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23.3.2011 von Ati.
Susan Crandall
Pitch Black – Ohne Ausweg
Originaltitel: Pitch Black
übersetzt von Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler
Lyx
ISBN 9783802583339
ISBN 3802583337
Krimi
Deutsche Erstausgabe 2011
Taschenbuch mit Klappenbroschuer, 395 Seiten
[D] 9,95 €
Zum Buch / Meine Meinung
Bereits mit ihrem ersten Kriminalroman hat die in Indiana lebende Susan Crandall einen Preis – den RITA-Award – gewonnen. Seit 2004 sind zwei Einzeltitel und insgesamt sieben Titeln in den beiden Buchserien Pitch Black und Glens Crossing erschienen. Mit Pitch Black – Ohne Ausweg erscheint der Teil der gleichnamigen Serie in deutscher Sprache. Es handelt sich dabei um eine Geschichte über eine aufkeimende Liebe, Vertrauen, Freundschaft und Verbrechen. Im August soll der zweite Teil mit dem Titel Dark Red – Ewiges Versprechen folgen. Weitere Übersetzungen ihrer Romane sind beim Verlag in Vorbereitung.
Der als Romantic-Thrill eingestufte Roman deutet auf eine Liebesgeschichte mit etwas Mord hin. Doch wer Crandall verdächtigt, sich dafür einfach der üblichen Klischees zu bedienen, liegt falsch. Die Autorin zeichnet in ihrem Buch interessant vielschichtige, authentische Figuren in einer dicht gewobenen Kleinstadtatmosphäre der Gegenwart. Da gibt es die erfolgreiche und unabhängige Journalistin Maddie mit ihrem Adoptivsohn Ethan, der als Straßenkind gelebt und eine bewegte Vergangenheit hat. Da gibt es Gabe, den örtlichen Sheriff, Südstaatengentleman, gut aussehend - an dem sie genauso interessiert ist, wie er an ihr. Das sind die drei Hauptpersonen der Geschichte. Keine Figuren ohne Ecken und Kanten, aber lebendig mit Überzeugungen und liebenswerten Eigenschaften, die schneller als es gut für sie ist, von Crandall in etwas verwickelt werden, was man eher in Großstädten, nicht jedoch in der beschaulichen Südstaatengemeinde erwartet, in die Maddie mit Ethan gezogen ist.
Es gibt insgesamt vier Todesfälle in Pitch Black – Ohne Ausweg, wobei die erste Tote einige Zeit vor Maddies und Ethans Umzug stirbt und die zweite Leiche nur bedingt als Mordopfer deklariert werden kann. Das ist wenig später der Stiefvater von Ethans bestem bzw. einzigen Freund Jordan. Er war in der Gemeinde anerkannt und beliebt. Jordan hatte jedoch nicht nur im Allgemeinen vor vielem Angst, sondern anscheinend auch vor diesem Mann im Besonderen. Was als harmloser Campingausflug für Ethan, drei weitere Jungs und Jordans Stiefvater beginnt, endet mit einem Toten. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, kristallisiert sich schnell als Gewaltverbrechen heraus. Die Ermittlungen kosten Gabe nicht nur Zeit, die ihm für die beginnende Beziehung zu Maddie fehlt. Anfangs stellte Maddie noch die Bedürfnisse ihres Adoptivsohnes über ihre eigenen, dann nehmen die Dinge einen Lauf, der nicht gerade beziehungsfördernd ist. Gabes Arbeit bringt Indizien zutage, die Ethan schwer belasten. Der Junge macht sich zusätzlich verdächtig, weil er etwas verschweigt. Auf diese Weise wird er aus seiner gerade erst gewonnenen Sicherheit gerissen. Auf diese Weise werden aber auch die zart eingestreuten Gefühle von Maddie und Gabe auf eine schwere Belastungsprobe gestellt, denn Maddie glaubt fest an Ethans Unschuld. Und bevor der erste Mord ganz geklärt ist, gibt es einen weiteren Toten. Wieder sieht es zunächst wie ein Unfall aus. Wieder deuten die Indizien auf Ethan. Der Tote war nicht nur auf dem Campingausflug dabei, er brüstete sich kurz zuvor in der Schule damit, alles gesehen zu haben.
Hinzu kommt, dass Maddie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Journalistin einem Skandal auf der Spur ist, der ihr Leben in Gefahr bringt. Und es zeigt sich, dass das Leben in einer kleinen Gemeinde auch Nachteile hat. Fremde haben es dort nicht unbedingt leicht. Vorurteile keimen schnell. So wird Ethan seine größtenteils im dunklen liegende Vergangenheit genauso angelastet wie sein teilweise aufbrausendes Verhalten. Maddie wird eine gewisse Yankeearroganz unterstellt. Doch auch Gabe hat es nicht leicht. Zu schnell unterstellt ihm Maddie Gedanken, die er so nicht denkt und zusätzlich muss er sich fragen lassen, ob er wegen ihr eventuell nicht so objektiv ist, wie er sein sollte.
Geschickt verwoben spinnt Crandall ihre die Morde betreffenden Handlungsfäden, ohne die entstehende Beziehung zwischen Maddie und Gabe ganz außen vor zu lassen. Allerdings gerät sie dezent in den Hintergrund – was die Geschichte insgesamt überaus glaubwürdig macht. Gleichwohl werden Leser, die eine Liebesgeschichte mit etwas Mord erwarten, vielleicht enttäuscht. Doch es lohnt, sich, Pitch Black – Ohne Ausweg zu Ende zu lesen. Trotz kleinerer Vorhersehbarkeiten lässt Crandall ihren Lesern genügend Spielraum für eigene Interpretationen, spielt mit ihnen, regt zum Nachdenken an, bietet Lösungen. Und auch wenn sich sehr schnell herauskristallisiert, wer hinter den beiden Morden steckt, bleibt die eigentliche Motivation bis ziemlich zum Schluss offen. Man unterstellt statt dessen zwangsläufig einem der Opfer bestimmte Dinge. Crandall hat dabei einen gelungenen Spannungsbogen geschlagen.
Fazit
Das Buch macht Lust auf mehr, auch wenn die Geschichte um Maddie, Gabe und Ethan komplett abgeschlossen ist. Keine ganz schwere Kost, aber auch keine ganz oberflächliche Angelegenheit, für die ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Buch- & Sammelreihe, 4 von 5 Punkten, Autoren A - D, Krimi & Thriller, Roman | Keine Kommentare »
23.3.2011 von Ati.
Stephen King
Das Mädchen
Originaltitel: The girl who loved Tom Gordon
übersetzt von Wulf Bergner
Pan
ISBN 9783426283561
ISBN 3426283565
Jugendbuch, 12 Jahre
Neuausgabe 2011
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 304 Seiten
[D] 14,99 €
Zum Buch / Meine Meinung
Die 1998 entstandene Geschichte wurde zuvor von anderen Verlagen (Schneekluth und Ullstein) veröffentlicht. Im Februar 2011 erschien sie ein weiteres Mal über den Pan-Verlag. Der grün gehaltene Buchumschlag der aktuellen Ausgabe zeigt einen kahlen Wald, das Motiv der Vorderseite ist mit einem Hologramm gleichermaßen schlicht wie schön gearbeitet. Es zeigt zusätzlich zu dem mehr oder weniger dunklen Wald (je nachdem wie man das Buch hält) ein junges Mädchen und ein gelbes Augenpaar, das auf das Mädchen starrt.
Das durch das Hologramm ebenfalls mal größer oder kleiner wirkende Mädchen und seine düstere Umgebung passen zum Inhalt und verdeutlichen bereits sehr gut, worum es in Kings Roman geht. Der 1947 geborene Autor ist ein Garant für Gänsehauteffekte. Über 400 Millionen verkaufter Bücher in mehr als 40 Sprachen zeigen, dass er nicht nur in seinem Heimatstaat Maine eine feste Größe des Horrorgenres ist. Allerdings richtete sich der größte Teil seiner Geschichten an ein eher erwachsenes Publikum. Wie passt ein Jugendbuch in das von ihm bevorzugte Genre?
Die Lektüre zeigt sehr bald, dass das überraschend gut geht. Denn King verlässt die größtenteils von ihm beschrittenen, bereits etwas ausgetretenen Horrorpfade und beschreibt den Überlebenskampf der realistisch gezeichneten neunjährigen Trisha, die sich bei einem Tagesausflug zu einem Teilstück des Appalachian Trail hoffnungslos im Wald verirrt. Die meiste Zeit ist der Fokus auf das Kind gerichtet, nur kurzzeitig ergeben sich minimale Perspektivwechsel auf die besorgte Familie. Obwohl Trisha mittels Gedanken und Selbstgesprächen zu Wort kommt, erzählt sie ihre Geschichte nicht selbst.
“Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen ….” Dass es das doch ist, merkt Trisha sehr schnell. Tagelang versucht sie verzweifelt aus dem Wald zu gelangen oder jemanden zu finden, der ihr dabei helfen kann. Für eine einfache Wanderung mag ihre Kleidung und Ausrüstung ausgereicht haben, für eine solche Situation genügt sie nicht. Zudem ist der für einen Tagesausflug bemessene Proviant viel zu schnell verbraucht. Der Wald bietet Nahrung - doch was ist giftig, was schadet mehr, als dass es ihr weiterhilft? Wespen fallen über sie her, Stechmücken fressen sie fast auf, sie verletzt sich, wird krank. Trotzdem läuft sie fast zu Tode erschöpft immer weiter. Trifft die eine oder andere fatale Entscheidung, entfernt sich mehr und mehr von den Suchtrupps.
Die Kraft dafür zieht sie unter anderem aus erdachten Gesprächen – mit sich selbst, ihrem Vater, ihrer Freundin, einem Baseballspieler, für den das Mädchen schwärmt. Ruft Erinnerungen wach, um sich von ihrer momentanen Situation abzulenken. Eine kleine Schwachstelle der Geschichte bietet hier Trishas Begeisterung für Baseball, was sowohl der Autor in die Geschichte, als auch der Verlag in die Buchgestaltung eingebaut hat. Die einzelnen Kapitel sind nicht nur in „Vor dem Spiel“, insgesamt Durchgänge (ein Spiel dauert je nach Liga 9 Innings) mit einzelnen Hälften, und „Nach dem Spiel“ unterteilt, was jeweils deutlich durch eine zwei-, bzw. ab dem vierten Durchgang, dreiseitige Wiederholung des Waldmotives vom Text abgegrenzt wird. King lässt sich auch über die Sportart an sich aus und für Laien können die betreffenden Textpassagen Längen beinhalten. Davon wird man aber schnell wieder abgelenkt. Etwa von Trishas Nächten mit ihrem Walkman, der ihr Kraft gibt und dabei hilft, nicht verrückt zu werden. Wenn die Angst zu groß wird, weil die Nacht zu dunkel und voll erschreckender Geräusche ist, flößen die Stimmen aus dem kleinen Gerät Zuversicht ein, geben zumindest etwas Halt durch ihre – im Normalfall – Selbstverständlichkeit. Nicht nur die Schilderung dieser Nächte mit der das Mädchen umgebenden Dunkelheit ist King überaus gut gelungen.
Denn was ein neunjähriges Stadtkind allein in einem unendlich wirkenden, nachts zappendusteren oder lediglich mondbeschienen, unwegsamen Wald erlebt oder was ihre überreizte Fantasie ihr vorspielt, ist natürlich weder normal noch eine Selbstverständlichkeit. Und was eigentlich recht simpel beginnt, wird - ganz King – weitergesponnen. Denn da gibt es natürlich noch etwas. Dieses Etwas wird nicht nur durch die gelblichen Augen im Covermotiv oder einen Hinweis in der Inhaltsangabe angedeutet. Schon bald merkt nicht nur Trisha, dass ihr etwas auf den Fersen ist, dem sie im Ernstfall nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat.
Sehr früh wird dem Leser aus seiner sicheren Position heraus klar, um was genau es sich dabei handelt. Dennoch schafft King es, durch den ihm typischen Erzählstil die an sich schon beklemmende Grundsituation sukzessiv zu verschärfen. Wie gewohnt lässt er das Grauen in ruhigen Tönen anklingen. Jedoch nicht um es letztlich, wie von eingefleischten Fans vermutlich erwartet, in lautlosem Gebrüll lichterloh zu entfachen. Trotz der deutlichen Steigerung der Bedrohungssituation lässt er die Geschichte dadurch, dass er sein Hauptaugenmerk auf das Mädchen richtet, einsteigerfreundlich oder auch jugendbuchgerecht wachsen. Die Schilderung von Trishas Erlebnissen ist sensibel und lässt ihr Wechselbad an Gefühlen auch ohne übernatürlichen Horror überaus authentisch wirken. Die Gänsehaut wird weniger durch das ihr beständig folgende Wesen hervorgerufen, als durch die Phasen der Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung, die sie durchlebt. Trauer und Wut werden abgelöst durch leichte Panik bis hin zur Existenzangst, die durch Hunger und Krankheit ausgelöste Halluzinationen noch verstärkt wird. Der ins scheinbare Nichts führende Weg voller Hindernisse und Probleme ist es, der für aufgestellte Nackenhärchen sorgt. Ein Weg, den viele von uns vermutlich ebenso naiv wie Trisha betreten, unter Umständen jedoch weitaus weniger gut bewältigen würden. Gekonnt und subtil konfrontiert der Autor seine Leserschaft mit Urängsten, die in uns allen stecken.
Auch wenn Das Mädchen sich vom Gros seiner Bücher unterscheidet, auch wenn man Grausigeres von ihm gewohnt ist und das avisierte Lesealter deutlich überschritten hat: Kings Erzählstil zieht einen dennoch durch das Buch. Man fühlt mit dem Kind, man leidet mit ihm, man möchte es in die Arme schließen und hofft auf einen guten Ausgang.
Fazit
Bis auf die erwähnten kleineren Längen, die durch die Ausführungen zum Thema Baseball für Laien und Nicht-Fans entstehen, ein spannendes Buch, das durchaus für die anvisierte Leser- bzw. Altersgruppe geeignet ist (entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen) und für das ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in 4 von 5 Punkten, Autoren I - L, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Roman | Keine Kommentare »
15.3.2011 von Ati.
Sara Grant
Neva
Originaltitel: Dark Parties
aus dem Englischen übersetzt von Kerstin Winter Pan-Verlag
ISBN 978-3426283486
ISBN 3426283484
Jugendbuch, Dystopie
Deutsche Erstausgabe 2011
Umschlaggestaltung Zero Werbeagentur, München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 352 Seiten
[D] 16,99 €
Zur Autorin (Information der Verlagsseite)
Sara Grant wurde 1968 im amerikanischen Bundesstaat Indiana geboren, wo sie Journalistik und Psychologie studierte, bevor sie ihrem Mann nach London folgte; dort machte sie an der Universität den „Master in Creative and Life Writing“ und arbeitet seitdem bei einer Literaturagentur. Der Umzug nach England inspirierte sie zu ihrem ersten Roman: „Sowohl die USA als auch Großbritannien hadern mit Immigrationsthemen. Ich glaube daran, dass die Vielfalt uns stärker macht. Also stellte ich mir die Frage, was geschieht, wenn man Landesgrenzen schließt und sich vor fremden Menschen und fremden Gedanken abschottet. Mein Roman ist die Antwort darauf.“
Zum Buch
Der Schutzumschlag der deutschen Erstausgabe ist schlicht gehalten und dem Titel angepasst. Neva ist nicht nur der Name der Hauptfigur, er bedeutet Schneeflocke und solche finden sich auf dem Umschlag wieder. Sie sind genau wie der Titel glänzend aufgedruckt. Der Titel ist zusätzlich etwas erhaben abgebildet und bei Darüberstreichen deutlich fühlbar. Das Motiv zeigt das Profil eines jungen Mädchens auf grauem Grund, wobei die Haare sehr viel von ihrem Gesicht verdecken. Die Streifen, die sich ebenfalls auf dem Cover befinden und sich dort nicht nur durch den Titel ziehen, setzen sich im Inneren des Buches fort. Genau wie die Schneeflocken zieren sie beispielsweise die Kapitelanfänge. Alles in allem passt diese Gestaltung sehr gut zum Inhalt.
“Verliebt, verzweifelt, in größter Gefahr. Und verdammt mutig.
Die 16-jährige Neva hat es satt, keine Antworten auf Fragen zu bekommen, die sie nicht einmal laut stellen darf: Warum wird ihr Heimatland von einer undurchdringbaren Energiekuppel von der Außenwelt abgeschottet? Warum verschwinden immer wieder Menschen spurlos? Und was ist mit ihrer Großmutter geschehen, die eines Tages nicht mehr nach Hause kam? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Sanna beschließt Neva, Antworten zu verlangen und nicht mehr brav alle Gesetze und Regeln zu befolgen. Doch dabei verliebt sie sich nicht nur in den einen Jungen, der für sie tabu sein muss – sondern gerät auch in tödliche Gefahr …”
Meine Meinung
Das Buch kam mit der Post und eigentlich wollte ich nur einen kurzen Blick hineinwerfen – es wurde ein Lesenachmittag daraus.
Die Inhaltsangabe gibt erfreulicherweise ziemlich genau wieder, worum es grob betrachtet in dem Buch geht – was ja heutzutage nicht immer der Fall ist. Auch das Cover passt – für mein Dafürhalten wie bereits erwähnt, sehr gut zum Inhalt. Die das Gesicht größtenteils verdeckenden Haare, die Streifen, die das Bild oder die Schrift etwas verwischt aussehen lassen. Gleichzeitig ist das Mädchen farbig dargestellt. Beides entspricht den Handlungsfäden der Geschichte. Neva will sich ihre Individualität bewahren. Heimatland – ein von einer gigantischen Kuppel geschütztes eigentliches Hightechland Land in der Zukunft auf dem Weg in die Vergangenheit – verblasst dagegen zunehmend. Die Menschen ähneln sich immer mehr, weil ihr Genpool durch Inzucht eingeengt wird. Die Ressourcen werden knapp, alles wird und wurde zu Tode recycelt. Die Individualität geht in einem Einheitsbrei an Vorschriften, Wiederholungen und Aufarbeitungen zugrunde. Während Letzteres ebenso wie die Ressourcenknappheit nachvollziehbar wirkt, scheint die Sache mit der Inzucht anhand des Zeitraumes der Geschichte etwas übertrieben. So etwas dürfte sich in zwei, drei Generationen noch nicht so stark bemerkbar machen. Doch dieses Detail stört nicht wirklich, zumal nicht klar wird, wie viele Bewohner Heimatland je hatte oder wie groß es ist.
Wer das Buch aufschlägt, landet sofort mitten im Geschehen. Die Autorin schreibt keine seitenlange Einführung, man weiß sofort, worum es geht. Neva, mit ihren 16 Jahren gerade volljährig geworden, handelt zusammen mit einigen Freunden gegen Heimatland. Sie ist es, die die Geschichte in der Gegenwartsform erzählt. Der Leser sieht also alles nur mit ihren Augen und weiß nur von ihren Gedanken und Gefühlen bzw. ihrer Interpretation der Handlungen und Gedanken aller anderen. Obwohl sie gerade erst am Anfang ihres Erwachsenenlebens steht, scheint es aufgrund der Vorhersehbarkeit bereits beendet. Zukunft weckt keine Hoffnung in ihr, sie wirkt beängstigend. So beängstigend, dass sie sich auflehnt, beispielsweise in dem sie sich (wie viele andere auch) ein Merkmal aussucht, dass sie von anderen abhebt. In ihrem Fall ist es eine tätowierte Schneeflocke, im Fall ihrer Freunde eine Narbe, ein gemaltes Motiv oder Ähnliches. Der eine trägt es auffällig, der andere eher versteckt. Neva zum Beispiel macht Letzteres. Sie entstammt einer der Gründungsfamilien von Heimatland. Dieses wurde im Jahr 2051 von der Außenwelt abgeschottet, nachdem der Terror überhandnahm. Niemand weiß, was außerhalb von Heimatland noch existiert.
Heimatland erwartet von seinen jungen Bewohnern brav zur Vermehrung der auf lange Sicht aussterbenden Bevölkerung beizutragen und die Arbeit zu tun, die man ihnen zuweist. Heimatland erwartet blinden Gehorsam und keine Fragen. Doch statt zu tun, was Heimatland von ihnen erwartet, rebellieren Neva und ihre Mitstreiter. Das geschieht durch kleinere Aktionen, in denen die Öffnung von Heimatland gefordert wird genauso wie durch das Gelübde, dass sie sich gegenseitig abgelegt haben und demzufolge sie keine Kinder in die Welt setzen wollen. Doch Heimatland sieht alles und hört alles, hält seine Bewohner absichtlich unwissend, füttert sie mit falschen Informationen und setzt seine Vorstellungen skrupellos abseits vom Bewusstsein des Hauptteils der Bevölkerung um. Noch nicht einmal die Regierungsmitglieder, wie etwa Nevas Vater, ahnen geschweige denn wissen alles.
Was als vielleicht noch ganz gute Idee begann, ist innerhalb weniger Jahre bzw. Jahrzehnte zu etwas geworden, was sich mit den überall auf der Welt zu findenden Unrechtsregimen vergleichen lässt. Unwillkürlich werden Erinnerungen an die Zeit wach, als Deutschland noch zweigeteilt und der Ostblock noch abgeschottet war. An die Zeit, als der Wunsch nach Freiheit zu harten Strafen, Gefängnis, Zwangsarbeit oder gar dem Tod führen konnte. Ob man den Blick nach Kuba oder in Staaten lenkt, in denen fanatisch-religöse Vorschriften das Leben begrenzen und reglementieren, überall gab und gibt es Menschen, die den Wunsch daraus auszubrechen bitter bezahlen mussten oder noch immer müssen.
Grant ist es in ihrem flüssig geschriebenen und gut zu lesenden Roman gelungen, die Atmosphäre dicht und düster zu malen, ohne den eigentlich omnipräsenten Bedrohungsteil durch die Regierung überhandnehmen zu lassen. Wer eine absolut dystopische Beschreibung hierzu erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Grants Roman dürfte zu den eher leiseren Vertretern dieses Genres gehören. Heimatland bleibt bei allem etwas verschwommen. Ein Widerspruch? Nicht wirklich. Die Autorin lässt sich nur bedingt über diese begrenzte Welt aus, geizt gewissermaßen mit Hintergrundwissen - was vielleicht daran liegt, dass Neva, und nicht die Protektosphäre, im Vordergrund steht. Doch auch sie und mit ihr alle Figuren werden eher skizziert als detailliert beschrieben. So zeigen sich Neva und ihre Freunde altersgerecht in ihrem Aktionismus, ihrer stellenweisen Unentschlossenheit oder Naivität. Sie wirken einfühlsam und sympathisch. Auch die erwähnten Erwachsenen agieren überaus überzeugend. Allen Figuren gemeinsam ist, dass sie nicht vorhersehbar sind. Wem man vertrauen kann und wer ein Verräter ist, offenbart sich nicht auf einen Blick. Und keiner hebt sich wirklich vom Einheitsgrau der Protektosphäre ab. Unglaubwürdig oder durchscheinend werden die Charaktere und der Handlungsort dadurch jedoch nicht. Gerade durch das Weglassen gewisser Details scheint die zunehmende Vereinheitlichung und das sich steigernde Verblassen der Individualität des Einzelnen betont zu werden. Die wachsende Resignation, die ansteigende Lähmung durch Angst, Aktionen und Reaktionen - all das wirkt authentisch.
Ohne Melodramatik beschreibt die Autorin Nevas Gefühlswelt, die den gleichen Raum wie die Bedrohungssituation einnimmt. Trotz, Rebellion, aufkeimende Verliebtheit in den Freund ihrer Freundin, damit verbundene Schuldgefühle. Die aufkeimende, eigentlich unmögliche Liebesgeschichte ist in ihrer Andeutung ebenfalls sehr gut in die Hoffnungslosigkeit der gesamten Geschichte verwoben. Sie drängt sich nicht in den Vordergrund. Die wenigen innigen Momente, die Grants Hauptcharakter mit Braydon erlebt, erscheinen sehr innig und wirken angesichts der Umgebung und der damit verbundenen Schuldgefühle kostbar. Obwohl sich Neva dagegen wehrt, kreuzen sich ihre Wege immer wieder mit denen von Braydon und Ethan, der Freund ihrer Kindertage, gerät ins Hintertreffen. Ein Ausweichen scheint aufgrund der räumlichen Begrenztheit unmöglich. Heimatland ist zwar tatsächlich ein größeres Land, doch die Menschen werden auf Anweisung der Regierung in wenigen Ballungsräumen zusammengedrängt.
Die Geschichte um Freundschaft, verliebt sein und Verrat, Trostlosigkeit und aufkeimende Hoffnung, Angst und Zuversicht, nimmt einen Verlauf, der es schwer macht, das Buch beiseitezulegen. Das Ende birgt Hoffnung und Hoffnungslosigkeit gleichermaßen in sich.
Fazit
Ein bedrückendes Buch, das sich nicht einfach nebenbei liest. Wenn der neue Trend im Jugendbuchbereich auch Dystopien mögen, so hätte ich doch in gewisser Weise Probleme, das Buch ohne Weiteres allen in der avisierten Altersgruppe zu empfehlen. Das liegt nicht daran, das Grant den Fokus auf Gewaltorgien oder ähnliches lenkt – das tut sie definitiv nicht. Doch das Buch ist – wie Dystopien eben sind - keine allzu leichte Kost und bekommt 5 von 5 Punkten.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Dystopie/Endzeit, 5 von 5 Punkten, Autoren E - H, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Roman | Keine Kommentare »
14.3.2011 von Ati.
Anne Plichota & Cendrine Wolf
Oksa Pollock – Die Unverhoffte
Originaltitel: Oksa Pollock – L’Inespérée
aus dem Französischen übersetzt von Bettina Bach und Lisa-Maria Rust
Friedrich Oetinger GmbH
ISBN 978-3789145025
ISBN 3789145025
Jugendbuch, Fantasy, 12 – 13 Jahre
deutsche Erstausgabe 2011 Umschlaggestaltung Jonas Schenk
gebundene Ausgabe, 590 Seiten
[D] 19,95 €
Zum Autorenteam und dem Weg ihres Buches zu den deutschen Lesern
Zwei Bibliothekarinnen haben die Geschichte um Oksa Pollock aus der Taufe gehoben. Cendrine Wolf wurde 1969 im Elsass geboren und ist nach ihrer Ausbildung zur Sportlehrerin und besagter Bibliothekarinnentätigkeit heute freiberufliche Autorin. Anne Plichota wurde 1968 in Frankreich geboren, studierte Chinesisch und Kulturwissenschaften, lebte einige Jahre in Asien und ist heute noch als Bibliothekarin tätig.
Das Manuskript wurde ursprünglich im Selbstverlag verlegt und erlitt dank engagierter Fans nicht Schiffbruch, wie so viele Bücher unbekannter Autoren. Dass in Frankreich stolze 14.000 Exemplare davon verkauft wurden, haben die Autorinnen nicht nur ihrem Schreibstil, sondern auch ihrer Fangemeinde zu verdanken. Der zunächst kleine, begeisterte Lesekreis, ist mittlerweile zu einem Fanklub mit mehreren Tausend Mitgliedern angewachsen (und auch nach Deutschland übergeschwappt). Einer dieser Fans – der damals 14jährige Fanklubsprecher - reagierte, als die beiden Jungautorinnen 2009 aus Kostengründen nicht an der Pariser Jugendbuchmesse teilnehmen konnten. Er schrieb einen erbosten Brief an Pressestellen und Verlage. Seine Worte fanden Gehör und der XO-Verlag reagierte noch im gleichen Jahr mit einem entsprechenden Angebot an die Autorinnen. Der Verlag startete die Erstauflage von Oksa Pollock – L’Inespérée mit 50.000 Exemplaren. Und – nur ein Jahr später geisterte Oksa Pollock auch in Deutschland durch die Nachrichtenagenturen beziehungsweise ist bei uns im Buchhandel zu finden.
Zum Buch / Meine Meinung
Ein junges Mädchen ziert das Cover des blau gehaltenen Buches. Ein paar Pflanzenranken sind um sie herum und ein kleines Feuer befindet sich in Oksas Hand. Sie lächelt verschmitzt. Die Inhaltsangabe verrät Folgendes:
„Doch heute Morgen war alles anders … Ein Traum war in ihr echtes Leben eingedrungen. Ihre verbrannten Finger erinnerten sie schmerzhaft daran. Oksa hatte sich oft gewünscht, solche Dinge wie heute Nacht zu tun. Aber als der Traum Realität geworden war, hatte sie einfach nur furchtbare Angst gehabt.
Eigentlich macht Oksa Karate und ist die Schnellste auf den Inlinern. Und in ihren Träumen ist sie eine Ninjakämpferin, die es mit dem fiesen Klassenlehrer Mc Graw aufnehmen kann. Doch als sie eines Tages feststellt, dass sie ungeahnte Fähigkeiten hat, ist Oksa außer sich. Warum erfährt sie erst jetzt von dem Familiengeheimnis, das sie vor die unglaublichste Herausforderung ihres Lebens stellt und sie außerdem noch in allergrößte Gefahr bringt?“
Auf 590 Seiten kann der Leser in die Anfänge von Oksas Welt eintauchen, die sich von heute auf morgen verändert. Es handelt sich bei Oksa Pollock – Die Unverhoffte um den Auftaktroman, dem zumindest in Frankreich schon mal fünf weitere Bände folgen sollen. Die Idee dazu ist nicht unbedingt neu – es geht, wie in so vielen Büchern auch in dieser neuen Buchreihe, um den uralten Kampf Gut gegen Böse, Vertreibung aus dem Paradies und Rückkehr in dasselbe. Und das alles dank eines bis dahin normalen Menschen, der seine übernatürlichen Fähigkeiten entdeckt. Es gibt, wie so oft, eine uralte Prophezeiung. Und obwohl es diverse Ähnlichkeiten zu anderen Fantasygeschichten gibt, wurde dank Plichota und Wolf alles erfrischend anders verpackt.
Die Geschichte spielt größtenteils in England in der Gegenwart, doch könnte sie auch an jedem beliebigen anderen Ort stattfinden. Denn genau genommen geht es um eine in der realen Welt angesiedelte, abseits des verlorenen Paradieses liegende, fantastische Szenerie. Der Roman beginnt im Prolog mit Oksas Geburt und macht dann im ersten Kapitel einen Sprung nach England und startet 13 Jahre später. Der größte Teil des ersten Bandes wird aus Oksas Sicht (aber nicht von ihr) erzählt. Zusätzliche Perspektiven bieten Passagen, die sich etwa um ihre Großmutter (und mit ihr um Edefia) drehen.
Oksa entdeckt kurz nach ihrem Umzug von Frankreich nach England, dass mit ihr etwas nicht stimmt und bald darauf, dass der Großteil ihrer Familie und sogar der eine oder andere aus dem Freundeskreis ebenfalls nicht ganz so ist, wie sie bisher dachte. Darüber hinaus lernt sie Wesen kennen, von deren Existenz sie nichts ahnte, die aber genau genommen immer in ihrer unmittelbaren Umgebung waren.
So haben die Autorinnen liebenswert-komische Plemplems in die Geschichte geschrieben, deren Sprache eindeutig an … sagen wir … sehr kostengünstige Übersetzungssoftware aus Asien erinnert. Da gibt es Goranovs – das sind Pflanzen, die so hysterisch sind, dass sie bei der kleinsten Kleinigkeit in eine für sie gnädige Ohnmacht versinken und für die Flugzeuge die reinste Folter sind. Das sind nur zwei der vielen Kreaturen, deren Bekanntschaft Oksa mit ihrem Freund Gus (den ebenfalls ein Geheimnis umgibt) fortan macht. All diese Wesen haben gemeinsam, dass sie sprechen können und genau wie ihre Großmutter und etliche Flüchtlinge gehören sie zu der Gruppe Rette-sich-wer-kann aus Edefia – einer Parallelwelt der uns bekannten Erde. Die noch dort leben sind im Da-Drinnen, während normale Menschen im Da-Draußen sind. Überhaupt sind viele Begriffe in der Geschichte recht wörtlich zu nehmen, was für amüsiert zuckende Mundwinkel sorgt. Jeder, der mit Oksa in Verbindung steht, hat eine eigene Geschichte, die deutlich wird, ohne von Oksa abzulenken. Alle sind so herausgearbeitet, dass sie – ohne eine wirklich tragende Rolle einzunehmen – nicht nur blasse Nebenfiguren sind.
Abgesehen davon muss Oksa auch feststellen, dass sie seltsame Dinge kann. Etwa Gegenstände bewegen, ohne sie anfassen zu müssen. Schweben, Feuer entfachen, ja in gewisser Weise sogar auf das Wetter einwirken. All das und noch einiges mehr. Dass alles sich an der Schwelle zu ihrer Pubertät bemerkbar macht, erleichtert die Sache trotz einer gewissen Unterstützung durch Gus und ihre Familie nicht gerade. Dass es offenbar allein an ihr liegt, Edefia und die Rette-sich-wer-kann zu retten, tut ein übriges. Die neuen Fähigkeiten fliegen ihr förmlich zu und sie sperrt sich nicht gegen sie. Oksa präsentiert sich aufbrausend, zickig, teilweise unbeholfen und oftmals unbeherrscht, überaus neugierig, oft vorschnell und bisweilen erschreckend enervierend – also eigentlich wie jeder halbwegs normale Teenie. Da sie jedoch diese besonderen Fähigkeiten entwickelt, gerät das eine oder andere, was sie macht, schon mal außer Kontrolle. Es ist überaus verlockend, ihre Kräfte einzusetzen und unendlich schwer, die dadurch gewonnene Macht nicht zu missbrauchen. Was unsympathisch wirken könnte, hätten die Autorinnen es nicht gleichzeitig geschafft, ihre Hauptfigur kindlich liebenswert und verletzlich zu zeichnen. Beides zusammengenommen macht den Charakter glaubwürdig.
Bei der Fülle an Informationen, die im ersten Oksa-Pollock-Teil auf den Leser einstürmen, kommt der rote Faden fast zu kurz, geht allerdings nicht völlig unter. Der Weg zur letzten Seite ist das eine oder andere Mal etwas vorhersehbar, bietet jedoch gleichzeitig auch Abwechslung. Dennoch leidet das eine oder andere Mal die Spannung ein wenig. Die verwendeten magischen Elemente sind nicht übertrieben dargestellt und lesen sich sehr angenehm. Die Charaktere sind klar gezeichnet, die Atmosphäre ist dicht aufgebaut. Gleichzeitig lässt sich das Buch flüssig lesen und man lernt Oksa, Gus und ihre Familie kennen; bekommt darüber hinaus unzählige Hinweise auf das verlorene Edefia. Stück für Stück wird zusätzlich von der ersten Seite an eine Gefahrensituation aufgebaut, ein Gegenpart in Form eines ebenfalls aus Edefia entkommenen Aufständischen bzw. dessen Nachkommen.
Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Der augenzwinkernde Touch, mit dem Plichota und Wolf die Handlungsfäden spinnen und ihre Charaktere sprechen lassen, unterscheidet Oksa Pollock – Die Unverhoffte von anderen Geschichten. Kampfszenen gibt es aufgrund der vorhandenen Bedrohung zwar durchaus, allerdings sind sie durch die Auswahl der Oksa und den Rette-sich-wer-kann zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln eher amüsant zu lesen. Die stellenweise sehr kindlich gezeichnete Fantasiewelt der Autorinnen hat hier erfreulicherweise eindeutig über die in die Geschichte verwobene Bedrohungssituation gesiegt. Das Buch kann deshalb für mein Dafürhalten auch getrost an jüngere Leser weitergegeben oder vorgelesen werden.
Fazit
Wie sage ich es? Ein überaus augenzwinkernder Auftakt zu einer neuen Fantasyreihe? Ja, ich denke das trifft es. Der Humor kommt in dieser Geschichte genauso wenig zu kurz wie die Fantasie. Oksa Pollock – Die Unverhoffte ist ein gelungener Auftaktroman zu einer Reihe, die es nicht nur aufgrund des offenen Endes weiterzuverfolgen lohnt und für den ich 4,5 von 5 Punkten vergeben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Autoren U - Z, 5 von 5 Punkten, Autoren M - P, Abenteuer, Fantasy & Horror, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Roman | Keine Kommentare »
12.3.2011 von Ati.
Kai Meyer
Arkadien brennt
Carlsen
ISBN 978-3551582027
ISBN 3551582025
Fantasy
deutsche Erstausgabe 2010
Umschlaggestaltung unimak, Hamburg
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 400 Seiten
[D] 19,90 €
Zum Autor
Der 1969 geborene, im Rheinland aufgewachsene Kai Meyer ist auf dem deutschen Buchmarkt längst nicht mehr wegzudenken und – da seine Bücher in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt werden – auch international kein Unbekannter. Bevor er hauptberuflich mit Schreiben begann, studierte er mehrere Semester Film, Philosophie und Theater und arbeitete als Journalist und Filmkritiker. Seit 1995 ist er als freier Autor tätig.
Nachdem er sein erstes Buch im Alter von 23 Jahren veröffentlichte, erscheinen spätestens seit 1993 jährlich mindestens eine, meist aber mehrere Veröffentlichungen. Ein Teil davon kam unter dem Pseudonym Alexander Nix auf den Markt. Zählt man alles zusammen, kommt man bis Anfang 2011 auf etwa 50 Titel. Er wurde für diverse Preise nominiert und erhielt mehrere Auszeichnungen. Auf seinen Büchern basierend gibt es auch Comics, Filme oder Hörspiele.
Zum Buch / Meine Meinung
Arkadien brennt ist der zweite Band einer Reihe. Der erste heißt „Arkadien erwacht“, der dritte soll im Sommer 2011 folgen. Ob es danach weiter geht, ist derzeit anscheinend noch offen.
Der Schutzumschlag zeigt einen brennenden Himmel, die Skyline einer Großstadt und als eher dunkle Schatten mehrere Raubkatzen und eine Schlange sowie ein paar Bäume. Einige Ranken sind eingefügt (die sich innen auf der Titelseite wiederholen). Die Schrift des Titels ist in Hochglanz und erhaben gedruckt. Dazu passend bietet der Band neben orangefarbenen Vorsatzseiten auch ein gleichfarbiges Lesebändchen. Die Geschichte selbst ist in kurze Kapitel gegliedert, wobei jeder Kapitelanfang wieder mit den Ranken des Umschlagmotivs verziert ist.
Obwohl es sich eindeutig um eine Fortsetzung handelt, könnte man rein theoretisch auch mit Band 2 beginnen, da dort genügend Informationen zum bisherigen Geschehen zusammenfasst eingeflochten sind.
Inhaltlich lebt der im ersten Band erwachte Arkadienmythos weiter.
„Menschen, die sich in Raubtiere verwandeln. Blutfehden zwischen Mafiaclans. Die verbotene Liebe zu Alessandro …
Rosa braucht dringend Abstand zu den Ereignissen auf Sizilien. Auf den Spuren ihres alten Lebens reist sie zurück nach New York. Aber auch dort kommt sie nicht zur Ruhe. Die mächtigen Stellvertreter der amerikanischen Clans machen Jagd auf sie. Dann findet Rosa beunruhigende Details über ihre Vergangenheit heraus. Und über ihren toten Vater. Aber warum spielt dabei immer wieder Alessandro eine Rolle? In Rosa keimt ein schrecklicher Verdacht …“
In mir auch … Obwohl ich ja eindeutig nicht mehr in die anvisierte Zielgruppe passe und Meyers Erzählstil im ersten Band die eine oder andere Länge für mich barg – hege ich den Verdacht, dass ich auch um den dritten Arkadienteil nicht herumkomme. So simpel die Geschichte auf den ersten Blick wirkte, so spannend und abwechslungsreich setzt Meyer sie um. Seine Charaktere sind gewachsen und glaubwürdig, der rote Faden, der sich durch seine Arkadien-Reihe zieht, ist auffällig und interessant, die Atmosphäre so dicht, dass man leicht eintauchen kann – sowohl in das „reale“ wie auch das „fantastische“ Geschehen.
Arkadien brennt schließt unmittelbar an „Arkadien erwacht“ an, dennoch wirken Rosa und Alessandro etwas erwachsener als im ersten Band. Auch jetzt wird alles aus Rosas Sicht erzählt., allerdings nicht von ihr selbst. Sie steht im Vordergrund bzw. um sie herum geschieht alles.
Man erfährt nicht nur Neues über die bereits bekannten oder dazukommenden Charaktere, über die man sich recht schnell ein klares Bild machen kann. Sie haben Fehler und Schwächen und sind nicht einfach nur gut oder nur böse. Man dringt darüber hinaus tiefer in das Geheimnis ein, das Rosas Leben für sie bereithält. Und wird immer wieder auf das aus Band eins bekannte Trauma gelenkt. Dies alles geschieht peu au peu und man wird dadurch automatisch weiter durch die Geschichte gelockt, ohne je alles zu erfahren. Wenn man glaubt, ein Geheimnis gelöst zu sehen, stellt man schnell fest, dass sich ein anderes auftut. Statt Licht ins Dunkel zu bringen, bläst auf einmal ein scharfer Wind, der die Kerze der Erleuchtung verlöschen lässt. Weitere Komplikationen tauchen auf und das Netz aus Intrigen, Geheimnissen und Verrat scheint dichter und dichter. All das sorgt dafür, dass die Spannung unausweichlich steigt.
Ein gut verwobener, sich jedoch nicht in den Vordergrund drängender Handlungsstrang, ist die Verbindung von Rosa und Alessandro. Die Szenen, die sie als Paar betreffen, sind eher kurz, dafür aber innig gehalten. Von allen Seiten schlagen ihnen Probleme entgegenschlagen und sie müssen sogar umeinander fürchten. Dass Alessandro etwas vor ihr verbergen könnte, erleichtert die Sache auch nicht gerade. Doch macht Meyer kein üblicherweise gezeichnetes Drama daraus, er lässt Rosa und Alessandro diese Situation stark er- und durchleben.
Dass er mit seinen Figuren nicht sehr zimperlich umgeht, hat er bereits im ersten Band bewiesen. Dass er das, was er seinem jugendlichen Zielpublikum zumutet, gut umsetzt, allerdings auch. Er erzählt die Geschichte und geht auf die Gefühle seiner Charaktere ein, liefert Denkanstöße, ohne zu belehren und schafft es gleichzeitig, die Geschichte nicht daran hängen bleiben zu lassen. Meyer schafft es, brutale Szenen zu beschreiben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.
Arkadien brennt beinhaltet Gewalt und Verrat, Geheimnisse und Intrigen, und ist damit trotz der Liebesgeschichte kein Friede-Freude-Eierkuchen-Jugendbuch. Aber eines, in dem der Autor seinen Figuren so viel Leben eingehaucht hat, dass man automatisch mit ihnen mitfiebert, -leidet und –denkt. Obwohl dieser zweite Band etwas düsterer als der erste ausgelegt ist, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Und zusammen mit Rosas Beziehung zu Alessandro hat der Roman damit alles, was ein gutes (Jugend-)Buch braucht.
Fazit
Gelungene Fortsetzung, die eindeutig Lust auf den Folgeband macht. Meyer fesselt nicht nur durch eine interessante Idee, er setzt sie auch überaus wortgewandt und spannend um, weshalb ich fünf von fünf Punkten vergeben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in 5 von 5 Punkten, Buch- & Sammelreihe, Autoren M - P, All Age, Kinder- & Jugendbuch, Fantasy & Horror, Roman | Keine Kommentare »
12.3.2011 von Ati.
Anthony Strong
Die Liebesformel
Originaltitel Chemistry for Beginners
aus dem Englischen übersetzt von Rainer Schmidt
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3499254499
ISBN 3499254492
Belletristik
Deutsche Erstausgabe 2010
Umschlaggestaltung any.way
Taschenbuch, 400 Seiten
[D] 8,95 €
Zum Autor …
… gibt es so gut wie nichts. Nur das, was ich auf der Verlagsseite bzw. im Buch gefunden habe. Strong wurde 1962 in Uganda geboren, studierte in Oxford und lebt und arbeitet heute in Oxfordshire, England, wo er laut Verlag schon mehrere Bücher unter Pseudonym veröffentlicht haben soll. Wie gut, dass der Autor eine Homepage hat - dachte ich … Doch die im Buch erwähnte Homepage chemistryforbeginners.com funktioniert nicht. Man erhält nur die Information, dass der Domaininhaber keine Homepage erstellt hat.
Zum Buch
Das blaue Covermotiv zeigt etwas Gras, und dahinter eine Karotte sowie ein paar Löffel (ob die jetzt von einem Plüschkaninchen oder Plüschhasen sind, kann ich nicht so genau erkennen) und kann zusammen mit dem rosa geschriebenen Titel neugierig machen. Ein Zitat des Library Journal auf der Rückseite des Buches („Die lustigsten Orgasmus-Szenen seit >Harry und Sally<. Sehr witzig und wärmstens zu empfehlen) lässt mich flugs die Inhaltsangabe überfliegen.
Zitat Inhaltsangabe
„Die Chemie muss schon stimmen!
Annie findet Sex langweilig. Oder liegt es vielleicht nur an ihrem Freund? Denn als die junge Studentin an einer wissenschaftlichen Studie zum Thema teilnimmt, spielen ihre Hormone plötzlich verrückt. Das könnte allerdings auch mit Dr. Steven Fisher zu tun haben ….
Steven sieht gar nicht so übel aus: Bei Frauen landet man jedoch kaum, wenn man keine anderen Themen kennt als Chemie und Neurobiologie. Dem Thema Sex nähert sich der weltfremde Gelehrte daher ausschließlich in seinen ungewöhnlichen Forschungsobjekten. Bis eines Tages Annie sein Labor betritt und die Messgeräte heftig auszuschlagen beginnen.“
Meine Meinung
Ja, ja, die Chemie muss schon stimmen. Da ist etwas dran und ich muss ja zu meinem Bedauern gestehen, dass bei mir die Chemie im Fall von Die Liebesformel anfangs nur bedingt passte.
In seinem Vorwort schreibt der Autor, dass er bei einer Internetrecherche über eine Seite stolperte, auf der ein Papier über die weibliche sexuelle Dysfunktion von Dr. Steven Fisher eingestellt war. Er hat er sie kopiert und war recht froh darüber, denn er fand sie nie wieder. Und abgesehen davon, dass er nach eigenen Aussagen nur ein paar Kleinigkeiten für seinen Roman verändert hat, verweist er darauf, dass das Buch den Text so darstellt, wie er ihn gefunden hat. Ob das nun ernst gemeint ist oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis.
So ganz abgenommen habe ich ihm das nach der Inhaltsangabe nicht, vor allem da ich zu den Lesern gehöre, die (und zwar zuhause) anfangs brav Seite für Seite umblättern. Ein Forschungspapier als Grundlage für einen Roman? Grundsätzlich ist die Idee – einen chemischen Botenstoff zu erfinden, der die Orgasmusfähigkeit der Frau fördert (sie aber auf keinen Fall mannstoll machen soll) und die Forschungsergebnisse in einen Roman zu verpacken, gar nicht so schlecht. Was einerseits trocken wirken könnte, könnte angesichts der Thematik ja durchaus interessant sein. Zumal ja noch ein steifer, schüchterner, ja verklemmter Forscher und eine deutlich aufgeschlossenere junge Frau hinzukommen. Dass sie sich verlieben, steht nicht auf dem Programm, aber es könnte im Fall der Fälle die Studie gefährden. Das alles in England – ich sah bei allen Gegenwartsbezügen förmlich schon jemand mit Gurkensandwich, Tee und abgespreiztem kleinen Finger sowie sehr geradem Rücken dozieren; mit völlig ernstem Gesicht distanziert und distinguiert über etwas reden, was keineswegs so sauber, adrett und ernst zugeht, wenn man die Hilfsmittel (Sybian, etc.) bedenkt, die für das Experiment zu Hilfe genommen werden. Im Hintergrund geht es auch noch um wie Spionage und Erpressung. Lässt man die letzten beiden Dinge einmal weg, dann hat man eine Idee, die etwas abseits von dem ist, was man üblicherweise so in einem Roman vorgesetzt bekommt, der mit Liebe zu tun haben soll.
Strongs Roman besteht allerdings tatsächlich aus Einträgen, die einer wissenschaftlichen Studie ähneln, was noch durch entsprechende Fotografien, Tabellen, Kurven, etc. untermalt wird. Entsprechend trocken und wenig fesselnd kam mir alles vor. Mal berichtet von Steven, mal von Annie, beide schreiben abwechselnd und logischerweise in der Ich-Form. Nicht zu vergessen, die Laborassistentin, die ebenfalls zu Wort kommt. Dies geschieht allerdings in einem durchgehenden Zug relativ am Schluss. Und dann gibt es da noch UrlGirl67, die sich lange Zeit nur mit dem einen, sich stereotyp wiederholenden Satz meldet: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Nagel ein Problem.“
Dieses Wirrwarr aus Perspektiven erschwerte das Lesen, was noch durch Fußnoten verschlimmert wird, in denen u. a. etwa auf Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“ eingegangen wird und die eigentlich schon das Format einer Körpernote haben, weil sie fast die gesamte Seite einnehmen – worauf dann ebenfalls in einer Fußnote verwiesen wird. Klingt verworren? Ja, so in etwa kam mir das Buch auch vor. Am besten waren die Beschreibungen, die mit Bonobos zu tun hatten – ja Affen kommen auch darin vor (die haben Fisher veranlasst den Botenstoff zu entwickeln).
Aufgrund all dessen kam die Geschichte also nicht in Fluss. So etwas passiert mir normalerweise nur, wenn ich ständig von außen unterbrochen werde. Nachdem ich das Buch mehrmals weggelegt und tagelange Pausen gemacht habe, quergelesen und dann doch wieder von vorne begonnen habe, geschah etwas Seltsames und es gelang mir doch tatsächlich gestern Abend, es fertig zu lesen.
Nach dem ich jetzt durch bin, muss ich sagen, dass … - wo fange ich an? Obwohl die Figuren sehr eindimensional dargestellt sind, haben sie mich doch noch amüsiert. Ja stellenweise kicherte oder lachte ich vor mich hin. Was zunächst einfach nur langweilig und zerrissen wirkte, offenbarte sich plötzlich als satirischer Blick auf die Wissenschaft. Das Agieren des verknöcherten Forschers und der geistreichen Annie gibt der Liebesgeschichte auch durch den Blickwinkel aus der Forschungsecke eine liebenswerte, verrrückt-charmante Note. Sex – eigentlich ein Hauptthema - wird so distanziert dargestellt, dass keine der Szenen plump wirkt und sich nahtlos in den Rest einfügt.
Fazit
Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich Die Liebesformel in eine amüsante und etwas andere (Liebes-)Geschichte, die vier von fünf Punkten bekommt. Das Durchhalten bzw. neu anfangen hat sich gelohnt.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, 4 von 5 Punkten, Autoren Q - T, Roman | Keine Kommentare »
10.3.2011 von Ati.
Tracy Chevalier
Zwei bemerkenswerte Frauen
Originaltitel Remarkable Creatures
aus dem Englischen übersetzt von Anne Rademacher
Knaus Verlag
ISBN 978-3813503685
ISBN 3813503682
Historischer Roman
Deutsche Erstausgabe 2010
Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten
[D] 19,99 €
Zur Autorin
Die heute in London lebende, 1962 in den USA/Washington, DC., geborene und aufgewachsene Tracy Chevalier war das jüngste von drei Kindern. Sie studierte Anglistik in Ohio und – nach ihrem Umzug Anfang der 1980er-Jahre nach England - kreatives Schreiben. Kurz vor der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1998 vollendete sie ihren Roman bisher erfolgreichsten Roman – Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Das Schreiben ist mittlerweile eine Vollzeitbeschäftigung für sie und zahlt sich auch aus. So gewann Das Mädchen mit dem Perlenohrring nicht nur den Barnes und Noble Award – es wurde über 4 Millionen Mal weltweit verkauft und 2003 mit Scarlett Johansson und Colin Firth in den Hauptrollen verfilmt. Auch die anderen Bücher der Autorin eroberten kurz nach Erscheinen die Bestsellerlisten Englands.
Zum Buch
Das Erste, was mir an dem Buch auffiel, war das Umschlagmotiv. Es zeigt neben einem Küstenabschnitt mit zwei Frauen einen goldfarbenen Ammoniten. Dieser ist etwas herausgearbeitet, was man beim Darüberstreichen fühlt.
Auch in Zwei bemerkenswerte Frauen vermischt Chevalier einmal mehr Fiktives mit historisch belegten Personen und Tatsachen. Dafür bedient sie sich – wie man ihrer Anmerkung im Buch entnehmen kann - der beiden von der Fachwelt lange totgeschwiegenen, aber dennoch belegten Frauen Mary Anning und Elizabeth Philpot, die sehr erfolgreich im Bereich der Fossilienforschung tätig waren.
Der Roman spielt im England des 19. Jahrhunderts und umfasst einen mehrjährigen Zeitraum. Elizabeth zieht zusammen mit ihren ebenfalls ledigen Schwestern aus finanziellen Gründen in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Ihr Leben verändert sich dadurch drastisch. Doch nachdem sie es zunächst eher als Strafe betrachtet, aufs Land abgeschoben zu werden, muss sie bald feststellen, dass der Umzug auch gewisse Vorteile bietet. So lebt sie beispielsweise wesentlich freier als im sittenstrengen London. Und einen Zeitvertreib hat sie auch bald gefunden, denn die Küste ist durchsetzt von Fossilien, die teils nach und nach durch die Flut freigespült werden, teils ausgegraben werden müssen. Hierbei begegnet sie Mary, die in Lyme Regis geboren und aufgewachsen ist und dort mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen lebt. Ein Zubrot verdienen sie sich durch den Verkauf von Fossilien. Entgegen aller Konventionen und trotz des Altersunterschiedes freunden sich Mary und Elizabeth an, verbringen viel gemeinsame Zeit, machen spektakuläre Entdeckungen. Und verlieben sich in den gleichen Mann, was fatale Folgen nach sich zieht und die Freundschaft schweren Prüfungen unterwirft.
Meine Meinung
Auch in diesem Roman ist es Chevalier gelungen, ein so lebensnahes Bild ihrer Charaktere zu zeichnen, dass man mit ihnen fühlt, fiebert und leidet. Nicht nur der beiden Haupt-, sondern auch sämtlicher Nebenfiguren. Atmosphärisch dicht gewebt, öffnet jede Szene einen klaren Blicken auf die verstaubten Konventionen, die Missstände, aber auch auf die dünkelhafte Ignoranz und die Verschlossenheit der männlich-dominierten (naturwissen-schaftlichen) Welt jener Zeit. Daneben gibt es noch die kindliche Neugier mit der Elizabeth an die Fossiliensuche herangeht oder die abgeklärte, geduldige, großzügige und immer wieder begeisterungsfähige Mary, die nicht nur ihr dabei hilft. Die Autorin lässt einmal sie, dann wieder Elizabeth zu Wort kommen. Auch dadurch werden die gesellschaftlichen Unterschiede deutlich. Elizabeth, etwas exzentrisch, die sich gewählt und sprachgewandt auszudrücken vermag. Mary, deren einfaches Gemüt sich ebenso wie ihre mangelhafte Bildung in ihrer Sprache und bisweilen auch in ihrem Tun niederschlägt. Der Kampf um die Anerkennung ihrer Leistung ist hart, scheint manchmal vergeblich bis unmöglich zu sein. Die sanften und dennoch eindringlichen Worte, mit denen Chevalier ihr Schicksal und den Verrat an ihr beschrieben hat, wecken den Kampfgeist. Nicht nur von Elizabeth, fast möchte man selbst mit zur Tat schreiten, um zu helfen.
Ein kleines Manko der Geschichte ist, dass die Beschreibung von Ausgrabungsszenen relativ häufig vorkommt. Das wirkt etwas störend, obwohl es natürlich rein von der Fossilienthematik her passt. Die ist zwar eindeutig die Passion beider Hauptfiguren, aber für mein Dafürhalten trotz aller Fundbeschreibungen auf vielen Seiten nur ein Nebenhandlungsstrang. Was mich viel mehr angesprochen hat, war die Emanzipierung, die die beiden Frauen durchlaufen. Und das alles in einer Zeit, in der das bis dahin geltende Weltbild aufgrund fossiler Funde ins Wanken geriet – was die Männer zwar (hin und wieder unter empörten Aufschreien der Kirche) machen durften, bei Frauen jedoch als skandalös und untragbar empfunden wurde.
Die ebenfalls enthaltene Liebesgeschichte ist eher angedeutet, dennoch berührt sie. Ebenso die Eifersüchteleien, die in diesem Zusammenhang entstehen. Dass die Frauen ihre Freundschaft über dieses Zerwürfnis hinaus in gewisser Weise retten können, wird ebenso nachvollziehbar beschrieben, wie alles andere. Chevalier bedient sich nicht falscher Dramatik, dafür aber einer gut strukturieren und greifbaren Dynamik, die den Roman trotz aller Versteinerungen lebendig lesenswert macht.
Fazit
Ein wunderschönes, unaufgeregt erzähltes Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft und das Behaupten zweier starker Frauen in einer verknöcherten, männlich-dominierten Gesellschaft, dem ich 4,5 von 5 Punkten geben möchte.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, Historisch - 18./19.Jahrh., 5 von 5 Punkten, Autoren A - D, Roman | Keine Kommentare »
10.3.2011 von Ati.
Victoria Laurie
Abby Cooper - Detektivin mit 7. Sinn
Originaltitel Psychic Eye
aus dem amerikanischen übersetzt von Angela Koonen
Lyx
ISBN 978-3802582837
ISBN 3802582837
Roman
Dt. Erstausgabe 2010
Taschenbuch, 317 Seiten
[D] 9,95 €
Zur Autorin
Bevor die Autorin Victoria Laurie 2003 mit dem Schreiben der ersten Novelle um Abby Cooper begann, war sie, wie ihre Hauptfigur, selbst bereits jahrelang als Medium tätig. Damals kam es ihr noch nicht in den Sinn, dass sich das Schreiben zu einer Vollzeittätigkeit entwickeln könnte. Zwischenzeitlich wurden 12 Romane (darunter auch die Serie über die Geisterjägerin M. J. Holliday) veröffentlicht und in andere Sprachen übersetzt. Laurie erarbeitete sich einen Platz in den Bestsellerlisten der New York Times. Der Auftaktroman um Abby Cooper erschien bereits 2004 in den Staaten. Seit 2010 ist er als deutsche Taschenbuchausgabe erhältlich. Der Folgeband soll im Juni 2011 erscheinen. Obwohl sie selbst mittlerweile nicht mehr als Medium tätig ist, findet sie Sensitivsein cool, was sich eindeutig in ihren Büchern niederschlägt.
Zum Buch / Meine Meinung
Das im Comicstil aufgemachte Cover erinnert ein wenig an die Bücher von Michelle Rowen, was mich sofort an entspannende Wochenendlektüre denken ließ. Die Inhaltsangabe tat ein übrigens.
Während anfangs noch genau das eintrat, was ich beim ersten Augenschein des Buches dachte (Chick-Lit ohne Tiefgang), wurde ich relativ schnell überrascht. Die in einem Vorort von Detroit in der Gegenwart spielende Geschichte beginnt, wie viele Auftaktromane, etwas schleppend, was daran liegt, dass einfach bestimmte Details eingebracht werden müssen und nicht weiter schlimm ist. Auch Abby, die die Geschichte in der Ich-Form erzählt, zeigt sich anfangs etwas durchscheinend.
Dennoch: Es handelt sich zwar um eine leichte, überaus entspannende Lektüre. Der Auftaktroman der Detektivin mit siebtem Sinn ist jedoch noch ein wenig mehr. Zwar stellt sich Cooper zunächst tatsächlich als sehr oberflächlich dar und verschwendet mehr Zeit und Gedanken an ihre Garderobe und ein Blind Date als an ihre Kunden und die Geister, mit denen sie in Kontakt steht. Ihre Tätigkeit als Medium wird auch eher von den mehr oder weniger vorhandenen Lebenskrisen ihrer Kunden als von wirklich spannenden Momenten geprägt. Das ändert sich jedoch spätestens dann, als eine ihrer Kundinnen ums Leben kommt. Die wollte kurz vor ihrem Tod nochmals zu ihr, was Abby aber abgelehnt hat. Prinzipiell will sie mit ihren Kunden nie mehr als zwei Sitzungen pro Jahr abhalten, damit die nicht abhängig von ihr werden.
Abgesehen davon, dass sie mit Toten kommunizieren kann, zeigt Abby sich schlagfertig bis zickig, witzig (nervt aber bisweilen), ist unzufrieden mit sich selbst und voller Zweifel, selbstironisch und auch noch chaotisch. Da sie trotz ihrer Andersartigkeit jedoch mit beiden Beinen fest im Leben steht, sich um andere kümmert und mehrere Prinzipien hat, an die sie sich streng hält, kommt sie sehr liebenswürdig herüber. Teilweise wirkt sie, obwohl sie bereits über 30 ist, jung und unerfahren. Aber vor allem wirkt sie normal, auch wenn zu ihrer Normalität schon mal gehört, dass sie einem Blind Date Details einer Entführung verraten kann, an der sie gar nicht beteiligt ist.
Dass ihr Gegenüber Dutch Rivers Polizist ist, weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht, aber ihre Eingebungen führen zu der Aufklärung des Falls. Dummerweise ist Dutch auch Ermittler in dem Fall der ermordeten Klientin – und heißes erstes Date hin oder her, da diese einen Mitschnitt der letzten Sitzung bei sich hatte, reißt der Kontakt mit ihm nicht ab. Obwohl er so gar nichts von übersinnlichen Fähigkeiten hält und Abby nicht so recht traut, kommen die beiden immer wieder zusammen und es entwickelt sich eine zaghafte Liebesgeschichte. Dutch – Abby lässt sich sehr ausführlich über ihn aus – ist ein Traum von einem Mann. Auch er wirkt liebenswürdig und real und geht seinem Beruf mit Inbrunst nach. Auch er ist schlagfertig, was zu amüsanten Dialogen und mehr als einer komischen Situation führt. Sein Humor, seine Charakterfestigkeit steht Abby in nichts nach. Der Verlauf ihrer Beziehung ist interessant und macht Lust auf mehr. Kein Wunder, die beiden Figuren kabbeln sich, sie sind vielschichtig, sie entwickeln sich zunehmend und wirken genau dadurch lebensnah und echt.
Die Geschichte zwischen den beiden steht jedoch eindeutig nicht im Vordergrund. Wer auf erotische Szenen hofft, wird vielleicht enttäuscht. Gefehlt haben sie allerdings nicht, dazu ist der Handlungsverlauf viel zu kurzweilig und gleichzeitig spannend. Denn Abby kann auch im Fall der toten Kundin ihren Mund nicht halten und möchte – aus Schuldgefühlen heraus – ihre Fähigkeiten bei der Suche nach deren Mörder einbringen. Was sie mehr als einmal in Schwierigkeiten bringt, weil die grausame Realität nicht nur sie immer wieder einholt. Dieser Fall ist keine blasse Nebenhandlung, sondern geschickt und ausgewogen verwoben mit der sich anbahnenden Beziehung von Abby und Dutch.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, war der Umstand, dass die Autorin ihr Medium nicht im Stil von Ghostwisperer und ähnlich hinlänglich bekannten Serien arbeiten lässt. Es gibt keine zerfallenden, entstellten Leichen, die unbedingt etwas loswerden müssen und damit pausenlos für Schockeffekte und Albträume sorgen. Der gesamte Handlungsverlauf (ob paranormal oder normal) ist gut durchdacht und schlüssig. Die Spannungsbogen gekonnt geschlagen. Zusammen mit dem überaus flüssig zu lesenden Schreibstil konnte ich schnell in die Geschichte eintauchen und das Buch war an einem Abend ausgelesen.
Es ist nichts bahnbrechend Neues. Das muss es aber auch nicht sein, wenn die Umsetzung so gut gelungen ist wie in diesem Fall.
Fazit
Der erste Band der Abby-Cooper-Reihe (Psychic Eye) macht eindeutig Lust auf mehr. Es ist eine gelungene Mischung aus Übersinnlichem und Realität mit einem klitzekleinen Hauch Chick-Lit. Amüsant und entspannend bekommt das Buch fünf von fünf Punkten von mir.
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Geschrieben in Belletristik, Buch- & Sammelreihe, 5 von 5 Punkten, Autoren I - L, Fantasy & Horror, Krimi & Thriller, Roman | Keine Kommentare »
8.3.2011 von Ati.
Mónica Peñalver
Die Flamme und das Schwert
Originaltitel: La espada y la llama
aus dem Spanischen übersetzt von Daniela Pérez y Effinger
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3499253850
ISBN 3499253852
historischer Roman
Deutsche Erstausgabe 2010
Umschlaggestaltung any.way Hanke/Schmidt
Taschenbuch, 352 Seiten
[D] 8.95 €
Zur Autorin
Mónica Peñalver, auch bekannt unter dem Pseudonym Caroline Bennet, wurde 1975 in Asturien geboren. Ihr bevorzugtes Genre ist der historische Liebesroman. 2007 erschienen die beiden unter ihrem Pseudonym veröffentlichten Romane „La dama y el dragón“ und „El corazón de la doncella“. 2008 erschien dann erstmals ein Buch unter dem Namen Mónica Peñalver mit dem Titel „Adorable canalla“, dem dann im Jahr darauf „Estirpe“ und der ins Deutsche übersetzte Roman Die Flamme und das Schwert folgte. Dabei handelt es sich um den ersten Teil einer Mittelaltertrilogie. Der zweite Teil („El mirlo blanco“) wurde in Spanien bereits veröffentlicht, der dritte ist noch in Arbeit.
Zum Buch
Das Covermotiv wirkt mit seiner Berglandschaft, ein paar Gebäuden und vereinzelten Menschen, dem abend- oder morgendlich gefärbten Himmel im Hintergrund und der jungen Frau mit Perlenschnur im roten Haar, welche ein Schwert im Arm hält, gefällig. Das Motiv zieht sich über das gesamte Buch und nicht nur über die Vorderseite. Die Bindung des mir vorliegenden Exemplars ist leider so, dass sie sehr schnell starke Gebrauchsspuren aufwies, was sehr schade ist.
Einleitend wird auf den Zeitrahmen, in dem der Roman spielt, eingegangen. Das Buch selbst umfasst zwei Teile. Den des Schwerts und den der Flamme – den vor und den nach der Hochzeit. Was mir gefallen hat, waren die kleinen Ornamente, die anfangs und innerhalb der Kapitel, die zum Teil recht kurz und damit leicht zu lesen sind, zur besseren Abgrenzung dienen. Diese Ornamente finden sich auch über den Seitenzahlen wieder, was zusammengenommen sehr liebevoll aufgemacht wirkt. Ein Epilog und eine Anmerkung der Autorin runden das Ganze dann ab. Erzählt wird alles in der dritten Person.
Doch worum geht es? Laut Inhaltsangabe um das, worum es bei Peñalver meist geht. Also um Romantik, Leidenschaft, Krieger – dieses Mal in eine Landschaft verpackt, die von anderen Autoren für gewöhnlich nicht so beleuchtet wird: ihre Heimat Asturien.
WENN DIE LIEBE SPRICHT, SCHWEIGEN DIE WAFFEN. - Lua ist die rebellische Tochter des Stammesfürsten Galo. Sie lebt mit ihrem Clan in den Bergen Kantabriens. Die Winter sind hart, es fehlt an Vorräten. Bei einem Beutezug stiehlt Lua das Pferd eines westgotischen Adeligen: Morvan de Bres, der neue Lehnsherr, soll die Gegend vor Angriffen muslimischer Berberheere schützen. Er erhascht einen kurzen Blick auf die Frau mit dem flammend roten Haar – und ist wie verzaubert. Auch Lua fühlt sich zu dem mutigen Krieger hingezogen. Doch sie hat nicht mit den ehrgeizigen Plänen ihrer Schwester gerechnet. Aia will durch eine Heirat mit Morvan in den Adelsstand aufsteigen – und setzt alles daran, ihr Ziel zu erreichen.
Das verrät nicht allzu viel, ich möchte aber nicht weiter auf den Inhalt eingehen, da ich sonst Gefahr laufe, zu viel zu verraten. Genau genommen bezieht sich diese Inhaltsangabe jedoch lediglich auf den ersten Teil. Also vor der Hochzeit, die de Bres anstrebt, damit ihm die Bevölkerung des ihm überlassenen Lehens keine weiteren Scherereien macht.
Meine Meinung
Gleich vorab. Es handelt sich um einen seichten Liebesroman, in dem die Autorin auf Altbewährtes setzt. Ihr Schreibstil ist flüssig, unterhaltsam und stellenweise sehr amüsant. Die Gefühlskonflikte sind nachvollziehbar und durchaus spannend aufgebaut. Art und Weise, wie die Autorin zwischen ihren Romanfiguren hin und her springt, macht es leicht, sich sowohl in die Geschichte als auch in die Figuren einzufinden. Glaubwürdig sind leider nicht alle Szenen, diese befinden sich vorwiegend am Schluss und betreffen Aia und ihr Verhalten.
Die Figuren sind – wie bereits erwähnt – eine Wiederholung dessen, was man schon zuhauf auf dem Markt findet, was sie nicht automatisch schlecht macht. Lua begehrt gegen die ihr zeitgemäß zugedachte Rolle der Frau auf. Wie viele ihrer in anderen Romanen auftauchenden Mitstreiterinnen ist sie rothaarig und nimmt kein Blatt vor den Mund. Spätestens als sie de Bres begegnet, wird ihr jedoch ihre weibliche Seite oder vielmehr das vermeintliche Fehlen derselben äußerst bewusst. Ihr gegenüber steht de Bres – der einsame Streiter. Ein kontrollierter, gefühlsarmer Krieger. Jedenfalls, bis er sie sieht, denn er ist natürlich sofort von ihr verzaubert und genau dadurch immer in Gefahr, seine ansonsten unerschütterliche Ruhe und Stärke und vor allem die Kontrolle über seine Gefühle zu verlieren. Nicht zu vergessen ist natürlich die Widersacherin der weiblichen Hauptfigur – in Fall von Die Flamme und das Schwert in Gestalt von Luas Schwester, die der Liebe der beiden nicht nur im Weg steht, sondern alles in ihrer Macht stehende tut, um sie zu verhindern. Und ganz nebenbei am Ego von Lua säbelt. Last, but not least braucht natürlich auch der männliche Protagonist einen Gegenpart. Clodomirus hat eine alte (vielleicht nicht ganz so nachvollziehbare) Rechnung mit de Bres offen und über ihn erfüllt sich dann gewissermaßen nicht nur Aias, sondern auch Luas Schicksal.
Wie gesagt, das eine oder andere Kapitel, der eine oder andere Handlungsfaden ist nicht ganz schlüssig, wirkt aufgesetzt oder steckt voller Klischees und stellenweise vorhersehbar. Das schmälert Peñalvers Roman jedoch nur bedingt und wird in der Regel durch humorige Einlagen – wie etwa Luas nicht vorhandenen Kochkünsten deutlich, mit denen sie neben sich selbst auch einen ganzen Trupp Krieger in einen Rauschzustand versetzt – allemal wettgemacht.
Fazit
Eine seichte, dennoch kurzweilige Geschichte für die eine oder andere Stunde zur Entspannung, Ablenkung oder reinen Unterhaltung, die unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, vier von fünf Punkten bekommt.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, Historisch - Mittelalter, 4 von 5 Punkten, Autoren M - P, Roman | Keine Kommentare »
7.3.2011 von Ati.
J. R. Ward
Vampirsohn
Originaltitel: Story of son
aus dem Amerikanischen übersetzt von Corinna Vierkant
Wilhelm Heyne Verlag München
ISBN 978-3453527898
ISBN 3453527895
Fantasy, Chick-Lit
Deutsche Erstausgabe 2011
Umschlaggestaltung Nele Schütz Design, München
Taschenbuch mit Klappenbroschur, 144 Seiten
[D] 5,99 €
Zur Autorin
Zitat Verlagsseite
J. R. Ward ist in den USA eine der erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen für die Mischung aus Mystery und Romance. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften war sie zunächst im Gesundheitswesen tätig, wo sie unter anderem die Personalabteilung einer der renommiertesten Klinken des Landes leitete. Ihre “Black Dagger”-Romane haben in kürzester Zeit die internationalen Bestsellerlisten erobert. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Hund lebt J. R. Ward im Süden der USA.
Zum Buch / Meine Meinung
Was sagt die Inhaltsangabe?
Seit Jahrzehnten wird der Vampir Michael im Keller eines uralten Hauses gefangen gehalten. Bis die toughe Anwältin Claire ihm gezwungenermaßen einige Tage Gesellschaft leistet und in ihm eine bis dahin unbekannte Leidenschaft entfacht.
Eine kleine Novelle als Verpackung für Black Dagger-Werbung? Obwohl ich bereits mehrfach geoutete Black Dagger-Anhängerin, und damit zwangsläufig Ward-Fan bin, war genau das der erste Gedanke, der mir angesichts des Buches einfiel. Das Cover ist in gewohnter Manier gehalten. Ein paar flatternde Fledermaussilhouetten, vor einem bläulichen Hintergrund mit Vollmond, ein blasses Frauengesicht, etwas Blut. Schön und wenig aussagekräftig zugleich. Die Coverinnenseite vorne eine Werbefläche für die ersten Black Dagger-Romane, die hinten für Romane weiterer Heyne-Autorinnen. Alles vor blauem, leinwandähnlich wirkendem Untergrund mit Ranken und Fledermäusen. Leider sind auch die sechs letzten Buchseiten allein der Auflistung der Ward-Romane bei Heyne gewidmet. Nimmt man noch die Impressumsseiten, etc. weg, bleiben von den 144 Seiten gerade noch 130 für die 5,99 €, die die Novelle kostet.
Wer jetzt angesichts der Aufmachung denkt, dass Vampirsohn etwas mit den Black Daggern gemein hat, irrt. Eine eventuelle Verbindung besteht zwar beim Handlungsort (Caldwell, N. Y.) bzw. darin, dass Michael Blut zum Überleben benötigt. Oder beim Bindungsduft und sonstigen diversen Kleinigkeiten, die stark an bestimmte Merkmale der Krieger erinnern. Handlungstechnisch hat das aber keine Relevanz. Ansonsten beinhaltet die Novelle das, was auf der Rückseite des Buches in drei Worten beschrieben wird: schnell, packend, sexy.
Das schnell ergibt sich schon aus der Tatsache, dass Vampirsohn „nur“ eine Novelle ist. Entsprechend kurz muss alles gefasst sein. Einen Großteil der 130 Seiten nehmen die drei Tage ein, die Claire in Gesellschaft von Michael verbringen muss. Wie sie wieder getrennt werden, und ob bzw. wie es weitergeht (wir ahnen ja alle wie es ausgeht), verliert sich dagegen fast in der Eile, mit der Ward zum Abschluss kommt.
Nichtsdestotrotz hat mir ihre Beschreibung des Vampirs gefallen, der so ganz anders als ihre Krieger oder auch die von ihr in der Reihe gezeichneten Zivilvampire ist. Auch Claire kam glaubwürdig herüber, wenngleich sie sich natürlich nahezu blitzartig mit ihrer Situation abfinden musste. Natürlich kann kein Charakter bei 130 Seiten völlig ausgereift sein. Natürlich bleibt da vieles im Dunkeln. Aber wie gesagt, es handelt sich ja um eine Novelle und keinen Roman. Und die ist in gewohnter Ward-Art geschrieben. Flüssig zu lesen, bei aller Kürze spannend und sexy allemal.
Fazit
Lesequickie, der vermutlich niemals ausgebaut wird. Was schade ist – Michael wirkt sehr sympathisch und bekommt 5 von 5 Punkten.
Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)
Geschrieben in Belletristik, 5 von 5 Punkten, Autoren U - Z, Fantasy & Horror, Roman | Keine Kommentare »