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10. November 2010

HOHLBEIN, WOLFGANG: WIR SIND DIE NACHT

Filed under: Fantasy, Horror, SciFi,Roman — Ati @ 17:56

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Heyne Verlag
ISBN 978-3453266780
Fantasy, Vampire
Deutsche Erstausgabe 2010
Umschlaggestaltung Nele Schütz Design, München
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 608 Seiten
€ 19,95 [D]

Verlagsseite
Autorenseite 

Der 1953 in Weimar geborene und in Krefeld aufgewachsene Autor ist größtenteils im Horror-, SciFi- und Fantasygenre zuhause. 1982 erschien sein Roman Märchenmond, mit dem ihm der Durchbruch gelang. Seither wurden seine Bücher über 35 Millionen Mal verkauft, was ihn zu einem der erfolgreichsten Autoren in unserem Land macht.

Zum Schreiben kam er, weil seine Tätigkeit als Nachtwächter ihn langweilte. Seine anfänglichen Kurzgeschichten wandelten sich bald in Romane. Hohlbein schreibt stellenweise unter verschiedenen Pseudonymen, mal allein und mal zusammen mit seiner Frau Heike, mit der er seit 1974 verheiratet ist und sechs Kinder hat. Von ihr stammte auch die Idee zu seinem Roman Märchenmond. Dieser wurde mehrfach ausgezeichnet und verbuchte nationale wie internationale Erfolge. Über 200 weitere Romane wurden seither veröffentlicht. Diese kamen nicht bei allen und überall gleich gut an. Zumal Hohlbein bisweilen vorgeworfen wird, bereits auf dem Markt befindliche Idee anderer Autoren zu übernehmen und in mittelmäßige bis schlechte Romane umzusetzen.  

Über Nacht ändert sich das Leben der fast 21jährigen Lena, das eindeutig die Tendenz hat, eine Schussfahrt in den Abgrund zu werden. Vorbestraft und auf Bewährung frei, wird sie von ihrem Bewährungshelfer erpresst. Da sie arbeitslos ist, stiehlt sie nicht nur das Geld für besagten Bewährungshelfer zusammen, sondern auch das für den Unterhalt ihrer alkoholabhängigen Mutter. Von ihrem eigenen ganz zu schweigen. Ansprüche hat sie schon lange keine mehr, vielleicht auch nie gehabt. Bei einem ihrer Taschendiebstähle ist sie zur falschen Zeit am falschen Ort und gerät ins Visier einer Verbrecherbande, die ein paar Nummern zu groß für die menschliche Seite in Lena wäre. Dabei lernt sie den Polizisten Tom kennen, von dem sie sich von Anfang an seltsam angezogen fühlt. 

Auf einer weiteren Diebestour kommt sie mit Louise in Kontakt, die ihr nicht nur vor Augen führt, dass sie von ihrer Tätigkeit weiß, sondern noch am gleichen Abend beißt. Dieser Biss ist Segen und Fluch zugleich, denn obwohl sie sich dadurch selbst in eine Blutsaugerin verwandelt, gibt er ihr andererseits die Kraft, sich gegen die Leute zu wehren, in deren Visier sie durch einen dummen Zufall geraten ist. Der Luxus, den ihre Bekanntschaft mit Louise und ihrer Clique mit sich bringt, ist auch nicht zu verachten. Abgesehen davon muss sie erfahren, dass Louise zwar letztlich mittels ihrer Fänge den Stein ins Rollen gebracht hat, dieser aber grundsätzlich bereits bei ihrer Geburt für genau diesen Fall mehr als bereit lag. Und Louise ist nicht allein, zwei weitere Vampirinnen sind bei ihr und helfen Lena mehr oder weniger durch ihre Wandlung. Doch obwohl sie nach einigen Bedenken den Luxus und ihr neues Leben anfänglich genießt, werden ihr die Mordlust und der Blutdurst ihrer Clique bald zu viel. Auch wegen ihrer mehr und mehr erwachenden Gefühle für den Polizisten Tom will sie die Vampirclique wieder verlassen, doch sie hat die Rechnung ohne Louise gemacht.  

Der Schutzumschlag war das Erste, was mir ins Auge fiel. Dunkel, ein einzelnes Auge, darunter eine Art stilisiertes Fragezeichen aus durchscheinenden Flammen (so habe ich es jedenfalls gesehen). Das alles in meiner Lieblingsfarbe blau mit einem Schuss lila. Es brauchte nicht einmal mehr den Klappentext, um mir dieses Buch zu wünschen. Hat es sich gelohnt? 

Zunächst einmal: Wäre im Klappentext nicht explizit Berlin genannt worden, wo sich der Hauptteil der Geschichte abspielt, könnte sie auch in eine beliebig andere Stadt verlegt werden. Detailliertere Beschreibungen beziehen sich lediglich auf einzelne Gebäude bzw. Räume darin. Sie könnte sich auch, sieht man von Kleinigkeiten ab, die einen Bezug zum Jetzt herstellen, in einer beliebig anderen Zeit ereignen. Der Zeitraum wiederum, über den sich die Geschichte zieht, ist auf wenige Tage zusammengefasst, und diese Tage sind randvoll gespickt mit Lesegenuss. 

Doch allen Menschen recht getan, ist bekanntlich eine Kunst, die keiner kann. Und so hat Hohlbeins Vampirgeschichte bereits kurz nach Erscheinen die eine oder andere herbe Kritik einstecken müssen. Von dem Vorwurf noch kurz auf den Zug des momentanen Vampirhypes aufspringen zu wollen bis hin zu einer flachen Geschichte, einfallslos und vorhersehbar, war so einiges dabei. Jemand urteilte gar: Zitat: “Die Sprache ist platt, die Charaktere bleiben seltsam blass, auch die Protagonistin Lena gewinnt über die ganzen zähen 800 Seiten kein Profil.” 

Abgesehen davon, das Hohlbein bereits lange vor Twilight und Konsorten die Chroniken der Unsterblichen herausbrachte, in denen es ebenfalls um Vampire ging, weiß ich nicht,  welche Ausgabe von Hohlbeins Roman er in Händen hielt. Meine Hardcoverausgabe umfasst keine 800 Seiten. Lässt man diese kleine Unstimmigkeit einmal völlig außer Acht, kann ich mich der schlechten Kritik trotzdem und definitiv nicht anschließen. Wobei ich ja zugeben muss, dass ich sowohl Hohlbein gerne lese, als auch ein geouteter Fan des Vampirgenres und in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz unvoreingenommen bin. Allerdings: Wer kann das schon von sich behaupten? 

Mir hat Wir sind die Nacht gefallen und ich konnte keine wirklich blassen Figuren entdecken. Es ist natürlich nichts bahnbrechend Neues, was Hohlbein auf den Markt gebracht hat. Zumal er das Buch nach dem Drehbuch von Jan Berger, welches wiederum auf einem Drehbuch von Dennis Gansel basierte, geschrieben hat. Aber man muss das Rad auch nicht jedes Mal neu erfinden, um eine Geschichte in Worte zu fassen, die gut zu unterhalten vermag. Der gleichnamige Film ist derzeit in den Kinos. Wie sehr das Buch nun dem Film entspricht, weiß ich nicht, denn ich sehe mir in den seltensten Fällen die Filme der Bücher an, die ich gelesen habe und umgekehrt.  

Armes Opfer der Gesellschaft in einer frauenfeindlichen Welt, in der alle Männer einfach nur schlecht zu sein scheinen, gelangt in eine (Vampir-)Welt von Frauen, die sich selbst zu helfen wissen und sich gegenseitig helfen (jedenfalls bis zu einem gewissen Grad). Ein kleiner Schuss Liebe, ein paar sexuelle Anspielungen, Gewalt. Das mag fast banal sein; stellenweise uraltbekannten Klischees entsprechen. Allerdings – und das ist das Gute an diesem Buch: Hohlbein setzt es spannend um. Er versteht es, diese Story so zu gestalten, dass sie doch wieder wie neu wirkt. 

Die Erzählung von Lenas bisherigem Leben; das Gefühlsdilemma, welches die Wandlung in einen Blutsauger für sie so mit sich bringt; ihre Weigerung sich vollständig zu wandeln; die Beschreibung ihres Hungers, aber auch das Verhalten der Vampire an sich ist glaubwürdig und – trotz des Fantasyelements Vampir – lebensnah gelungen. Mir gefällt, dass die Vampire in ihrer eigenen Welt und doch mitten unter den Menschen quasi direkt Tür an Tür leben. Auch die Verknüpfung einer zunächst perfekt scheinenden, aber brutalen Welt mit Lenas anfänglich aussichtslosem Kleinkriminellendasein passt. Die Geschichte hebt sich mehr als angenehm aus der Masse an Vampirbüchern hervor, die es gerade auf dem Markt gibt, weil die Vampire darin nicht mystisch verklärt werden. Weil die Grenzen gut und böse wieder neu abgesteckt werden. Weil die Liebesgeschichte zwischen Tom und Lena nur angedeutet ist und sich nicht in den Vordergrund drängt. Weil die Vampire als stark und rücksichtslos beschrieben werden. Das macht sie aber nicht automatisch gefühllos oder in allen Situationen unmenschlich. Ihre Andersartigkeit und ihr langes Dasein machen sie zu dem, was sie sind. Dennoch steckt etwas in ihnen, was sich Lena selten zeigt, das sie aber gleichzeitig zutiefst er- bzw. abschreckt. 

Einen kleinen Abzug gibt es allerdings, denn das Ende hat mir – obwohl es trotzdem passt – nicht hundertprozentig gefallen. Es war tatsächlich nicht wirklich überraschend. Das schmälert aber den Gesamteindruck der Geschichte nur minimalst. 

Fazit: 

Wer Hohlbein liest, weiß, dass sein Schreibstil Schwankungen unterworfen ist. Genau deshalb lese beispielsweise ich seine Romane ja so gerne. Wer Vampire mag, sollte auf alle einen Blick in das Buch werfen. Für mich hat es sich gelohnt und ich werde es, nach einer kleinen Pause, garantiert nochmals lesen. Wir sind die Nacht ist nicht nur der Titel des Clubs bzw. der Disco, in der sich Lenas Leben für immer zu ändern beginnt. Es ist auch ein spannendes Buch zum Entspannen. Von mir gibt es deshalb 4,5 von 5 Punkten. 

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

9. November 2010

HAUSDORF, HARTWIG: BEGEGNUNGEN MIT DEM UNFASSBAREN – Reiseführer zu fantastischen Phänomenen

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Heyne
ISBN 978-3453701175
Erstausgabe 2010
Umschlaggestaltung Guter Punkt, München, Anke Koopmann
Taschenbuch, 256 Seiten
€ 8,95 [D]

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Der 1955 geborene Autor studierte an der FH München Touristik und leitet ein Reisebüro. 12jährig wurde seine Neugier auf Präastronautik durch ein Buch Erich von Dänikens geweckt, das er bis heute nicht verloren hat. Er zählt weltweit zu den bekanntesten Autoren und Forschern auf dem Gebiet der SETI-Forschung. Hausdorfs Erstlingswerk „Die weiße Pyramide, außerirdische Spuren in Ostasien“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Bis heute hat er etwa zwanzig Bücher geschrieben und war mehrmals in weltweiten Fernsehauftritten zu sehen. Hausdorf, der auch für mehrere internationale Filmproduktionen mit dem Themenschwerpunkt „Rätsel aus dem Reich der Mitte“ vor der Kamera stand, reist regelmäßig weltweit, um Phänomene zu ergründen, die die „normale“ Wissenschaft als Lügen oder Spinnerei abtut. Seine Ergebnisse macht er einem breiteren Publikum nicht nur in seinen Büchern, sondern auch in zahlreichen Publikationen und Vorträgen zugänglich.

Begegnungen mit dem Unfassbaren ist für die Fans dieser Materie nichts grundsätzlich Neues. Nachdem zuerst im Jahr 1998 der Titel X-Reisen, Lokaltermine an den geheimnisvollen Stätten unserer Welt auf den Markt kam, legte 2008 der Herbig-Verlag eine überarbeitete, veränderte, umbenannte gebundene Ausgabe nach, die rein covermäßig schon ziemlich nahe an die jetzt dank Heyne erhältliche Taschenbuchversion herankam. Der Heyne-Verlag hat auch den Titel dieser gebundenen Ausgabe (Begegnungen mit dem Unfassbaren – Reiseführer zu fantastischen Phänomenen) übernommen

Mit fast identischem Cover (lediglich die Farbgebung wurde verändert, das Auge und der Sternenhimmel blieben gleich) sind zuvor zwei weitere Bücher bei Heyne erschienen, in denen sich der Autor ebenfalls mit der Thematik befasst. (Bizarre Wirklichkeiten: Auf geheimen Wegen ins Unbekannte/2009 und Nicht von dieser Welt: Dinge, die es nicht geben dürfte/2009.) 

Doch zum jetzigen Buch und seinem Inhalt, in dem Hausdorf nach einem einleitenden Vorwort von seinen weltweiten Reisen berichtet oder vielmehr von dem, was (nicht nur) er dort vorgefunden hat. Und von seinen Deutungsmöglichkeiten. Er erzählt von Orten, die überraschend verlassen und nie wieder besiedelt wurden. Von unerklärlichen Bränden, die übernatürliche Hitze entwickelten. Von den Steinskulpturen der Osterinseln und Pyramiden in Ländern, von denen wir lange Zeit annahmen, dass es diese dort gar nicht gibt. Von steinernen Abbildern unseres Sonnensystems, die trotz ihres Alters etwas enthalten, was erst Jahrhunderte später entdeckt wurde. Auch Entführungen durch extraterrestrische Lebensformen oder Kontaktaufnahme zu ihnen werden beschrieben. Vorkommnisse mit Menschen, die plötzlich und unerklärlich auftauchen. Oder ein totes Kind, das wegen seiner Andersartigkeit kaum als Missgeburt bezeichnet werden darf, sondern als etwas, das eigentlich nicht existieren dürfte. Spuren, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen und die doch real zu besichtigen sind. Oder waren, denn viele der Reisen und Begebenheiten fanden bereits in den 1970erJahren oder gar in früheren Jahrhunderten statt und zwischenzeitlich hat sich das eine oder andere geändert. In der Mitte des Buches sind Farbfotos seiner Reisen eingefügt. Ab Seite 211 beginnt dann ein Reiseführer zu den geheimnisvollsten Plätzen, der Insider- und Geheimtipps enthält.

Wie bei allen Büchern oder sonstigen Publikationen zu diesem Thema wird es auch hier etliche Fachleute, Forscher und Skeptiker geben, die sofort und sehr laut Fälschung und Humbug schreien, wenn sie etwas davon lesen. Doch frage ich mich manchmal, warum sie glauben, dass ausgerechnet ihre Meinung der Weisheit letzter Schluss ist. Zumal sie in den seltensten Fällen selbst mit wirklich schlüssigen Erklärungen aufwarten können. Und immerhin gingen sogenannte Gelehrte ja auch einmal davon aus, dass die Erde eine Scheibe ist, um die sich sogar die Sonne dreht.  

Genau wie viele seiner Mitstreiter will Hausdorf mit diesem Buch niemand absolut von seiner Meinung überzeugen. Es ist kein Wissenschafts-, sondern eher ein Erlebnisbericht. Ersteres wäre, seien wir ehrlich, für den Taschenbuchpreis absolut nicht zu erhalten und darüber hinaus auch nicht so leicht zu lesen. Was er aber bietet, sind Denkanstöße zu Dingen und Vorgängen, die unerklärlich erscheinen, geheimnisumwittert sind und genau genommen nach regulärer Schulmeinung eben einfach nicht sein dürfen bzw. von dieser völlig anders dargestellt werden. Wirklichkeit ist etwas, das uns oftmals passend vorgesetzt wird. Verdreht kann sie in beide Richtungen werden. Ob sie real so richtig ist, steht dann auf einem anderen Blatt und jeder kann und sollte sich seinen eigenen Teil denken. Hausdorf bringt natürlich keine absoluten und unwiderlegbaren Beweise für seine Theorien, dennoch muss er mit seinen Schlussfolgerungen noch lange nicht falsch liegen. 

Die Berichte seiner Reisen sind so abgefasst, dass sie sowohl auf jüngere wie ältere Leser passen. Wer unvorbelastet oder bereits von Überlegungen dieser Art überzeugt an dieses Buch herangeht, springt leichtfüßig mit dem Autor in die einzelnen Länder und erfährt vielleicht, wenn er es denn noch nicht weiß, dass es oftmals nur eine Frage des Betrachterstandpunktes ist, wie die Wirklichkeit sich gestaltet. Anhänger der sogenannten regulären Wissenschaftstheorien werden mit dem Buch natürlich ihre Probleme haben, auch wenn die an sich kurzen Kapitel sich sehr leicht lesen lassen.  

Die Fotos, etwa von den angeblich mit Faustkeilen herausgehauenen und dafür erstaunlich  ebenmäßigen, riesigen Figuren der Osterinseln, lassen einen zusammen mit den Deutungsversuchen Hausdorfs überlegen. Vielleicht sind unsere Vorfahren nicht so vorsintflutlich gewesen, wie wir gemeinhin annehmen. Womöglich verfügten sie über Wissen und technische Gerätschaften, die es zu der Zeit eigentlich noch gar nicht geben durfte. Oder hatten sie tatsächlich Hilfe von … außerhalb? Wie bereits erwähnt, kann Hausdorf natürlich keine unwiderlegbaren Beweise bringen. Dies würde bei der Fülle der vorgestellten Phänomene die Dimensionen eines Taschenbuches hoffnungslos sprengen.  

Seine Reiseberichte und Deutungsvarianten sind weder wissenschaftlich abgehoben noch mystisch verklärt und sprechen mich – als überzeugte Nonkonformistin – an. Ein kleines Manko gibt es allerdings. Einiges von dem, was man in diesem Buch findet, haben andere Autoren, wie etwa von Däniken, schon aufgegriffen. 

Fazit: 

Für alle Fans des Unerklärlichen, und solche, die vielleicht zum ersten Mal einen Blick über den Tellerrand der Schulmeinung werfen möchten.  

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

Sands, Lynsay: Vampire sind die beste Medizin

Filed under: Fantasy, Horror, SciFi — Ati @ 02:04

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Vampire sind die beste Medizin

von Lynsay Sands

 

Originaltitel: Vampires Interrupted

Lyx

ISBN 978-3802583735

Romantic-Fantasy, Vampire

Dt. Erstausgabe 2010

Aus dem Amerikanischen von Ralph Sander

Taschenbuch, 364 Seiten

€ 9,95 [D]

 

http://www.egmont-lyx.de

http://www.lynsaysands.net

 

 

Zur Autorin

 

Die in der kanadischen Provinz Ontario geborene Autorin Lynsay Sands studierte Psychologie. Ihr erster Roman wurde nach Beendigung ihres Studiums veröffentlicht. Sie verfasste mehrere zeitgenössische und historische Romane und liest selbst gerne Horror- oder Liebesromane. Ihre Serie über die Familie Argeneau ist einer der erfolgreichsten Vampirserien der USA und erfreut sich auch bei uns großer Beliebtheit. Die Autorin lebt und arbeitet heute im Norden Englands.

 

Zum Buch

 

Für alle, die noch nie etwas von Sands oder den Argeneaus gelesen oder gehört haben sollten: Mit einem an Philipps oder McAlister erinnernden und doch auch ganz eigenen Schreibstil hat die Autorin die Welt einer Vampirfamilie geschaffen, die (zumindest teilweise) in Atlantis geboren wurde und durch nanotechnologische, medizinische Fortschritte vor dem Untergang dieser mystischen Welt zu (Fast-)Unsterblichen wurden. Zum Überleben brauchen sie Blut. Sie können sich durch Geburten vermehren und sie können Menschen durch Bisse wandeln. Doch die Vampire von Sands entsprechen dem modernen Vampirtyp. Was bedeutet, dass sie ihre Opfer nicht töten und Sonnenlicht ihnen zwar nicht unbedingt gut tut, sie aber auch nicht in Rauch aufgehen lässt. Sie gehen normalen Berufen nach, leben unter und teilweise mit Menschen, und haben im Laufe der Zeit die eine oder andere Eigenart angenommen und/oder (emotionale) Verletzung davon getragen. Die Vampire dürfen nur einen Menschen in ihrem Leben wandeln, wenn sie sich nicht von vornherein mit einem anderen Vampir zusammentun. Aufgrund ihrer langen Lebensdauer ist eine genaue Wahl des Partners sehr wichtig, allerdings gibt es eine Eigenheit unter Menschen wie Vampiren, die quasi von selbst für den richtigen Partner sorgt. Jedenfalls für denjenigen, der die Ausdauer besitzt, auf den richtigen zu warten. Die Überzeugung der Autorin, dass etwas Humor in allen Lebenslagen hilft, kommt in der Serie zum Tragen. Denn neben der Fantasy-Romance-Thematik kommen humorige Szenen nicht zu kurz.

 

Marguerite Argeneau, die kuppelfreudige Mutter/Tante/demnächst-Oma der Argeneau-Familie, will eigentlich nur alle glücklich sehen. Nachdem sie in den vorangegangenen acht Bänden der Vampirserie für die Anbahnung der Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder gesorgt hat, schwimmt sie sich 75 Jahre nach dem Tod ihres Mannes aus ihrer 700jährigen katastrophalen Ehe auch selbst langsam frei.

 

Der neunte Band Vampire sind die beste Medizin ist ihr gewidmet. Sie arbeitet als Detektivin und ihr Job führt sie nach England, wo sie die Mutter eines Vampirs ausfindig machen soll. Dessen Vater sträubt sich allerdings mit aller Macht dagegen. Die Frau, auf die Marguerite und ihr Partner angesetzt sind, wollte vor mehreren Jahrhunderten genau den Sohn töten lassen, der sie jetzt suchen lässt. Zwischen Julius (dem Vater ihres Auftraggebers) und ihr funkt es quasi sofort, denn beide merken, dass sie besagte Eigenheit besitzen, die sie zum Seelengefährten des anderen machen könnte. Allerdings gestehen sie sich das erst einmal nicht ein und der Umstand, dass beide reichlich eingerostet sind, was zwischenmenschliche bzw. zwischenvampirische Beziehungen betrifft, reizt bisweilen zum Lachen. Die angeblich verschollene Mutter ist eigentlich zum Greifen nah und behindert gleichzeitig in gewisser Weise eine Annäherung der beiden. Es kommt zu einigen Verwicklungen und jemand trachtet Marguerite nach dem Leben. Ein Umstand, der Julius dazu bringt, sich auf ihre Seite zu schlagen und ihr dabei zu helfen, Licht in die vertrackte Familiengeschichte zu bringen. Und sie ganz nebenbei und wirklich für sich zu beginnen.

 

Meine Meinung:

 

Wie auch die übrigen Bände lässt sich die Geschichte Marguerites, obwohl alle miteinander verwoben sind, völlig für sich lesen. Auch hier wird auf die Lebensgefährtenthematik eingegangen und die Entstehungsgeschichte der Vampire mit wenigen Worten umrissen. Vielleicht liegt es daran, dass ich es in den vorangegangenen Büchern bereits zu oft gelesen habe. Doch obwohl es, liest man Marguerites Geschichte separiert, sicher ganz praktisch ist, alles nochmals in Vampire sind die beste Medizin nachlesen zu können, störte mich die Sache mit den Lebensgefährten dieses Mal etwas.

 

Abgesehen davon führt die Autorin ihre Leser aber gewohnt kurzweilig an Marguerites Seite durch die Geschichte und lässt sie an dem Dilemma teilhaben, das sich aus einer Ehe mit jemandem ergibt, der einen völlig kontrollieren kann. Selbst wenn man über 700 Jahre alt ist, können sich da enorme Minderwertigkeitskomplexe halten, die in eine neue Beziehung hineinspielen. Vor allem, wenn sich herausstellt, dass besagter Ehemann sogar über den Tod hinaus noch Macht auf sie auszuüben scheint und womöglich gar nicht tot ist. Oder auch an Julius Problemen, die sich aus seinem Wissen um die Mutter seines Sohnes ergeben, als er feststellt, dass damals nicht alles so war, wie es den Anschein hatte. Dass diese Mutter eher Opfer als Täterin war. Und er sie weder vergessen kann noch wirklich will.

 

Sands Vampire sind nach wie vor trotz ihrer körperlichen Besonderheiten menschlich. Machen Fehler oder begehen Dummheiten. Sie müssen nicht gegen etwas übernatürlich Böses kämpfen oder abgehobene Abenteuer bestehen. Vielmehr quälen sie sich mit den gleichen Problemen herum wie wir. Eifersüchteleien, Neid, Missachtung bis hin zu Hass. Ansonsten machen Marguerite und Julius einfach das, was Vampire in Fantasy-Romance-Romanen tun: Sie verlieben sich und müssen auf dem Weg zum Happy End einige Unwägbarkeiten meistern.

 

Die Lösung des Rätsels kommt etwas zu kurz und war bereits beim ersten Gespräch zwischen Marguerite und der Person, die sie töten will, für mich vorhersehbar. Dieser Teil hätte mehr ausgebaut werden können, lässt er doch den Teil der Geschichte, der für Spannung sorgen sollte, zu flach ausklingen.

 

Fazit:

 

Fortsetzung mit kleinen Schwächen. Dank Sands Schreibstil jedoch gewohnt lustig und kurzweilig. Ein Buch zum Entspannen. Da die Reihe noch ein paar Bände weitergehen soll (zumindest die amerikanischen Originalausgaben, in Deutsch ist bislang nur ein Folgeband für nächstes Jahr angekündigt) bleibt die Hoffnung, dass die Autorin wieder die Spritzigkeit und Spannung der ersten Bände erreicht.

 

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

7. November 2010

Früh & Krawczyk (Hg.): Märchen von Müttern und Töchtern

Filed under: Jugendbuch,Märchen — Ati @ 15:23

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Sigrid Früh und Ulrike Krawczyk (Hg.)
Märchen von Müttern und Töchtern

Königsfurt-Urania Verlag GmbH
ISBN 978-3-86826-010-6
Kinderbuch, Märchen
Sonderausgabe 2009
Umschlaggestaltung Stefan Hose, Götheby-Holm
Gebundene Ausgabe, 192 Seiten

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Autorenseite 

 

Die 1935 geborene, studierte Germanistin und Volkskundlerin Sigrid Früh zählt zu den bekanntesten Märchenforscherinnen bzw. –Erzählerinnen in unserem Land. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart und bringt ihre Arbeit unter anderem in Seminaren und Vorträgen einer breiteren Öffentlichkeit dar. Die Vorliebe für das Märchengenre teilt sie mit ihrer Tochter Ulrike Krawczyk, die, 1953 geboren, ebenfalls Germanistik studierte. Ferner absolvierte sie ein Studium in Linguistik und zusätzliche Ausbildungen in Sprecherziehung und Stimmbildung. Auch sie hält Seminare zum Thema Märchen und veröffentlichte, unter anderem in Zusammenarbeit mit ihrer Mutter,  ihre Arbeiten bei verschiedenen Verlagen.

 

Nicht zum ersten Mal haben sich Mutter und Tochter zusammengetan, um das zu tun, was sie leidenschaftlich gerne tun. Mündlich überlieferte wie schriftlich aufgezeichnete Geschichten in ganz Europa sammeln, übersetzen und, zu einem Buch zusammengefasst, veröffentlichen. Der Verlag hat eine Reihe Märchenbücher veröffentlicht, in denen jeweils andere Themen aufgegriffen wurden.

 

Dieses Mal geht es um Märchen in denen, wie der Titel schon verrät, Mütter und Töchter die Hauptrolle spielen. Das Schöne an diesem Buch ist, dass es eine Sammlung an 29 Märchen beinhaltet, wie es sie nicht überall gibt. Bekannte Gestalten, wie etwa Frau Holle, kommen zwar vor; allerdings in einem weniger bekannten Zusammenhang. Auch die in Märchen selten beliebte Stiefmutter wird hier etwas anders gezeichnet und muss sich beispielsweise nicht in glühenden Schuhen zu Tode tanzen.

 

Alles Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten. Die Beziehungen von Müttern zu ihren Kindern, Mädchen wie Jungen, können vielfach gestaltet sein. Nicht immer und zu jeder Zeit sind Mütter ihren Töchtern gegenüber (oder umgekehrt) hilfreich und, sogar über den Tod hinaus, beschützend.  Es gibt auch eifersüchtige und bedrohliche Mutter-Töchter-Verhältnisse. Oder mystisch und magisch angehauchte, in denen eine ganze Bandbreite an Gefühlen zum Ausdruck kommt. Neid und Missgunst treiben manche der Mütter im Hinblick auf ihre eigenes (vertanes) Leben und der Schönheit und dem damit verbundenen Erfolg ihrer Töchter zu Handlungen, die deren Vernichtung dienen sollen. Doch, obwohl bedrohliche Situationen vorkommen, werden diese meines Erachtens nach nicht zu gewalttätig, wie es bisweilen in den eher bekannten Märchen vorkommt.

 

Es gibt Märchen, in denen die innige Beziehung der Mütter und ihrer Töchter beschrieben wird, während andere von Neid und Missgunst bestimmt sind. Und solche, die von Trauer, Krieg, Tod und Melancholie berichten. Problematisch-konfliktbeladene Situationen wiegen sich mit innig-verbundenen auf. Die Symbolik in den Märchen spiegelt das wider, was im Leben passiert. Und das, was den Menschen antreibt – Hoffnung. Auf das Erreichen von Liebe und Glück, aber auch Selbstständigkeit, Zufriedenheit. Bis das soweit ist, durchlaufen die Hauptfiguren der Märchen diverse Prozesse. Abnabelung, der Weg von der Unselbstständigkeit in ein selbst behauptetes Leben, der Moment des Loslassens. Situationen, in denen der Schutz der Kinder oberste Priorität hat und solche, in denen ohne nachzudenken willkürlichen Befehlen Folge geleistet wird, Situationen, in denen das beschrieben wird, was jahrhundertelang real praktiziert wurde und stellenweise nach wie vor praktiziert wird: die Vormachtstellung des Patriarchats. Augenblicke des Verlustes und solche der Wiederkehr.

 

Durch die liebevoll zusammengetragenen und umgesetzten Geschichten ist dieses Buch nicht nur zum Vorlesen geeignet, sondern – für Märchenfans, wie beispielsweise mich – auch einfach so zum darin schmökern. Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Die an Werte erinnern, die heute oft viel zu flüchtig verkommen; durch das Bewahren dieser Geschichten jedoch erhalten und weitergegeben werden können.

 

Fazit:

 

Empfehlenswert. Für Märchenfans und solche, die es werden wollen. Und diejenigen, die einfach mal etwas andere Märchen kennenlernen möchten.

 

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

5. November 2010

Schenker, Daniela: Sprudelnde Heilkraft

Filed under: Fach- & Sachbuch,Gesundheit/Behandlung — Ati @ 19:04

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Daniela Schenker
Sprudelnde Heilkraft


Allegria im Ullstein Taschenbuch Verlag

ISBN 978-3-548-74505-3

Gesundheit & Wellness
Originalausgabe Oktober 2010
Umschlaggestaltung FranklDesign, München

Taschenbuch, 234 Seiten

€ 9,95 [D]

 

Verlagsseite

 

Seit mehr als 20 Jahren befasst sich die Autorin und Diplomübersetzerin Daniela Schenker mit asiatischen Traditionen. Sie lehrt und berät in der Thematik der ganzheitlichen Lebensführung und unternahm zahlreiche Weltreisen und Pilgerfahrten, um ihr eigenes Wissen zu vervollkommnen.

 

Wasser: Es kann zerstörerisch und lebensspendend sein. Aufwühlend oder beruhigend. Der Einsatz von Wasser im privaten Lebensbereich erfolgt heute in unseren Breitengraden viel zu oft gedankenlos. Sei es im Verbrauch oder als Gestaltungselement. Will man es in den Wohnbereich oder das persönliche Lebensumfeld integrieren, merkt man schnell, dass das frei zugängliche Wissen uralt und/oder fernöstlich und oftmals ein Kapitel für sich ist. Falsch eingesetzt kann Wasser krankmachen. Im Umkehrschluss kann es natürlich auch unendlich guttun.

 

Wasser ist bzw. Zimmerbrunnen sind nicht nur ein gerne eingesetztes Element im Feng-Shui, doch die Informationen im Buch Sprudelnde Heilkraft gehen in diesen Bereich.  Nach einem Vorwort von Dr. Jes T. Y. Lim – Feng-Shui- und Tao-Geomantie-Großmeister – in dem er auf die Bedeutung des Wassers eingeht, meldet sich die Autorin selbst zu Wort und beschreibt ihr Verhältnis zum Wasser und wie dieses Verhältnis zu dem geworden ist, was es heute ist.

 

Danach erfährt der interessierte Leser von der Bedeutung des Wassers in verschiedenen Kulturen, von seiner Natur, seiner Aufgabe und Wirkung. Die Autorin gleitet fließend über in eine Kurzbeschreibung der fünf Elemente, bevor sie auf einen Spaziergang durch die Welt der Brunnen einlädt, der uns auch etwas über Brunnenalternativen, wie etwa Nebler oder auch Trockenbrunnen beziehungsweise Trockenwasser verrät.

 

Weder die Brunnentypen, noch die Symbolik der Gestaltungselemente, des Lichts oder die Effekte der Wasserverteilung kommen zu kurz. Auf die Möglichkeiten der Wasseraromatisierung wird ebenso eingegangen, bevor es zu Anleitungen für den Bau eines Brunnens geht. Im fünften Kapitel lässt uns die Autorin auf über 50 Seiten einen Einblick in die Grundlagen der Raumharmonie und des Feng-Shui erhaschen, bevor sie über die Möglichkeit schreibt, Wasser auf Reisen zu nutzen und das Buch mit einem Ausblick und einem Literatur- und Bildnachweis ausklingen lässt.

 

Alle Beschreibungen sind kompakt und leicht verständlich. Fotos in Schwarz-weiß und Farbe sowie Skizzen lockern den Text immer wieder auf. Wichtiges ist in grauen Feldern hervorgehoben.

 

Man merkt, dass die Autorin Wasser als das sieht, was es ist. Ein lebendiges Element, das zu uns sprechen kann, wenn wir zuhören. Das können wir deshalb, weil wir selbst zu einem großen Teil daraus bestehen.

 

Wasser kann uns tatsächlich helfen, etwas für unsere Gesundheit zu tun. Genau dasselbe Wasser, das den meisten von uns vielleicht eher durch Horrornachrichten von Überschwemmungen oder sintflutartigen Regenfällen oder durch das Ausbleiben von Regenfällen ein Begriff ist. Für die meisten von uns ist es darüber hinaus ein absolut selbstverständliches Gut, das viel zu gedankenlos verwendet wird. Es hat aber grundsätzlich eine überaus kraftvolle und sanfte Seite, die wir für uns nutzen können. Schenkers Buch, in dem sie unter anderem (wenn auch nur kurz) auf die Wiederbelebung von Wasser eingeht, ist ein kompaktes Handbuch, das uns hilft Wasser als lebendiges, heilendes Element auf einfache Weise in unser Leben zu integrieren.

 

Fazit

 

Gelungenes Handbuch. Die Gliederung ermöglicht ein leichtes Nachschlagen. Das Buch könnte ausführlicher sein, muss es aber nicht, da alles grundsätzlich relevante erwähnt wird und es sonst in ein Praxisbuch ausarten würde. Sprudelnde Heilkraft bietet auch Laien, die völlig unvorbelastet an die Thematik herangehen, einen guten Einstieg in die Materie. Auf einer Skala von 1 – 5 möchte ich deshalb 4,5 Punkte vergeben.

 

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

 

 

 

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