Die Leselustige Ati's Rezi-Seite – Buchbesprechungen, Ankündigungen, etc.

23. Oktober 2010

Marklund, Liza (Hg.): Mörderische Weihnachten

Filed under: Krimi/Thriller,Roman — Ati @ 11:11

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List Taschenbuch
ISBN 978-3-548-61015-3
Erzählungen
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung bürosüd° GmbH, München
Taschenbuch, 256 Seiten
€ 8,95 [D]

www.list-taschenbuch.de 

Für die Sammlung dieser Erzählungen haben sich verschiedene skandinavische Autoren zusammengeschlossen. Neben Liza Marklund arbeiteten Arne Dahl, Torbjörn Flygt, Åke Edwardson, Kjell Eriksson, Helene Tursten, Johanna Nilsson, Leif Davidsen, K. Arne Blom und Inger Frimansson an der Verwirklichung des Buches mit.

Neben dem Vorwort von Liza Marklund und dem Quellennachweis erwarten den Leser 11 skandinavische Geschichten, die mit Weihnachten insoweit zu tun haben, als es eben in dieser Zeit geschieht. Wirklich mörderisch sind sie nicht alle. Unterhaltsam jedoch schon. Einige wurden bereits in Skandinavien veröffentlicht.

Marklund – „Silvesternacht“ aus dem schwedischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt. Originaltitel „Näst sista dagegen på året.

Dahl – „Die fliegende Mumie“ aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein. Originaltitel „Mumien flyger“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Flygt – „Vor der Pause“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey, Originaltitel „Före paus“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Edwardson – „Als der Schnee fiel“ aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch, Originaltitel „När snön föll“  (Buch: „Mord under julgranen“).

Eriksson – „Weihnachtsüberraschung“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Originaltitel „Julstök“ (Buch: „Mord i juletid“).

Tursten – „Mittwintermord“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger, Originaltitel „Kallt Mord“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“).

Nilsson – „Würdest du für mich sterben?“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey, Originaltitel „Vill du dö för mig?“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Davidsen – „Eine Weihnachtskarte aus der Vergangenheit“ Aus dem Dänischen von Gabriele Haefs.

Blom – „Engel im Schnee“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Originaltitel „Snöängel“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“).

Frimansson – „Das Rote“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger und Holger Wolandt, Originaltitel: „Det röda“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Marklund – „Der Holzdieb“ aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann.

Gleich im Vorwort, geht Marklund auf Weihnachten und die damit verbundenen Traditionen ein, auf die Erwartungen und zwangsläufig folgenden Enttäuschungen. Darauf, dass sie am liebsten in sonnige Gefilde oder eben einfach von daheim weg dem ganzen Trubel entflieht. Überaus nachvollziehbar, zumindest so, wie sie alles schildert.

Danach fängt der Lesegenuss langsam an, es dauert etwas, bis die erste Leiche auftaucht. Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen, sie können querbeet oder nacheinander gelesen werden. Da löst eine Kommissarin einen Fall, bei dem auffällig viele Kinder plötzlich Verletzungen aufweisen. In einer anderen Geschichte kommt jemand in arge Bedrängnis, weil aus einem ihm überlassenen Sack Blut tropft. Ungewöhnlich starke Schneefälle pferchen ein streitendes Geschwisterpaar zusammen. Ein Holzdieb lässt einen alten Mann quasi Amok laufen. Nicht immer kommen Tote in den Geschichten vor, aber wenn sie fehlen, fehlen sie gar nicht wirklich. Wenn sie dann doch auftauchen, könnte man fast erschrecken, da man nicht mehr mit ihnen gerechnet hat.

Fazit:  Wer Skandinavienkrimis mag, kommt mit diesem Buch nicht zu kurz und hält kurzweilige Unterhaltung in Händen.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

Stroud, Jonathan: Bartimäus – Der Ring des Salomo

Filed under: Abenteuer,Fantasy, Horror, SciFi,Jugendbuch,Roman — Ati @ 09:49

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Bartimäus – Der Ring des Salomo

von Jonathan Stroud

 

Titel der englischen Originalausgabe: Bartimaeus – The Ring of Solomo

cbj, München

ISBN 978-3-570-13967-7

Fantasy, Jugendbuch

1. Auflage 2010

aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung

Umschlaggestaltung Klaus Renner

Hardcover, 480 Seiten

€ 18,99 [D]

www.cbj-verlag.de

www.jonathanstroud.com

 

Zum Autor

 

Der in Bedford/England geborene und bei London lebende Jonathan Stroud schreibt bereits seit 33 Jahren Geschichten, hat also seine Vorliebe dafür bereits mit sieben Jahren entdeckt. Nachdem er Jahre später zunächst als Lektor für Kindersachbücher tätig war, beschloss er nicht nur seine eigenen Kinderbücher zu veröffentlichen. Er wollte sich auch fortan ganz dem Schreiben widmen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Zum Buch

 

„Bartimäus – Der Ring des Salomo“ ist eigentlich die Entstehungsgeschichte zu den bereits veröffentlichten Bänden der Bartimäus-Trilogie. Ein in sich abgeschlossenes Buch, in dem es um einen gewitzten, stets zu Streichen aufgelegten Dschinn geht, der immer wieder wider Willen von Magiern heraufbeschworen wird. Man kann es völlig unabhängig von der Trilogie lesen.

 

Gleich zu Beginn folgt eine Liste der Hauptpersonen, eine Karte mit den Ländern Israel, Saba und deren Umgebung zum Handlungszeitpunkt. Nach dem eigentlichen Schluss der Geschichte kommen noch Anmerkungen zu Zauberei und Geistern. Und nach Erwähnung der Trilogie ein kleines Kapitel, von dem ich ausgehe, dass es sich um ein Kapitel des ersten Bandes der Trilogie handelt – die ich leider noch nicht gelesen habe.

 

Doch zum Inhalt. Bartimäus ist ein Dschinn. Ein Wesen, das seinem Meister alle Wünsche erfüllen muss. Sein Herr ist Magier am Hofe König Salomos 959 v. Chr. in Jerusalem. Salomo wiederum, Hüter eines Ringes, der ihm unendliche Macht und Reichtum verleiht, scheint sich alle umliegenden Königreiche untertan machen zu wollen. Er schreckt nicht davor zurück, den Geist des Ringes heraufzubeschwören, um seine Macht zu erhalten und sein Gefolge gefügig zu halten.

 

Als Salomo das Königreich Saba bedroht, schickt die Königin eine ihrer Wächterinnen nach Jerusalem. Diese soll den König töten und den Ring nach Saba bringen. Asmira, die Wächterin macht sich sofort auf den Weg und trifft dabei auf Bartimäus und seinen Herrn. Mit ihrer Hilfe gelangt sie schneller als erwartet in den Palast Salomos.

 

Doch dort stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Ihr blinder Gehorsam gegenüber ihrer eigenen Königin ist plötzlich infrage gestellt, als sie mit Bartimäus Hilfe in den Besitz des Ringes zu kommen versucht. Ist Salomo ein tyrannischer Machthaber oder gehen hinter seinem Rücken Dinge vor, die er nicht weiß? Herrscht er oder wird er beherrscht? Sie und der Dschinn müssen einige Schwierigkeiten meistern und um ihr Leben kämpfen.

 

Meine Meinung

 

Ich würde das Buch in die Kategorie All-Age (zumindest ab 14 aufwärts) einsortieren und wurde von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten. Stroud hat mich in eine fantastische Welt aus Zauberern, Kobolden, Dämonen und Menschen eintauchen lassen. Der Schauplatz ist größtenteils im antiken Jerusalem, wobei Zeit und Ort vermutlich auch hätten beliebig ausgetauscht werden können, denn es ist gewissermaßen eine ganz eigene Welt, in die man sich beim Lesen begibt. Am Ende kommt wie gesagt vermutlich der Auftakt der Trilogie. Jedenfalls landet der Dschinn in der modernen Zeit bei einem Jungen in London.

 

Doch soweit ist es anfangs noch nicht. Bösartige und gewalttätige Dschinns werden beschrieben, die immer bereit sind auf ihren Herrn zu stürzen und diesen zu töten, sobald dieser die kleinste Schwäche zeigt. Und ihre Sehnsucht nach Freiheit, die genau genommen nie erfüllt wird, denn jeder der ihren Namen kennt, kann sie heraufbeschwören und sie müssen ihm bedingungslos gehorchen oder werden bestraft. Bartimäus ist ein bereits uralter Dschinn, sarkastisch und humorvoll und trotz seiner Hinweise auf seinen Appetit kommt er liebenswert herüber. Er glaubt an das Gute im Menschen, als er auf Asmira trifft, und wird gewissermaßen belohnt. Sie schafft es nicht nur, den Bann, der ihn an seinen bisherigen Herrn bindet, zu brechen (an der Stelle habe ich mich köstlich amüsiert, wer die Gelegenheit hat einen Blick auf die Seiten 276-280 zu werfen, weiß vielleicht warum). Sie verspricht ihm auch die Freiheit, sobald er ihr geholfen hat, den Ring zu bekommen. Asmira wiederum würde alles für ihre Königin tun, sogar ihr eigenes Leben opfern. Blind gehorcht sie jedem Befehl, bis sie zu begreifen beginnt, dass Gehorsam vielleicht nicht alles ist und es zwischen Schwarz und Weiß viele Grautöne gibt.

 

Stroud lässt zum einen Bartimäus selbst zu Wort kommen, zum anderen wird die Geschichte von einem Beobachter erzählt. Was mich anfangs etwas störte, waren die Fußnoten, die keiner eigentlichen Erklärung dienen, sondern genau genommen teilweise recht biestig-eloquente Gedanken des Dschinns sind. Doch das war wie gesagt nur anfangs, was vielleicht wiederum am äußerst lebendigen Stil und modernen Sprachgebrauch des Autors liegen könnte. Damit führt er einen leicht verständlich in die Handlung ein, wobei er gleichzeitig von Anfang an Spannung aufbaut. Seine Ideen sind durchdacht, nichts wirkt langatmig. Die Beschreibung seiner Figuren, wie auch ihrer Erlebnisse ist detailliert.

 

Fazit

 

Das Buch hat eindeutig nicht nur für Jugendliche Unterhaltungswert. Mich hat es auf die bereits 2006/2007/2008 erschienene Trilogie mehr als neugierig gemacht. Auf einer Skala von 1 – 5 bekommt „Bartimäus – Der Ring des Salomo“ die volle Punktzahl, weil einfach alles stimmt.

 

Copyright © 2010 Antje Jürgens

21. Oktober 2010

Morris, Sally Ann: Geister küsst man nicht

Filed under: Fantasy, Horror, SciFi,Roman — Ati @ 10:37

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Geister küsst man nicht

von Sally Ann Morris

 

Titel der englischen Originalausgabe „Trick or Treat“

Rowohlt Verlag

ISBN 978-3-499-25518-2

Roman

Deutsche Erstausgabe 2010

aus dem englischen von Sabine Maier-Längsfeld

Umschlaggestaltung any.way Hannah Krause

Taschenbuch, 352 Seiten

€ 8,95 [D]

 

www.rororo.de

 

 

Zur Autorin:

 

Auszug aus der Verlagsseite: Sally Anne Morris lehrte über zehn Jahre Psychologie, bevor sie mit dem Schreiben begann. Ihr Studium finanzierte sie mit Hilfsarbeiten als Kurierfahrerin, Erntehelferin und Kellnerin. Früher mochte sie laute Musik, Motorräder und Mode aus den 50ern. Heute lebt sie mit einem ehemaligen Rockmusiker und ihren zwei Kindern in London. Die Vorliebe für Kleider aus den 50ern ist geblieben. (Weitere infos unter www.sallyannemorris.com)

 

Zum Buch/Meine Meinung:

 

Die Inhaltsangabe gibt schon mal gut wieder, worum es in dem Buch geht.  Wenngleich man Lucy nicht unbedingt unterstellen kann, ein Liebesleben zu haben. Es sei denn, man zählt einen gut aussehenden Arbeitskollegen dazu, der sich lediglich aufgrund einer Wette mit ihr einlässt. Was sie aber hat, ist ein SBF (schwuler bester Freund, in den sie quasi verliebt ist) und eine leicht durchgeknallte aber schöne und erfolgreiche beste Freundin, die schon mal die Rechnung für das Dreigespann übernimmt, wenn die anderen beiden wieder einmal pleite sind. Alle drei sind Singles, mehr oder weniger glücklich darüber, um die Dreißig und damit am Scheideweg. Das Ganze spielt in England, wobei der Schauplatz der Geschichte sich auch überall auf der Welt befinden könnte. Lucys Mutter ist eine reichlich durchgeknallte Esoterikerin, mit der Lucy eigentlich so gar nichts am Hut hat. Sie selbst ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen und sehnt sich nach einem normalen Leben mit gesichertem Einkommen und einem Mann an ihrer Seite. Also eins der Bücher, die es schon zuhauf gibt.

 

Spaß hat die Lektüre trotzdem gemacht. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, leicht und spritzig. Es gab Passagen, bei denen ich reichlich verwirrte Blicke aus meiner mehr oder weniger unmittelbaren Umgebung geerntet habe, weil ich angesichts dessen, was ich gerade gelesen hatte, einfach loskichern musste. Mit „Geister küsst man nicht“ hat man definitiv ein Buch zum Entspannen in der Hand. Wobei ich anmerken muss, dass nicht alles so spritzig leicht rüberkommt, wie die Inhaltsangabe es andeutet. Dies trifft auf den ersten Teil des Buches zu, als Lucy und Jonathan aufeinander aufmerksam werden und er sich, wie Falschgeld, in ihr Leben drängt. Der Wechsel in den nicht so unbeschwerten Teil geht recht sprunghaft und ist auch nur kurz, bevor alles wieder in einer entspannenden Leichtigkeit endet.

 

Nach dem überraschenden Auftauchen des Geistes kann Lucy ihre Freunde ebenso wenig wie sich selbst davon überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht und ihre Psyche ihr wegen Dauerbelastung lediglich einen unschönen Streich spielt. Spätestens als Gegenstände durch ihre Wohnung fliegen, karren Jojo und Nigel die mittlerweile recht verzweifelte Lucy zu ihrer Mutter, weil sie sich am ehesten Rat von dieser erhoffen. Die bringt allerdings nur insofern etwas Licht ins Dunkel, als sie Lucy von einem Ritual erzählt, dass anlässlich ihrer Geburt für sie abgehalten wurde und in dem sie quasi für eine besondere Gabe gesegnet wurde. Lucy sieht nicht nur im Erwachsenenalter Geister. Sie hatte schon in ihrer Kindheit einen unsichtbaren Freund, tat ihn allerdings ab einem gewissen Alter als Fantasiegestalt ab. Jetzt scheint ihre Gabe wieder hervorzubrechen. Der frisch verstorbene Geist Jonathan will eigentlich nur eines von ihr, dass sie seiner trauernden Verlobten eine Nachricht überbringt. Doch das ist gar nicht so einfach. Erstens, weil Lucy und Jonathan sich erst einmal aneinander gewöhnen müssen. Zweitens, weil Jonathans Kräfte schwinden, je öfter er sich ihr zeigt. Doch das erfahren die beiden erst nach und nach.

 

Und während Lucy noch versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und nach Möglichkeiten strebt, ihre „Gabe“ zu nutzen, bekommt sie nicht mit, wie sich das Leben ihrer Freunde drastisch zu verändern beginnt. Im Laufe der Geschichte kommt Lucy mit einer Gesellschaft in Verbindung, die sich der „Erforschung anormaler Phänomene“ verschrieben hat. Da kommt dann ein leichter Gruseltouch hinzu, denn die Mitglieder der Gesellschaft beschwören mit Lucy etwas herauf, das nicht ganz so nett wie Jonathan ist und ihr Leben in Gefahr bringt. Jonathan wiederum organisiert Leidensgenossen aus seiner neuen Welt, die Lucy helfend zur Seite eilen und plötzlich hat sie nicht nur einen Geist, sondern gleich sieben an ihrer Seite und für alle soll sie Botschaften überbringen. Eine Aufgabe, die sich stellenweise sehr leicht und stellenweise fast unmöglich zu gestalten scheint. Simon, eines der Mitglieder der Gesellschaft, unterstützt sie bei ihrer Aufgabe. Lucy und er kommen sich dabei näher und gerade, als sich herauszukristallisieren beginnt, dass Lucy vielleicht doch ein Liebesleben hat, erfährt sie etwas über ihn, das ihr den Boden unter den Füßen wegzieht. Fast zeitgleich bekommt sie von den Nöten ihrer Freunde etwas mit und die bis dahin wohl wichtigste Bezugsperson in ihrem Leben stirbt. Reichlich viel Aufregung also, über die sie ihren Hauptgeist Jonathan fast vergisst.

 

Fazit:

 

Man könnte sagen, „Geister küsst man nicht“ ist ein bisschen Ghostwisperer auf englisch. Wobei Lucys Geister weder halb zerfallen durch die Gegend laufen noch mit Schockeffekten auf sich aufmerksam machen müssen. Vielmehr stellen sie sich schön in Reih und Glied, wie man es vom typischen Engländer eben zu erwarten scheint. Der Teil, in dem Lucy ihre Geister bzw. Aufgaben nach und nach abarbeitet, hat genau genommen gut zur gesamten Geschichte gepasst und hätte vermutlich dennoch nicht wirklich gefehlt, wäre er beiseitegelassen worden. Deshalb gibt es auf einer Werteskala (von 1 bis 5) nicht die volle Punktzahl. Stattdessen würde ich, weil der Roman sehr kurzweilig war, 4 Punkte vergeben.

 

Für die freundliche Überlassung des Rezensionsexemplares möchte ich mich beim Rowohlt Taschenbuch Verlag herzlich bedanken.

 

Copyright © 2010 Antje Jürgens (AJ)

Weitzel & Sailer – Gute Frage, nächste Frage

Filed under: Fach- & Sachbuch,Jugendbuch,Wissen — Ati @ 10:34

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Gute Frage, nächste Frage – Willi gibt schlaue Antworten auf clevere Fragen

Von und mit Willi Weitzel und Florian Sailer

 

Ullstein Taschenbuch

ISBN: 978-3-548-37351-5

Genre: Sachbuch, Kinder, Wissen

Umschlaggestaltung HildenDesign, München

Originalausgabe 2010

Paperback, 267 Seiten

€ 7,95 [D]

 

www.ullstein-taschenbuch.de

 

Zum Autorenteam

 

Das Duo Weitzel/Sailer hat bereits bei dem Film „Willi und die Wunder dieser Welt“ zusammengearbeitet. Wer den Film kennt, kann nachvollziehen, warum auch das gleich im Anschluss besprochene Buch lesens- und empfehlenswert ist.

 

Willi Weitzel wurde 1972 in Stadtallendorf geboren und begann nach seinem Studium für den Bayrischen Rundfunk als Kinderreporter tätig zu werden. Die Sendung „Willi wills wissen“, ausgestrahlt in der ARD, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und für seinen Film „Willi und die Welt der Wunder“, der 2009 in die Kinos kam, erhielt er den Adolf-Grimme-Preis (siehe auch www.williweitzel.com).

 

Der Autor und Journalist Florian Sailer lebt in München. Er ist Mitarbeiter der Redaktion „Willi wills wissen“ und arbeitete auch, wie bereits erwähnt, an dem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Kinofilm mit.

 

Zum Buch/Meine Meinung

 

Wer mit Kindern zu tun hat, weiß, dass die allermeisten ein schier unerschöpfliches Fragenpotenzial haben. Ihr Wissensdurst, gepaart mit einer noch gesunden Neugier, geht viel weiter als der von Erwachsenen und hat mich schon manches Mal hart schlucken lassen und das Bedürfnis geweckt, schnell noch mal die Schulbank zu drücken. Denn mit einer schnellen Antwort ist es meistens nicht getan. Kinder denken unkompliziert und stellen unkomplizierte, aber sehr gute und kluge Fragen. Jedenfalls so lange, bis sie es sich abgewöhnen, weil sie eventuell öfter die Antwort „das ist aber eine dumme Frage“ bekommen, als dass ihr Wissensdurst gestillt wird. Und das dann nicht, weil es eine dumme Frage ist (die gibt es ja bekanntlich nicht), sondern weil viele einfach die Antwort nicht kennen.

 

Viele Fragen kann man selbst gut beantworten, aber wie gesagt nicht alle. Wie gut, dass es Willi gibt. Den Mann, der denkt, das echte Reporter nie ganz erwachsen werden dürfen und auch niemals aufhören dürfen, wissensdurstig zu bleiben. Was sich übrigens meiner Meinung nach für jeden Menschen gehört.

 

Im Buch „Gute Frage, nächste Frage“ kommen Kinder und ihr schier unerschöpflicher Wissensdurst zu Wort. Fragen über ganz Alltägliches, über Tiere, über Menschen. Wissen Sie, warum Giftschlangen sich nicht selbst vergiften? Oder wieso unsere Finger alle unterschiedlich lang sind? Oder haben Sie sich schon mal gefragt, zu welchem Land ein Kind gehört, das in einem fliegenden Flugzeug zur Welt kommt? Warum es in Flugzeugen Schwimmwesten aber keine Fallschirme gibt? Fragen über Fragen und auf alle findet Willi in Zusammenarbeit mit etlichen Experten und seinem Team passende, detaillierte Antworten. Und übersetzt sie so, dass sowohl Erwachsenen als auch Kinder sie verstehen, ohne irritiert nachfragen zu müssen. Auf die typische Art und Weise, wie Willi alles erklärt.

 

Fazit:

 

Gute Frage, nächste Frage ist eins der Bücher, dass ich sehr gerne weiterempfehle. Es eignet sich zum Vorlesen ebenso wie für Kinder, die selbst lesen. Auf einer Werteskala von 1 – 5 möchte ich diesem Buch eine 5+ geben und werde garantiert auch in Zukunft öfter einen Blick hineinwerfen. Vielleicht habe ich ja dann öfter passende Antworten auf kluge Fragen eines Kindes, über die ein Erwachsener gar nicht mehr nachdenkt.

 

Copyright © 2010 Antje Jürgens (AJ)

 

Freise, Charlotte: Die Seelenfotografin

Filed under: Belletristik,Fantasy, Horror, SciFi,Historisch,Roman — Ati @ 10:34

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Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-25512-0
Historischer Roman
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung any.way Sarah Heiß
Taschenbuch, 320 Seiten
€ 8,95 [D]

Verlagsseite

Autorenseite

 

Die bereits unter dem Namen Karla Schmidt tätige Autorin Charlotte Freise wurde 1974 in Göttingen geboren. Sie studierte Kultur-, Theater- und Filmwissenschaften. Im Jahr 2009 erhielt sie den Deutschen Science-Fiction-Preis für die beste Kurzgeschichte. Die Autorin lebt zusammen mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Berlin. Der Umstand, dass im März 2010 bereits ein Psychothriller unter ihrem richtigen Namen Karla Schmidt veröffentlicht wurde, hat die Autorin dazu gebracht, ihren ersten historischen Roman „Die Selenfotografin“ unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. (Weitere Infos unter www.karla-schmidt.de.)

Die Inhaltsangabe verspricht einen Ausflug ins historische Berlin mit einem Hauch Fantasy. Die Zeilen darüber (Ein Mann ohne Vergangenheit. Ein Mädchen ohne Zukunft. Eine Liebe, die nicht sein darf.) klingen gut; sind jedoch nach Lektüre des Buches ein klitzekleiner Widerspruch in sich. Denn natürlich hat der Mann eine Vergangenheit. Und genau genommen hat die Protagonistin auch eine Zukunft; wenngleich die anders aussieht, als man sich das anfangs vorstellt. Was stimmig war und blieb, ist die Liebe, die nicht sein darf.

Denn Isabel ist Teil von Ruvens Vergangenheit, an die er sich jedoch fast den ganzen Roman hindurch nicht erinnert. Seine früheste Erinnerung beginnt im Waisenhaus, in dem er ein zwar ein hilfsbedürftiges, elternloses Kind war, aber eben auch nur ein hungriges Maul, das sich schon früh sein tägliches Brot durch harte Arbeit verdienen musste. Während diverse Mädchen von der Leiterin des Heims als „Modelle“ zum Wanderfotografen Bing geschickt werden, verkauft sie Ruven an ihn, damit er ihm zur Hand geht. Viele Jahre zieht er mit Bing umher und absolviert quasi eine Lehre. Doch er lernt nicht nur die Kunst des Fotografierens. Er sieht viel Gewalt. Bing verachtet Frauen, misshandelt, missbraucht und/oder fotografiert sie – Aktfotografien, die etwas zensiert, als wissenschaftliches Anschauungsmaterial verkauft werden.

Als sich Ruven eine Chance bietet, neu anzufangen, greift er zu. Sprichwörtlich. Er stiehlt seinem Chef eine Fotoausrüstung und folgt dem Ruf eines Arztes, der ihm eine Festanstellung verspricht. Ruven soll fortan, psychisch Kranke vor und nach ihrer Behandlung ablichten. Mit dem ebenfalls gestohlenen Geld mietet er sich ein Zimmer bei der alleinstehenden Elfie und ihrem Sohn. Dieses Zimmer wiederum befindet sich im selben Haus, in dem Isabel wohnt. Sie ist eine der Patientinnen, die Ruven fotografieren soll. Isabel interessiert sich nicht nur fürs Fotografieren, sie ist fasziniert von der Art der Fotos, die Ruven bis dahin angefertigt hat. Denn Peter, der Sohn seiner Zimmerwirtin, ist nicht nur mit Isabel befreundet und bringt sie zu den Behandlungsterminen in die Klinik (wo er auf Ruven trifft und mit zu sich nach Hause nimmt, als er feststellt, dass es ihm nicht gut geht). Er ist ferner in den Wagen von Bing eingebrochen und hat die dabei gestohlenen Fotos teilweise Isabel gezeigt. Und – bei diesem Einbruch wurde er von Ruven ertappt, der sich gerade mit seinem eigenen Diebesgut davonstehlen wollte.

Alles scheint gut zu werden. Zwischen Ruven und Elfie bahnen sich zarte Bande an, die Arbeit in der Klinik sichert ihm ein geregeltes Einkommen. Er denkt daran, eine Familie zu gründen. Doch eine ihm unerklärliche Faszination für Isabel, die er nur wenige Male gesehen hat, hindert ihn daran, Elfie einen Antrag zu machen. Er überlegt, die ihm zunehmend an die Nieren gehende Arbeit in der Klinik aufzugeben und ein eigenes Fotoatelier zu eröffnen. Letztlich verdankt er das Atelier Isabel, die ihm nicht nur eine von ihr entwickelte Formel für ein neues, revolutionäres Verfahren übergibt, sondern auch an der Erfindung der Seelenplatte arbeitet, von der sie ihn ebenfalls zu überzeugen versucht.

Die Charaktere sind klar gezeichnet. Ruven – ein junger Mann, will weiterkommen, das Elend und die Gewalt hinter sich lassen, und begeht dafür sogar eine Straftat; und wird schneller von seiner Vergangenheit eingeholt, als ihm lieb ist. Peter – ein Teenager, der aufgrund der Armut keine Kindheit und Jugend hat, sich aber immer irgendwie durchmogelt. Seine Mutter Elfie – hilfsbereit, aufopferungsvoll, immer fröhlich, höflich, und desillusioniert. Anna – die Tante, die Isabel versorgt, nachdem ihre Familie bei einem Unglück ums Leben kam, alt und krank. Isabel – ein junges Mädchen, wissbegierig, gebildet, vertrauensvoll unschuldig und berechnend manipulativ, verzweifelt und doch lebenslustig. Der Arzt – pflichtbewusst, fortschrittlich …

Doch wie weit darf dieser Fortschritt gehen? Seine Versuche gereichen Frankenstein zur Ehre. Er experimentiert mit Toten. Was in Ruven den Wunsch weckt, zu kündigen. Der Arzt strebt danach, diese Versuche auch am lebenden Objekt zu probieren. Als Isabel erfährt, wie Ruvens und ihre Vergangenheit zusammenhängen, erleidet sie einen Zusammenbruch und wird zum geeigneten Versuchsobjekt für den Arzt. Und die Seelenplatte zum einzigen Versuch, Isabel zu retten.

Die Autorin hat durch Wortwahl und Schreibstil eine Kulisse für die Geschichte geschaffen, die den Leser wie einen Voyeur auf die damalige Zeit blicken lässt. Er sieht die unschönen Seiten eines Daseins in Not und Elend. Bis auf wenige Ausnahmen scheint nichts dieses Leben dort wirklich lebenswert zu machen. Und doch gibt es sie. Gestohlene Momente des Glücks, die Hoffnung und so etwas wie Zufriedenheit in den Charakteren der Geschichte wecken.

Die Grundidee ist gut und die gesamte Geschichte an sich ist nicht ohne Spannung. Ob die Story allerdings wirklich packend ist, steht auf einem anderen Blatt. Zum einen sind die Charaktere zwar klar, aber etwas flach gezeichnet. Zum anderen schrammt man aber größtenteils an Erpressung, sexuellem Missbrauch, medizinischem Wahnsinn oder auch dem tagtäglichen Kampf ums Überleben genauso vorbei wie an der eigentlichen Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten. Man blickt neugierig darauf, taucht aber nicht richtig ein. Die Geschichte liest sich zwar flüssig, aber nicht reißend. Außerdem – das Buch ist in vier Teile gegliedert – erscheint der letzte Teil schneller und flüchtiger erzählt.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Wie gesagt, die Idee ist gut. Die Beschreibung der damaligen Lebensumstände oder etwa der Behandlungen auch – größtenteils eine bloße Draufsicht, aber das stört nicht völlig. Ich empfand das sogar fast detaillierter beschrieben als das, was in der Inhaltsangabe angekündigt war. Mir persönlich fehlte der tiefere Einblick in die eigentliche Liebesgeschichte. Und auch mehr zu der Seelenplatte an sich und den damit verbundenen Aspekten. Allerdings: Das Ende ist mehr oder weniger offen. Vielleicht gibt es ja irgendwann einen zweiten Teil, in dem ich dann auf meine Kosten komme. Auf einer Werteskala (von 1 – 5) würde ich deshalb 3,75 Punkte für „Die Seelenfotografin“ Isabel vergeben; die übrigens eigentlich gar nicht selbst fotografiert. Mir persönlich hätte der ursprünglich angedachte Titel „Isabels Schöpfung“ besser gefallen.

Für die freundliche Überlassung des Rezensionsexemplares möchte ich mich beim Rowohlt Taschenbuch Verlag herzlich bedanken.

Copyright © 2010 Antje Jürgens (AJ)

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