ahnen. Sie wurden über die Jahrhunderte hinweg von Angelologen bekämpft, weil sie für das Böse in dieser Welt stehen. Und sie wollen unbedingt in den Besitz eines göttlichen Instruments kommen. Einer Leier, die die Welt für immer ins Verderben stürzen könnte, sollte sie in die falschen Hände geraten. Aus diesem Grund sind auch die Angelologen hinter dem Instrument her. Doch genau genommen weiß von den Nephilim weder jemand, wie besagte Leier wirklich funktioniert, noch wo sie gerade ist. Nur so viel ist bekannt: Abgesehen davon, dass sie denjenigen, der sie betrachtet, in ihren Bann zieht, kann sie die im Laufe der Zeit durch ihre Vermischung mit den Menschen degenerierten Nephilim heilen. Es gibt beziehungsweise gab mehrere göttliche Instrumente, doch diese eine Leier ist es, die ein mitleidiger Erzengel den ins Innere der Erde verbannten, verdammten und gestürzten Engeln (den Vätern der Nephilim) gebracht hat.
Die Nonne Evangeline, deren Mutter und Großmutter bereits als Angelologen tätig waren, wird durch eine einfache Anfrage mit der Bitte um Einsicht ins Klosterarchiv in diesen jahrhundertealten Kampf hineingezogen und erfährt stückchenweise Dinge, die bis dahin unvorstellbar für sie waren. Dinge, die ihr peu au peu offenbaren, dass sie weit mehr ist als eine bloße Nonne, die ihr Leben ihrem Gott und dem Kloster gewidmet hat. Ebenfalls ohne sein bewusstes Zutun wird der junge Collegedozent Verlaine, der sich nebenbei mit Beratertätigkeiten über Wasser hält und schwarz für Auktionshäuser tätig ist, in die Sache hineingezogen. Und da ist noch Percival Grigori, der Auftraggeber von Verlaine. Für Menschen ein reicher Geschäftsmann, doch in Wirklichkeit ein dem Tod geweihter Nephilim. Von seiner eigenen Familie wegen seiner krankheitsbedingten Schwäche verachtet, versucht er über Verlaine Informationen zu bekommen, die ihn letztlich zu der begehrten Leier führen sollen.
Soweit so gut, die Idee klang (und klingt) faszinierend, keine Frage. Die Umsetzung ist jedoch etwas anderes.
Das Buch selbst ist in drei Teile – Sphären genannt – gegliedert. Der Erste zog mich, wie eingangs erwähnt, in seinen Bann. Doch bereits darin stört eine stilistische Kleinigkeit. Durch die in Klammern geschriebenen Jahreszahlen wirken bestimmte Passagen wie ein Lexikaeintrag oder wie ein Auszug aus Archivunterlagen. Über dieses Manko hilft zu diesem Zeitpunkt jedoch noch der plakative Schreibstil der Autorin hinweg. Dieser führte dazu, dass ich mich rasch in die Umgebung der Geschichte einfinden konnte. Die Hauptfigur Evangeline kann trotz ihrer Zugehörigkeit zu der etwas angestaubt wirkenden Klostergemeinschaft, durchaus als modern bezeichnet werden. Allerdings scheint sie die Einzige zu sein, die so zeitgemäß ist.
Mit Beginn des zweiten Teils versiegte die anfängliche Begeisterung jedoch rasch. Dieser Abschnitt der Geschichte zieht sich zu sehr in die Länge. Das dürfte daran liegen, dass sich diverse nur leicht variierte thematische Wiederholungen darin finden. Erschwerend tauchen gewisse Bezeichnungen (Angelologen und Liebe betreffend) mit geradezu penetranter Regelmäßigkeit auf und der bisherige, positiv-plakative Stil bekommt einen künstlich hervorgerufenen, gefühlsbeladenen, ja überladenen Touch. Evangeline, Verlaine und Percival werden nahezu durch die sterbenskranke Nonne Celestine verdrängt. Diese erzählt Evangeline rückblickend vom Europa des 2. Weltkriegs und einer Expedition (die zu konkreteren Hinweisen auf den Aufenthaltsort der Leier und dem eigentlichen Fund beziehungsweise deren Sicherstellung führte). Leider liest sich Celestines Erzählung wie ein abgewandelter Vortragstext. Ihre vermeintlich „tiefe“ Liebe zu einer Studienkollegin oder auch ihren Professoren, ihre Überzeugung für die Sache an sich; all das straft sich selbst Lüge, durch ihr Verhalten und Denken. Sympathie oder Verständnis kam bei mir weder für Celestine noch für die erzählerisch heraufbeschworenen Angelologen auf. Vielmehr stellte sich frühzeitig die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn diese einfach die Finger von allem gelassen hätten. Zu offensichtlich wissen die Nephilim selbst gar nicht, wo sie suchen sollen. Sie heften sich einfach an die Fersen der Angelologen.
Im zweiten Teil kristallisiert sich auch zunehmend heraus, wie Evangelines Familie (Mutter, Großmutter und ihr inzwischen verstorbener Vater) in die Sache verstrickt ist. Auch dieser Part der Geschichte fordert dem Leser einiges an Durchhaltevermögen ab. Bis es soweit ist, muss Evangeline eine Art Puzzle lösen, welches ihre Großmutter initiiert hat. Dies hat mich ganz für sich allein genommen fast dazu gebracht hat, das Buch beiseitezulegen. Die Logik der anscheinend immensen Dringlichkeit der Sicherstellung der Leier verpufft angesichts der beschriebenen Inszenierungen. Obwohl auch dieser Buchteil durchaus eine eigene Faszination haben mag, empfand ich den Wechsel zu abrupt, zu unpassend und einfach zu langatmig.
Der dritte Teil bringt Trussonis LeserInnen dann wieder in die Jetztzeit. In den noch immer anhaltenden Versuch der Nephilim in den Besitz der Leier zu kommen und in Evangelines und Verlaines Versuch, genau das zu verhindern. Was nur zu gelingen scheint, wenn sie die einzelnen Teile der im Zweiten Weltkrieg in die Staaten verbrachten Leier wiederfinden. Auch diese Suche gestaltete sich für mich eher wie eine schlecht organisierte Schnitzeljagd. In diesem Teil wird Evangelines Geheimnis und ihre Verbindung zu dem sterbenskranken Nephilim Percival Grigori gelüftet. Zumindest für die, die es noch nicht geahnt haben.
Ich kann weder sagen, dass Trussonis Schreibstil mich absolut begeistert noch völlig abgeschreckt hat. Nur dass ich stellenweise fast dachte, zwei verschiedene Autoren hätten an diesem Roman mitgewirkt. Der ist nicht wirklich schlecht, wirklich gut jedoch auch nicht. Das Verhältnis des ersten und dritten Teils zu Teil zwei ist wenig ausgewogen, die Übergänge zu wenig fließend. Das mürbe machende Versteckspiel um die Leier ist von so vielen kompliziert wirkenden und sich dann doch einfach schrecklich leicht lösenden Zufällen gespickt, dass die im zweiten Teil abrupt verlustig gegangene Spannung in dritten Teil nicht mehr aufkommen kann. Der Schluss birgt, obwohl gut angedacht, auch keine Überraschung, da sich bereits lange zuvor eine zunehmende Vorhersehbarkeit der Handlung eingeschlichen hat. Endet die Geschichte nach 600 Seiten? Nein, nicht wirklich. Sie deutet fast schon auf einen Folgeband hin.
Fazit
Alttestamentarische Engelszuordnungen nehmen leider die Spannung, obwohl sie durchaus interessant sind. Mir wurde beim Lesen wieder einmal bewusst, das die Begriffe Gut und Böse lediglich eine willkürlich getroffene Definition von Menschen darstellen. Mord bleibt Mord, ob er nun von den „bösen“ Engeln oder von den „guten“ Angelologen begangen wird. Ich habe mir nach dem, was ich im Vorfeld gelesen hatte, mehr von dem Roman versprochen und würde auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten allenfalls 3 Punkte vergeben.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens
Geschrieben in 3 von 5 Punkten, Autoren Q - T, Krimi & Thriller, Fantasy & Horror, Roman | Keine Kommentare »
13.11.2010 von Ati.
Das Schwert der Druiden
von Werner Diefenthal
Acabus
ISBN 978-3941404687
Fantasy
Originalausgabe 2010
Taschenbuch, 233 Seiten
€ 13,90 [D]
Zum Autor
Ein Besuch auf einem Trödelmarkt und damit verbunden der Anblick eines alten Schwertes brachte den 1963 geborenen Rheinländer, der heute mit seiner Familie in Oberfranken lebt, dazu, seinen ersten Roman zu schreiben. Nach einer Ausbildung zum Schlosser ist er heute hauptberuflich im Qualitätsmanagement tätig. Zwischen der Idee, dem ersten Manuskript und der Veröffentlichung im Acabus Verlag vergingen fast zwei Jahrzehnte.
Zum Buch/Meine Meinung
Das Angebot auf Trödelmärkten ist ein Stück gelebte Geschichte. Die Teile, die man dort betrachten oder kaufen kann, erzählen etwas. Mal größere, mal kleinere Geschichten. Oder sie regen, wie zum Beispiel bei Diefenthal geschehen, dazu an, eine Fantasygeschichte zu schreiben
Die Inhaltsangabe umreißt ziemlich gut, worum es geht:
Nach dem Tod seines Großvaters ist für den 17jährigen Michael nichts mehr, wie es einmal war. Im Zimmer seines Großvaters entdeckt er nämlich ein geheimnisvolles Schwert, und ehe er es sich versieht, findet er sich in einer fremden Welt wieder und dessen Bewohner heißen ihn als “Erlöser” willkommen, der in einer langen Reihe von Kriegern dazu auserkoren ist, eine alte Prophezeiung zu erfüllen…
Nichts wirklich Neues also, aber das ist bei der Masse an erhältlichen Büchern auch gar nicht mehr machbar. Dennoch überraschen die Fantasien immer wieder, die sich um ein uraltes Thema ranken. Das Thema, welches vom Kampf gut gegen Böse berichtet, von alten Prophezeiungen, von einem Erlöser. Von Hoffnung.
In Diefenthals Roman trifft es Michael. Gerade mal mit 17 und relativ unbedarft stolpert er in eine Welt, die es nach normalem Dafürhalten eigentlich nicht geben kann. Eine Welt, in der die Toten seiner Welt nicht unbedingt tot sein müssen. Eine Welt, in der Menschen aus seinem realen Umfeld vorkommen. Eine Welt, die akut bedroht und für immer verloren ist, wenn er versagt, denn er ist genau genommen der letzte Krieger einer uralten Prophezeiung.
Wie so oft braucht es ein Portal, um diese magische Parallelwelt zu betreten, die irgendwo in der Vergangenheit festzustecken scheint und im Großen und Ganzen doch der unseren ähnelt. Das Portal ist im Falle von Diefenthals Roman ein magisches Schwert, welches Michael nach dem Tod seines Großvaters in einer Truhe findet – oder das genau genommen ihn findet. Und ihn bei genauerem Betrachten zu dieser Aufgabe zwingt, denn bei einer Weigerung droht ihm der Tod durch eben dieses Schwert.
Das Problem bei magischen Portalen ist meist, dass sie die Protagonisten kalt erwischen. Michaels Vater etwa konnte Jahre vor ihm beispielsweise nicht reiten und war im Schwertkampf genauso wenig bewandert wie Michael das jetzt ist. Dabei bleibt wenig Zeit, solche Dinge zu lernen, und die Mitstreiter, die den prophezeiten Kriegern solche Kleinigkeiten beibringen sollten, verzweifeln fast, weil das eben nicht so schnell geht.
Natürlich meistert auch Diefenthals Protagonist nach vielen Problemen seine Aufgabe, rettet die Parallelwelt und seine eigene, darf dorthin zurück und wird letztlich noch belohnt für seinen Tapferkeit und seinen Mut – so wie es den Protagonisten solcher Geschichten für gewöhnlich immer geht. Man fiebert gemeinhin trotz des an sich ja bekannten Plots immer wieder aufs Neue mit. Die Kunst bei dieser Thematik ist es einfach, die Erzählung immer wieder so zu gestalten, dass sie den Lesern/Leserinnen neu vorkommt. Dies ist Diefenthal jedoch leider nur bedingt gelungen, da vieles zu vorhersehbar war und sich die eine oder andere Schwierigkeit zu einfach quasi in Luft auflöste.
Dadurch wird das Buch aber nicht wirklich schlecht. Der Autor versteht es durchaus, seine Figuren lebendig zu gestalten und entführt sein Publikum in eine Welt, die alte Werte heraufbeschwört. Mut und Vertrauen etwa. Durchhalten, auch wenn etwas fast unmöglich scheint. Durch die einfache Sprache des Autors wird das Hineinfinden in die von ihm geschaffene Fantasywelt erleichtert. Und der flüssige Schreibstil sorgt dafür, dass man verwundert feststellt, dass man bereits die letzte Seite aufgeschlagen hat.
Fazit
Ich würde das Buch als Jugendbuch (ab 14 Jahre) bewerten, habe mich jedoch durchaus kurzweilig unterhalten gefühlt, obwohl ich bereits weit älter bin. Auf einer Skala von 1 – 5 Punkten würde ich dafür 3,5 Punkte vergeben.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Autoren A - D, 3 von 5 Punkten, Abenteuer, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Fantasy & Horror, Roman | 2 Kommentare »
12.11.2010 von Ati.
Brigitte Riebe
Die Nacht von Granada
cbj
ISBN 978-3570136805
historischer Roman, Thriller, Liebesgeschichte, Jugendbuch ab 12 Jahre
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung Geviert – Büro für Kommunikationsdesign
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 400 Seiten
€ 15,99 [D]
Zur Autorin
Die 1953 in München geborene Brigitte Riebe studierte Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte, ist promovierte Historikerin und arbeitete als Museumspädagogin und später als Verlagslektorin bei Bertelsmann. Diese Stelle gab sie 1991 zugunsten einer Tätigkeit als freie Schriftstellerin auf. Genre übergreifend schrieb sie seither etwa 30 Romane. Sie ist über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, da ihre Romane in über acht Sprachen übersetzt wurden.
In den 1990er Jahren verfasste Griebe moderne Gesellschaftsromane. Darüber hinaus erschien bei Goldmann 1992 der erste Band einer letztlich achtbändigen Krimireihe um die Juristin und Antiheldin Sina Teufel. Diesen und die folgenden sieben Bände verfasste die Autorin jedoch unter dem Pseudonym Sara Stern. Im achten Roman der Krimireihe verabschiedete sich Riebe/Stern von ihrer Hauptfigur. Einer der Bände wurde Mitte der 1990er Jahre unter anderem mit Rufus Beck unter dem Titel Inzest filmisch in Szene gesetzt.
Während in den 1990ern neben ihren modernen Gesellschaftsromanen nur zwei historische Romane erschienen, verlagerte sich der Schwerpunkt ihrer schriftstellerischen Tätigkeit ab 2000 eindeutig auf den historischen Roman. Seither erschienen 11 weitere Romane mit dieser Thematik, wovon zwei als Jugendbücher verlegt wurden. Eines davon möchte ich heute vorstellen.
Zum Buch
Geht man auf die Verlagsseite, erfährt man Folgendes über den Inhalt:
Packender Thriller und mitreißende Liebesgeschichte
Granada 1499: Die 16-jährige Lucia, Tochter des Goldschmieds Antonio, ist seit ihrer Kindheit eng befreundet mit Nuri, der Tochter des Steinschleifers Kamal. Und verliebt in Rashid, Nuris Bruder. Eine solche Verbindung wird jedoch undenkbar: Nach der Vertreibung der Juden richtet sich das spanische Königspaar nun gegen die Mauren, die in Granada jahrhundertelang friedlich mit Juden und Christen zusammengelebt haben. Kamal gerät in die Fänge der Inquisition, die ihre Fühler auch nach Antonio ausstreckt. Lucia ist verzweifelt. Da tritt Miguel auf den Plan, ein junger Steinschleifer, der Lucias Gefühle heftig durcheinanderbringt …
Diese Geschichte ist auf 358 Seiten verteilt in Worte umgesetzt, gebunden und mit einem Schutzumschlag versehen worden, der durch das ruhige Gesicht vor der mondbeschienenen Kulisse Granadas schlicht aber schön wirkt. Das Buch soll für LeserInnen ab 12 Jahren sein. Ein Nachwort, in dem die Autorin auf die damalige Zeit und einen Bezug zum Dritten Reich eingeht, füllt zusammen mit einem Anhang aus alphabetisch sortierten Begriffserklärungen die restlichen Seiten.
Meine Meinung
Nicht zum ersten Mal streckte die Autorin also ihre Recherchefühler in die Vergangenheit aus. Dieses Mal entführt sie LeserInnen in die Zeit der erzwungenen Christianisierung Granadas. Einer Stadt, in der muslimische Mauren viele Jahrhunderte als Herrscher in friedvoller Gemeinschaft mit den beiden anderen großen Religionen (Christentum und Judentum) lebten. Ein Leben, in dem Kultur und Wissen einen hohen Stellenwert hatten. Ein Leben, in dem Freundschaften entstanden, die Familienverhältnissen glichen und in dem sich lange Zeit niemand an der Andersartigkeit der Glaubensrichtungen störte. Sie nicht nur tolerierte, sondern mit lebte.
Doch all das hat ein Ende, als, kurz nachdem die Juden erfolgreich ausgegrenzt und gejagt wurden, auch die Mauren dazu gezwungen werden, den christlichen Glauben anzunehmen oder zu fliehen, wenn sie dem Tod entgehen wollen. Ein sehr düsteres Kapitel in der Kirchengeschichte, der Geschichte des spanischen Königshauses, der Menschheit überhaupt. Ein Kapitel, das deutlich vor Augen führt, was im Namen des Glaubens alles angerichtet wurde und bedauerlicherweise immer noch wird. Riebes Roman stimmt nachdenklich, wirft die Frage auf, wie das Verhältnis der Weltreligionen untereinander heute wohl sein könnte, wenn damals nicht aus Machtgier und künstlich heraufbeschworenem Hass unter dem Deckmantel des Glaubens so viel zerstört worden wäre.
Diese gewaltsame Christianisierung, die mit verständlicher Gegengewalt vonseiten aufständischer Muslime beantwortet wird, ist einer der Themenstränge in Riebes Geschichte. Eng verbunden damit ist der Zweite, der die Aufklärung eines Diebstahls betrifft, und wiederum mit dem Dritten, einer religionsübergreifenden Liebesgeschichten verknüpft ist.
Diese Grundgedanken an sich haben mir gefallen, allerdings empfand ich sowohl die einzelnen Charaktere als auch die Handlungsstränge stellenweise zu flach. Es mag sein, dass das an meinem Alter liegt, das nicht mehr der Zielgruppe (ab 12 Jahren) entspricht. Allerdings habe ich mit der Freigabe für diese Zielgruppe auch so meine Probleme. Warum? Nun das Buch ist zum einen angenehme Alternative zu den derzeit auf den Markt befindlichen Fantasygeschichten für junge LeserInnen, vermittelt nachvollziehbar historische Begebenheiten und ergeht sich trotz der darin beschriebenen Brutalität nicht in Gewaltorgien. Auch die Sexualität wird nicht als verkaufsförderndes Element mit einbezogen. Dennoch würde ich persönlich es meinen Nichten in dem Alter noch nicht geben, wobei ich auch denke, dass diese ganz leichte Probleme mit dem Sprachgebrauch der Autorin hätten. Ihre Sprache ist einfach, wirkt aber bisweilen fast melodramatisch und lässt dann wiederum an Tiefe vermissen.
Die, laut Klappentext, mitreißende Liebesgeschichte von Lucia und Rashid ist leider nicht wirklich tief gehend beschrieben. Sie enthält romantische Momente, geht aber genau genommen fast verloren. Fast gleichwertig scheint die Beziehung der muslimischen Haushälterin und Geliebten zu Lucias Vater. Auch die zarten, sich zwischen Nuri und Miguel anbahnenden Bande, verblassen in ihrer Andeutung und werden für mich nicht ausreichend beleuchtet, gehen fast unter gegenüber der Erwähnung der Gefühle, die ein befreundeter Priester für Lucias Tante empfindet. Selbst unter Berücksichtigung dessen, dass die Liebesgeschichte ja hauptsächlich um Lucia und Rashid gehen soll, wobei Lucias Gefühle wegen Miguel durcheinandergeraten, gewinnt dieser Strang nicht an Faszination. Daneben erscheint sowohl die Aufklärung des Diebstahls als auch der Part, der an dieser Stelle eingreifenden Inquisition, zu eindimensional und vorhersehbar dargestellt.
Gelohnt hat es sich für mich trotzdem, das Buch zu lesen. Denn der erstgenannte Handlungsstrang rettet Riebes Geschichte. Die Nacht von Granada ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch der Gipfel dessen, was damals passierte. Die unnötige und berechnende Vernichtung von Wissen und Kulturschätzen durch den Erlass der Verbrennung aller arabischen Schriften, die damals zu wochenlangen Aufständen führte. Riebes Beschreibung des Vertrauensbruchs, den die Kirche und spanische Krone durch die Missachtung des Übergabevertrages der Stadt von den bisherigen an die neuen Machthaber begangen hat, ist sehr gut gelungen. Ebenso die Schilderung der erzwungenen Taufen und der Diskriminierungen, die die maurische Bevölkerung ertragen musste. Ihre den Umstand beschreibenden Worte, dass Angst vor einer ungewissen Zukunft Stimmungen weckt, die massenhysterische Züge annehmen können, sind nachvollziehbar echt gewählt. Da auch die Tatsache, dass es schon immer in allen Glaubensgemeinschaften Menschen gegeben hat, die ihren Glauben gelebt und nicht missbraucht haben, nicht zu kurz kommt, gefiel mir der für mich eigentliche Hauptstrang gut.
Fazit
Vielleicht ist es etwas weit hergeholt, aber historische Romane wie Die Nacht von Granada können mit dazu beitragen, dass es ein besseres Verständnis zwischen den Religionen geben kann. Das ist leider auch in der heutigen Zeit noch ein nach wie vor aktuelles Thema. Und damit wird das Buch, trotz anfänglicher Bedenken, dann doch wieder etwas für junge LeserInnen. Und ältere Fans historischer Romane kommen auch nicht zu kurz.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in 3 von 5 Punkten, Historisch - Mittelalter, Autoren Q - T, Abenteuer, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Roman | Keine Kommentare »
9.11.2010 von Ati.
Vampire sind die beste Medizin
von Lynsay Sands
Originaltitel: Vampires Interrupted
Lyx
ISBN 978-3802583735
Romantic-Fantasy, Vampire
Dt. Erstausgabe 2010
Aus dem Amerikanischen von Ralph Sander
Taschenbuch, 364 Seiten
€ 9,95 [D]
Zur Autorin
Die in der kanadischen Provinz Ontario geborene Autorin Lynsay Sands studierte Psychologie. Ihr erster Roman wurde nach Beendigung ihres Studiums veröffentlicht. Sie verfasste mehrere zeitgenössische und historische Romane und liest selbst gerne Horror- oder Liebesromane. Ihre Serie über die Familie Argeneau ist einer der erfolgreichsten Vampirserien der USA und erfreut sich auch bei uns großer Beliebtheit. Die Autorin lebt und arbeitet heute im Norden Englands.
Zum Buch
Für alle, die noch nie etwas von Sands oder den Argeneaus gelesen oder gehört haben sollten: Mit einem an Philipps oder McAlister erinnernden und doch auch ganz eigenen Schreibstil hat die Autorin die Welt einer Vampirfamilie geschaffen, die (zumindest teilweise) in Atlantis geboren wurde und durch nanotechnologische, medizinische Fortschritte vor dem Untergang dieser mystischen Welt zu (Fast-)Unsterblichen wurden. Zum Überleben brauchen sie Blut. Sie können sich durch Geburten vermehren und sie können Menschen durch Bisse wandeln. Doch die Vampire von Sands entsprechen dem modernen Vampirtyp. Was bedeutet, dass sie ihre Opfer nicht töten und Sonnenlicht ihnen zwar nicht unbedingt gut tut, sie aber auch nicht in Rauch aufgehen lässt. Sie gehen normalen Berufen nach, leben unter und teilweise mit Menschen, und haben im Laufe der Zeit die eine oder andere Eigenart angenommen und/oder (emotionale) Verletzung davon getragen. Die Vampire dürfen nur einen Menschen in ihrem Leben wandeln, wenn sie sich nicht von vornherein mit einem anderen Vampir zusammentun. Aufgrund ihrer langen Lebensdauer ist eine genaue Wahl des Partners sehr wichtig, allerdings gibt es eine Eigenheit unter Menschen wie Vampiren, die quasi von selbst für den richtigen Partner sorgt. Jedenfalls für denjenigen, der die Ausdauer besitzt, auf den richtigen zu warten. Die Überzeugung der Autorin, dass etwas Humor in allen Lebenslagen hilft, kommt in der Serie zum Tragen. Denn neben der Fantasy-Romance-Thematik kommen humorige Szenen nicht zu kurz.
Marguerite Argeneau, die kuppelfreudige Mutter/Tante/demnächst-Oma der Argeneau-Familie, will eigentlich nur alle glücklich sehen. Nachdem sie in den vorangegangenen acht Bänden der Vampirserie für die Anbahnung der Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder gesorgt hat, schwimmt sie sich 75 Jahre nach dem Tod ihres Mannes aus ihrer 700jährigen katastrophalen Ehe auch selbst langsam frei.
Der neunte Band Vampire sind die beste Medizin ist ihr gewidmet. Sie arbeitet als Detektivin und ihr Job führt sie nach England, wo sie die Mutter eines Vampirs ausfindig machen soll. Dessen Vater sträubt sich allerdings mit aller Macht dagegen. Die Frau, auf die Marguerite und ihr Partner angesetzt sind, wollte vor mehreren Jahrhunderten genau den Sohn töten lassen, der sie jetzt suchen lässt. Zwischen Julius (dem Vater ihres Auftraggebers) und ihr funkt es quasi sofort, denn beide merken, dass sie besagte Eigenheit besitzen, die sie zum Seelengefährten des anderen machen könnte. Allerdings gestehen sie sich das erst einmal nicht ein und der Umstand, dass beide reichlich eingerostet sind, was zwischenmenschliche bzw. zwischenvampirische Beziehungen betrifft, reizt bisweilen zum Lachen. Die angeblich verschollene Mutter ist eigentlich zum Greifen nah und behindert gleichzeitig in gewisser Weise eine Annäherung der beiden. Es kommt zu einigen Verwicklungen und jemand trachtet Marguerite nach dem Leben. Ein Umstand, der Julius dazu bringt, sich auf ihre Seite zu schlagen und ihr dabei zu helfen, Licht in die vertrackte Familiengeschichte zu bringen. Und sie ganz nebenbei und wirklich für sich zu beginnen.
Meine Meinung:
Wie auch die übrigen Bände lässt sich die Geschichte Marguerites, obwohl alle miteinander verwoben sind, völlig für sich lesen. Auch hier wird auf die Lebensgefährtenthematik eingegangen und die Entstehungsgeschichte der Vampire mit wenigen Worten umrissen. Vielleicht liegt es daran, dass ich es in den vorangegangenen Büchern bereits zu oft gelesen habe. Doch obwohl es, liest man Marguerites Geschichte separiert, sicher ganz praktisch ist, alles nochmals in Vampire sind die beste Medizin nachlesen zu können, störte mich die Sache mit den Lebensgefährten dieses Mal etwas.
Abgesehen davon führt die Autorin ihre Leser aber gewohnt kurzweilig an Marguerites Seite durch die Geschichte und lässt sie an dem Dilemma teilhaben, das sich aus einer Ehe mit jemandem ergibt, der einen völlig kontrollieren kann. Selbst wenn man über 700 Jahre alt ist, können sich da enorme Minderwertigkeitskomplexe halten, die in eine neue Beziehung hineinspielen. Vor allem, wenn sich herausstellt, dass besagter Ehemann sogar über den Tod hinaus noch Macht auf sie auszuüben scheint und womöglich gar nicht tot ist. Oder auch an Julius Problemen, die sich aus seinem Wissen um die Mutter seines Sohnes ergeben, als er feststellt, dass damals nicht alles so war, wie es den Anschein hatte. Dass diese Mutter eher Opfer als Täterin war. Und er sie weder vergessen kann noch wirklich will.
Sands Vampire sind nach wie vor trotz ihrer körperlichen Besonderheiten menschlich. Machen Fehler oder begehen Dummheiten. Sie müssen nicht gegen etwas übernatürlich Böses kämpfen oder abgehobene Abenteuer bestehen. Vielmehr quälen sie sich mit den gleichen Problemen herum wie wir. Eifersüchteleien, Neid, Missachtung bis hin zu Hass. Ansonsten machen Marguerite und Julius einfach das, was Vampire in Fantasy-Romance-Romanen tun: Sie verlieben sich und müssen auf dem Weg zum Happy End einige Unwägbarkeiten meistern.
Die Lösung des Rätsels kommt etwas zu kurz und war bereits beim ersten Gespräch zwischen Marguerite und der Person, die sie töten will, für mich vorhersehbar. Dieser Teil hätte mehr ausgebaut werden können, lässt er doch den Teil der Geschichte, der für Spannung sorgen sollte, zu flach ausklingen.
Fazit:
Fortsetzung mit kleinen Schwächen. Dank Sands Schreibstil jedoch gewohnt lustig und kurzweilig. Ein Buch zum Entspannen. Da die Reihe noch ein paar Bände weitergehen soll (zumindest die amerikanischen Originalausgaben, in Deutsch ist bislang nur ein Folgeband für nächstes Jahr angekündigt) bleibt die Hoffnung, dass die Autorin wieder die Spritzigkeit und Spannung der ersten Bände erreicht.
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Geschrieben in 3 von 5 Punkten, Autoren Q - T, Fantasy & Horror | Keine Kommentare »
24.10.2010 von Ati.
Nadja Steinwachs
That’s life! … eigentlich, natürlich und na toll!
Medu-Verlag
ISBN 978-3-941955-10-3
Erfahrungen
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung Daniela Tannebaum (Verlag)
Taschenbuch 248 Seiten
€ 12,95 [D]
Zur Autorin
Neben der Vorliebe für Fotografie, Kunst, Musik, Tanz, Tiere und Reisen schreibt die 1981 in Herborn geborene Autorin Nadja Steinwachs gerne. Sie arbeitet als Heilpraktikerassistentin und Seminarleiterin für autogenes Training und hat vor ihrem ersten Roman „That’s Life!“ bereits ein Kinderbuch mit dem Titel „Pino, der kleine Pingpongball geht auf Reisen“ verfasst.
Zum Buch
Zitat der Inhaltsangabe
Emotional und provokant erzählt die Psychologiestudentin Emely Morgenstern von ihrem ganz alltäglichen Wahnsinn: Sie schreibt Gedanken- statt Tagebücher, rettet Würmer von der Straße und verkauft zu enge Jeans an zu dicke Mädchen. Sie philosophiert über das Leben und den unvermeidlichen Tod, lässt sich über den Superstarwahn und das Privatfernsehen aus, arbeitet mal als Altenpflegerin und mal im Immobiliengeschäft.
Offen und ehrlich veranschaulicht sie, dass das Leben zwar Partys bietet, nicht aber als Party verstanden werden sollte. In ihren kurzweiligen Geschichten aus der Welt des Alltäglichen kombiniert sie Spiel und Spaß mit der Ernsthaftigkeit des Lebens und stellt überraschend fest, dass letztlich beides möglich ist.
Eigentlich gibt es nicht viel mehr dazu zu schreiben, denn genau genommen gibt diese Inhaltsangabe sehr gut wieder, was man zu lesen bekommt.
Meine Meinung
Ich habe mich also ans Lesen gemacht und tauchte in Steinwachs Gedankenwelt ein. Wobei …? Das Buch ist in Ich-Form geschrieben, was zum Gedankenbuch passen würde, aber gleichzeitig als Roman deklariert. Die Protagonistin nennt sich Emely Morgenstern. Was davon Wirklichkeit oder Fiktion ist, zu Emely oder doch vielleicht Nadja gehört, scheint bisweilen fraglich, da das eine oder andere Puzzleteilchen aus dem Lebenslauf der Autorin doch dem der Protagonistin gleicht.
Zuerst erfährt der Leser, dass Emely Tagebücher nicht mag und lieber Gedankenbücher schreibt, genau wie in der Inhaltsangabe beschrieben. Und es stimmt. Seite für Seite findet man Gedanken, die sich mühelos aneinanderreihen und gleichzeitig kunstvoll ineinander verschlingen. Querbeet durch alle Themenbereiche lässt die Autorin ihre Leser spritzig, humorvoll, stellenweise biestig und leicht provokant an dem teilnehmen, was ihr so durch den Kopf spukt. Die Seiten blättern sich fast von alleine um und man fragt sich, wann das nächste Kapitel anfängt, dabei hat man längst begonnen, es zu lesen.
Die Leser erfahren von der überaus lebhaften Fantasie Emelys, die den kleinen Vampir als beruhigend empfindet, den kleinen Prinzen jedoch nicht so recht versteht. Dass sie vehemente Tierschützerin ist, die sich nicht nur darauf beschränkt, Regenwürmer von der Straße zu retten, sondern auch in einer Nacht und Nebelaktion Hasen aus ihrem Gefängnis befreit. Auch verkrachte Existenzen werden bei ihr nicht einfach in Grund und Boden verdammt. Leser erhaschen einen Blick auf eine etwas chaotische, aber gläubige junge Frau mit Prinzipien.
Ihr Rundumschlag gegen Integrationsverweigerung, Fleischesser, Sozialsystemschmarotzer (sie bezieht sich wirklich nur auf die Schmarotzer und nicht auf diejenigen, die wirklich hilfsbedürftig sind), vernachlässigte Kinder, etc. könnte den einen oder anderen Standup-Comedian vermutlich vor Neid erblassen lassen.
Allerdings kommt irgendwo zwischendrin ein Bruch. Das Buch verliert den Gedankenbuchcharakter und wird eigentlich das, was Emely gar nicht mag. Eine Art Tagebuch, in dem Reiseerfahrungen (okay, das war schon im Anfangsteil so, doch da wirkte diese Erfahrung einfach anders) genauso verarbeitet werden wie zerbrochene Beziehungen; der Tod ihr nahestehender Menschen genauso wie Drogen und der eine oder andere Blick in die mehr oder weniger legale Welt in ihrer unmittelbaren Umgebung. Außerdem scheint Emely immer dann krank zu werden, wenn sie im Urlaub ist und dabei nicht unbedingt die besten Erfahrungen zu machen. Der Leser entdeckt eine Emely, die trotz aller Vorwürfe gegen eine mehr oder wenige bigotte Gesellschaft selbst die Tendenz dazu aufweist.
Beispiel: Sie wird Vegetarierin, weil sie die Qual der Tiere nicht erträgt. Fische, die nach ihrem eigenen Dafürhalten ebenfalls Qual empfinden, wenn sie im industriell anmutenden Fischfang qualvoll eingequetscht langsam ersticken, landen jedoch auf ihrem Teller. Oder: Sie ist gegen Drogen, trinkt aber gern und öfter einen über den Durst und ist auch nicht abgeneigt, Joints zu rauchen. Oder: Sie hilft zwar Obdachlosen, ist aber völlig gegen Zigeuner eingestellt, weil die einfach alle klauen. Sie ist gegen Wildfang exotischer Tiere, muss aber selbst anscheinend den einen oder anderen Exoten unbedingt haben, um ihn später mit schlechtem Gewissen in einem Zoo oder einer Auffangstation abliefern zu müssen, weil sie keine artgerechte Haltung bieten kann.
Außerdem spricht Emely neben ihren Jobs von einem Psychologiestudium und Patienten, wirkt gleichzeitig aber auch wie jemand, der die eine oder andere Therapiestunde nötig hätte. Das macht einerseits menschlich, andererseits fällt es überdeutlich auf. Vielleicht weil ich nach dem Auftakt etwas anderes erwartet hatte, auch wenn von vornherein klar war, dass in dem anfänglich lockeren Stil nicht das Buch mit der Seitenzahl zustande gekommen wäre, das ich eben in Händen hielt. Die Kapitel scheinen übrigens chronologisch wild durcheinander zu springen. Manchmal kam es mir auch so vor, als ob sie in größerem zeitlichen Abstand verfasst worden wären.
Das Buch wird dadurch nicht schlecht. Innerhalb kurzer Zeit war es ausgelesen. Die entsprechenden Kapitel zogen sich etwas, waren aber immer noch in einem flüssigen, lebendigen Stil geschrieben. Und was im ersten Teil an spritziger Leichtigkeit im Standup-Comedian Stil herausragte, machte andererseits der zweite Teil durch eine überraschende … (Tiefe ist das falsche Wort) Ernsthaftigkeit (ist auch nicht richtig, aber kommt wenigstens andeutungsweise heran) wett. Allerdings: Wenn es hart zu werden droht, wendet Emely sich bisweilen ab, zieht sich zurück. Ein Schutzmechanismus, klar, der die innere Zerrissenheit der Figur noch mehr hervorhebt und damit gleichzeitig die Leichtigkeit im ersten Teil Lügen straft. Dieser Rückzug geschieht allerdings irgendwie oberflächlich. Emely denkt nicht weiter über das Erlebte nach bzw. lässt Leser in ihrem Gedankenbuch nicht wirklich daran teilhaben. Sie erzählt einfach davon und wirft die Tür zu nach dem Motto „muss ich nicht haben“. Was wiederum die Ernsthaftigkeit zumindest in Teilen aushebelt. Vielleicht wäre es besser gewesen, alles unabhängig voneinander herauszubringen? Ich weiß es ehrlich gesagt noch immer nicht, egal wie oft ich das Buch zur Hand nehme, um einzelne Passagen nachzulesen.
Übrigens: Der Untertitel des Buches „… eigentlich, natürlich und na toll!“ wurde mir beim Schreiben gerade erst so richtig bewusst. Eigentlich ist Emely eine hilfsbereite junge Frau, wahrheitsliebend, mit Prinzipien und moralischen Grundsätzen, stark und neugierig aufs Leben – zumindest auf den ersten Blick. Aber natürlich hat sie ihre Fehler und Schwächen. Na toll! Damit ist sie ja auch nicht besser als wir alle.
Fazit
Ein Buch zum Entspannen, das aber auch Denkanstöße vermitteln kann. Und der Titel trifft es wirklich. Manchem Leser könnte das Buch auch als Spiegel dienen.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens
Geschrieben in 3 von 5 Punkten, Autoren Q - T, Roman | Keine Kommentare »