Die Leselustige Ati's Rezi-Seite – Buchbesprechungen, Ankündigungen, etc.

24. Oktober 2010

Steinwachs, Nadja: That’s life! … eigentlich, natürlich und na toll!

Filed under: Roman — Ati @ 13:25

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Medu-Verlag
ISBN 9783941955103

Erfahrungen
Originalausgabe 2010

Umschlaggestaltung Daniela Tannebaum (Verlag)

Taschenbuch 248 Seiten

€ 12,95 [D]

 

www.medu-verlag.de

Neben der Vorliebe für Fotografie, Kunst, Musik, Tanz, Tiere und Reisen schreibt die 1981 in Herborn geborene Autorin Nadja Steinwachs gerne. Sie arbeitet als Heilpraktikerassistentin und Seminarleiterin für autogenes Training und hat vor ihrem ersten Roman „That’s Life!“ bereits ein Kinderbuch mit dem Titel „Pino, der kleine Pingpongball geht auf Reisen“ verfasst.

Zitat der Inhaltsangabe

Emotional und provokant erzählt die Psychologiestudentin Emely Morgenstern von ihrem ganz alltäglichen Wahnsinn: Sie schreibt Gedanken- statt Tagebücher, rettet Würmer von der Straße und verkauft zu enge Jeans an zu dicke Mädchen. Sie philosophiert über das Leben und den unvermeidlichen Tod, lässt sich über den Superstarwahn und das Privatfernsehen aus, arbeitet mal als Altenpflegerin und mal im Immobiliengeschäft.

Offen und ehrlich veranschaulicht sie, dass das Leben zwar Partys bietet, nicht aber als Party verstanden werden sollte. In ihren kurzweiligen Geschichten aus der Welt des Alltäglichen kombiniert sie Spiel und Spaß mit der Ernsthaftigkeit des Lebens und stellt überraschend fest, dass letztlich beides möglich ist.

Eigentlich gibt es nicht viel mehr dazu zu schreiben, denn genau genommen gibt diese Inhaltsangabe sehr gut wieder, was man zu lesen bekommt.

Ich habe mich also ans Lesen gemacht und tauchte in Steinwachs Gedankenwelt ein. Wobei …? Das Buch ist in Ich-Form geschrieben, was zum Gedankenbuch passen würde, aber gleichzeitig als Roman deklariert. Die Protagonistin nennt sich Emely Morgenstern. Was davon Wirklichkeit oder Fiktion ist, zu Emely oder doch vielleicht Nadja gehört, scheint bisweilen fraglich, da das eine oder andere Puzzleteilchen aus dem Lebenslauf der Autorin doch dem der Protagonistin gleicht.

Zuerst erfährt der Leser, dass Emely Tagebücher nicht mag und lieber Gedankenbücher schreibt, genau wie in der Inhaltsangabe beschrieben. Und es stimmt. Seite für Seite findet man Gedanken, die sich mühelos aneinanderreihen und gleichzeitig kunstvoll ineinander verschlingen. Querbeet durch alle Themenbereiche lässt die Autorin ihre Leser spritzig, humorvoll, stellenweise biestig und leicht provokant an dem teilnehmen, was ihr so durch den Kopf spukt. Die Seiten blättern sich fast von alleine um und man fragt sich, wann das nächste Kapitel anfängt, dabei hat man längst begonnen, es zu lesen.

Die Leser erfahren von der überaus lebhaften Fantasie Emelys, die den kleinen Vampir als beruhigend empfindet, den kleinen Prinzen jedoch nicht so recht versteht. Dass sie vehemente Tierschützerin ist, die sich nicht nur darauf beschränkt, Regenwürmer von der Straße zu retten, sondern auch in einer Nacht und Nebelaktion Hasen aus ihrem Gefängnis befreit. Auch verkrachte Existenzen werden bei ihr nicht einfach in Grund und Boden verdammt. Leser erhaschen einen Blick auf eine etwas chaotische, aber gläubige junge Frau mit Prinzipien.

Ihr Rundumschlag gegen Integrationsverweigerung, Fleischesser, Sozialsystemschmarotzer (sie bezieht sich wirklich nur auf die Schmarotzer und nicht auf diejenigen, die wirklich hilfsbedürftig sind), vernachlässigte Kinder, etc. könnte den einen oder anderen Standup-Comedian vermutlich vor Neid erblassen lassen.

Allerdings kommt irgendwo zwischendrin ein Bruch. Das Buch verliert den Gedankenbuchcharakter und wird eigentlich das, was Emely gar nicht mag. Eine Art Tagebuch, in dem Reiseerfahrungen (okay, das war schon im Anfangsteil so, doch da wirkte diese Erfahrung einfach anders) genauso verarbeitet werden wie zerbrochene Beziehungen; der Tod ihr nahestehender Menschen genauso wie Drogen und der eine oder andere Blick in die mehr oder weniger legale Welt in ihrer unmittelbaren Umgebung. Außerdem scheint Emely immer dann krank zu werden, wenn sie im Urlaub ist und dabei nicht unbedingt die besten Erfahrungen zu machen. Der Leser entdeckt eine Emely, die trotz aller Vorwürfe gegen eine mehr oder wenige bigotte Gesellschaft selbst die Tendenz dazu aufweist.

Beispiel: Sie wird Vegetarierin, weil sie die Qual der Tiere nicht erträgt. Fische, die nach ihrem eigenen Dafürhalten ebenfalls Qual empfinden, wenn sie im industriell anmutenden Fischfang qualvoll eingequetscht langsam ersticken, landen jedoch auf ihrem Teller. Oder: Sie ist gegen Drogen, trinkt aber gern und öfter einen über den Durst und ist auch nicht abgeneigt, Joints zu rauchen. Oder: Sie hilft zwar Obdachlosen, ist aber völlig gegen Zigeuner eingestellt, weil die einfach alle klauen. Sie ist gegen Wildfang exotischer Tiere, muss aber selbst anscheinend den einen oder anderen Exoten unbedingt haben, um ihn später mit schlechtem Gewissen in einem Zoo oder einer Auffangstation abliefern zu müssen, weil sie keine artgerechte Haltung bieten kann.

Außerdem spricht Emely neben ihren Jobs von einem Psychologiestudium und Patienten, wirkt gleichzeitig aber auch wie jemand, der die eine oder andere Therapiestunde nötig hätte. Das macht einerseits menschlich, andererseits fällt es überdeutlich auf. Vielleicht weil ich nach dem Auftakt etwas anderes erwartet hatte, auch wenn von vornherein klar war, dass in dem anfänglich lockeren Stil nicht das Buch mit der Seitenzahl zustande gekommen wäre, das ich eben in Händen hielt. Die Kapitel scheinen übrigens chronologisch wild durcheinander zu springen. Manchmal kam es mir auch so vor, als ob sie in größerem zeitlichen Abstand verfasst worden wären.

Das Buch wird dadurch nicht schlecht. Innerhalb kurzer Zeit war es ausgelesen. Die entsprechenden Kapitel zogen sich etwas, waren aber immer noch in einem flüssigen, lebendigen Stil geschrieben. Und was im ersten Teil an spritziger Leichtigkeit im Standup-Comedian Stil herausragte, machte andererseits der zweite Teil durch eine überraschende … (Tiefe ist das falsche Wort) Ernsthaftigkeit (ist auch nicht richtig, aber kommt wenigstens andeutungsweise heran) wett. Allerdings: Wenn es hart zu werden droht, wendet Emely sich bisweilen ab, zieht sich zurück. Ein Schutzmechanismus, klar, der die innere Zerrissenheit der Figur noch mehr hervorhebt und damit gleichzeitig die Leichtigkeit im ersten Teil Lügen straft. Dieser Rückzug geschieht allerdings irgendwie oberflächlich. Emely denkt nicht weiter über das Erlebte nach bzw. lässt Leser in ihrem Gedankenbuch nicht wirklich daran teilhaben. Sie erzählt einfach davon und wirft die Tür zu nach dem Motto „muss ich nicht haben“. Was wiederum die Ernsthaftigkeit zumindest in Teilen aushebelt. Vielleicht wäre es besser gewesen, alles unabhängig voneinander herauszubringen? Ich weiß es ehrlich gesagt noch immer nicht, egal wie oft ich das Buch zur Hand nehme, um einzelne Passagen nachzulesen. 

Übrigens: Der Untertitel des Buches „… eigentlich, natürlich und na toll!“ wurde mir beim Schreiben gerade erst so richtig bewusst. Eigentlich ist Emely eine hilfsbereite junge Frau, wahrheitsliebend, mit Prinzipien und moralischen Grundsätzen, stark und neugierig aufs Leben – zumindest auf den ersten Blick. Aber natürlich hat sie ihre Fehler und Schwächen. Na toll! Damit ist sie ja auch nicht besser als wir alle.

Fazit: Ein Buch zum Entspannen, das aber auch Denkanstöße vermitteln kann. Und der Titel trifft es wirklich. Manchem Leser könnte das Buch auch als Spiegel dienen.

 

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

23. Oktober 2010

Dickerhoff/Lox: Märchen für die Seele – Märchen zum Erzählen und Vorlesen

Filed under: Jugendbuch,Märchen — Ati @ 12:45

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Königsfurt-Urania Verlag GmbH
ISBN 978-3-86826-017-5
Märchen
Sonderausgabe 2010
Umschlaggestaltung Jessica Quistorff
Hardcover, 480 Seiten
€ 12,90 [D]

www.koenigsfurt-urania.com

Die 1963 geborene Harlinda Lox ist Vizepräsidentin der Europäischen Märchengesellschaft, Erzählforscherin, Germanistin, und wissenschaftliche Autorin. In Zusammenarbeit mit dem 10 Jahre älteren Heinrich Dickerhoff, dem Präsidenten der Europäischen Märchengesellschaft, der als Dozent an einer katholischen Akademie und Heimatvolkshochschule tätig ist, entstand der Sonderband „Märchen für die Seele“.

Märchen aus Sibirien, Brasilien, Ungarn, Irland, Deutschland, China – eigentlich aus aller Welt. Es scheint unendlich viele zu geben. Und von den vielen wieder unendlich viele Variationen.

Im vorliegenden Buch findet sich eine Zusammenfassung von insgesamt drei bereits veröffentlichten Märchenbüchern (Traumhaus und Wolkenschloss – 2003 Königsfurt-Urania Verlag; Märchen, an denen mein Herz hängt – 2006 Königsfurt-Urania Verlag; Diebe, Dummlinge, Faulpelze & Co – 2009 Selbstverlag der Europäischen Märchengesellschaft).

Im Vorwort meldet sich nicht nur der Herausgeber zu Wort, sondern auch der Neurobiologe Gerald Hüther, der auf die Bedeutung von Märchen in der Entwicklung von Kindern aufmerksam macht. Hinter jedem Märchen steht ein Kommentar. Im knapp 20 Seiten starken Nachwort wiederum kann man Ausführungen zu den Themen Märchen und Seele nachlesen, bevor das Buch im Quellennachweis ausklingt.

Es ist immer wieder verblüffend, wie ähnlich sich doch viele Geschichten sind. Und wie einnehmend jede wiederum für sich sein kann. So ist mir beispielsweise die in diesem Buch enthaltene Aschenputtelvariante wesentlich lieber als die allseits bekannte; immerhin muss das arme Mädchen in dieser Geschichte nicht erst herausgeputzt auf dem Ball erscheinen, damit der Königssohn sich in sie verliebt.

Gerade in unserer schnelllebigen, oft viel zu oberflächlichen Zeit ist es sinnvoll, unseren Kindern Märchen zu erzählen, um ihnen früh zu vermitteln, innere Werte zu schätzen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Oder dass es sinnvoll ist, ältere Menschen und ihr Wissen zu achten. Das Demut und Dankbarkeit nichts schlechtes sind. Wie wichtig Träume sind. Die leicht verständlichen Märchen in diesem Buch helfen mit Sicherheit dabei.

Besonders gefallen hat mir auch die Verknüpfung des Vorworts/Nachworts mit den Kommentaren und den Märchen. Mit „Märchen für die Seele“ hat man deshalb kein reines Vorlesebuch in Händen.

Fazit: Ich bin bekennender Märchenfan und trotzdem von vielen Büchern mit Volksmärchen enttäuscht. Das liegt nicht daran, dass sich viele Märchen ähneln, sondern in den meisten Fällen vielmehr an der Art der Zusammenstellung. Die ist in „Märchen für die Seele“ gelungen, weshalb ich das Buch mit 5 von 5 Punkten bewerten möchte. Immer wieder schön zum Vor- aber auch Nachlesen.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

Marklund, Liza (Hg.): Mörderische Weihnachten

Filed under: Krimi/Thriller,Roman — Ati @ 11:11

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List Taschenbuch
ISBN 978-3-548-61015-3
Erzählungen
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung bürosüd° GmbH, München
Taschenbuch, 256 Seiten
€ 8,95 [D]

www.list-taschenbuch.de 

Für die Sammlung dieser Erzählungen haben sich verschiedene skandinavische Autoren zusammengeschlossen. Neben Liza Marklund arbeiteten Arne Dahl, Torbjörn Flygt, Åke Edwardson, Kjell Eriksson, Helene Tursten, Johanna Nilsson, Leif Davidsen, K. Arne Blom und Inger Frimansson an der Verwirklichung des Buches mit.

Neben dem Vorwort von Liza Marklund und dem Quellennachweis erwarten den Leser 11 skandinavische Geschichten, die mit Weihnachten insoweit zu tun haben, als es eben in dieser Zeit geschieht. Wirklich mörderisch sind sie nicht alle. Unterhaltsam jedoch schon. Einige wurden bereits in Skandinavien veröffentlicht.

Marklund – „Silvesternacht“ aus dem schwedischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt. Originaltitel „Näst sista dagegen på året.

Dahl – „Die fliegende Mumie“ aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein. Originaltitel „Mumien flyger“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Flygt – „Vor der Pause“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey, Originaltitel „Före paus“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Edwardson – „Als der Schnee fiel“ aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch, Originaltitel „När snön föll“  (Buch: „Mord under julgranen“).

Eriksson – „Weihnachtsüberraschung“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Originaltitel „Julstök“ (Buch: „Mord i juletid“).

Tursten – „Mittwintermord“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger, Originaltitel „Kallt Mord“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“).

Nilsson – „Würdest du für mich sterben?“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey, Originaltitel „Vill du dö för mig?“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Davidsen – „Eine Weihnachtskarte aus der Vergangenheit“ Aus dem Dänischen von Gabriele Haefs.

Blom – „Engel im Schnee“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Originaltitel „Snöängel“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“).

Frimansson – „Das Rote“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger und Holger Wolandt, Originaltitel: „Det röda“ (Buch: „Mord under julgranen“).

Marklund – „Der Holzdieb“ aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann.

Gleich im Vorwort, geht Marklund auf Weihnachten und die damit verbundenen Traditionen ein, auf die Erwartungen und zwangsläufig folgenden Enttäuschungen. Darauf, dass sie am liebsten in sonnige Gefilde oder eben einfach von daheim weg dem ganzen Trubel entflieht. Überaus nachvollziehbar, zumindest so, wie sie alles schildert.

Danach fängt der Lesegenuss langsam an, es dauert etwas, bis die erste Leiche auftaucht. Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen, sie können querbeet oder nacheinander gelesen werden. Da löst eine Kommissarin einen Fall, bei dem auffällig viele Kinder plötzlich Verletzungen aufweisen. In einer anderen Geschichte kommt jemand in arge Bedrängnis, weil aus einem ihm überlassenen Sack Blut tropft. Ungewöhnlich starke Schneefälle pferchen ein streitendes Geschwisterpaar zusammen. Ein Holzdieb lässt einen alten Mann quasi Amok laufen. Nicht immer kommen Tote in den Geschichten vor, aber wenn sie fehlen, fehlen sie gar nicht wirklich. Wenn sie dann doch auftauchen, könnte man fast erschrecken, da man nicht mehr mit ihnen gerechnet hat.

Fazit:  Wer Skandinavienkrimis mag, kommt mit diesem Buch nicht zu kurz und hält kurzweilige Unterhaltung in Händen.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

Stroud, Jonathan: Bartimäus – Der Ring des Salomo

Filed under: Abenteuer,Fantasy, Horror, SciFi,Jugendbuch,Roman — Ati @ 09:49

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Bartimäus – Der Ring des Salomo

von Jonathan Stroud

 

Titel der englischen Originalausgabe: Bartimaeus – The Ring of Solomo

cbj, München

ISBN 978-3-570-13967-7

Fantasy, Jugendbuch

1. Auflage 2010

aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung

Umschlaggestaltung Klaus Renner

Hardcover, 480 Seiten

€ 18,99 [D]

www.cbj-verlag.de

www.jonathanstroud.com

 

Zum Autor

 

Der in Bedford/England geborene und bei London lebende Jonathan Stroud schreibt bereits seit 33 Jahren Geschichten, hat also seine Vorliebe dafür bereits mit sieben Jahren entdeckt. Nachdem er Jahre später zunächst als Lektor für Kindersachbücher tätig war, beschloss er nicht nur seine eigenen Kinderbücher zu veröffentlichen. Er wollte sich auch fortan ganz dem Schreiben widmen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Zum Buch

 

„Bartimäus – Der Ring des Salomo“ ist eigentlich die Entstehungsgeschichte zu den bereits veröffentlichten Bänden der Bartimäus-Trilogie. Ein in sich abgeschlossenes Buch, in dem es um einen gewitzten, stets zu Streichen aufgelegten Dschinn geht, der immer wieder wider Willen von Magiern heraufbeschworen wird. Man kann es völlig unabhängig von der Trilogie lesen.

 

Gleich zu Beginn folgt eine Liste der Hauptpersonen, eine Karte mit den Ländern Israel, Saba und deren Umgebung zum Handlungszeitpunkt. Nach dem eigentlichen Schluss der Geschichte kommen noch Anmerkungen zu Zauberei und Geistern. Und nach Erwähnung der Trilogie ein kleines Kapitel, von dem ich ausgehe, dass es sich um ein Kapitel des ersten Bandes der Trilogie handelt – die ich leider noch nicht gelesen habe.

 

Doch zum Inhalt. Bartimäus ist ein Dschinn. Ein Wesen, das seinem Meister alle Wünsche erfüllen muss. Sein Herr ist Magier am Hofe König Salomos 959 v. Chr. in Jerusalem. Salomo wiederum, Hüter eines Ringes, der ihm unendliche Macht und Reichtum verleiht, scheint sich alle umliegenden Königreiche untertan machen zu wollen. Er schreckt nicht davor zurück, den Geist des Ringes heraufzubeschwören, um seine Macht zu erhalten und sein Gefolge gefügig zu halten.

 

Als Salomo das Königreich Saba bedroht, schickt die Königin eine ihrer Wächterinnen nach Jerusalem. Diese soll den König töten und den Ring nach Saba bringen. Asmira, die Wächterin macht sich sofort auf den Weg und trifft dabei auf Bartimäus und seinen Herrn. Mit ihrer Hilfe gelangt sie schneller als erwartet in den Palast Salomos.

 

Doch dort stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Ihr blinder Gehorsam gegenüber ihrer eigenen Königin ist plötzlich infrage gestellt, als sie mit Bartimäus Hilfe in den Besitz des Ringes zu kommen versucht. Ist Salomo ein tyrannischer Machthaber oder gehen hinter seinem Rücken Dinge vor, die er nicht weiß? Herrscht er oder wird er beherrscht? Sie und der Dschinn müssen einige Schwierigkeiten meistern und um ihr Leben kämpfen.

 

Meine Meinung

 

Ich würde das Buch in die Kategorie All-Age (zumindest ab 14 aufwärts) einsortieren und wurde von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten. Stroud hat mich in eine fantastische Welt aus Zauberern, Kobolden, Dämonen und Menschen eintauchen lassen. Der Schauplatz ist größtenteils im antiken Jerusalem, wobei Zeit und Ort vermutlich auch hätten beliebig ausgetauscht werden können, denn es ist gewissermaßen eine ganz eigene Welt, in die man sich beim Lesen begibt. Am Ende kommt wie gesagt vermutlich der Auftakt der Trilogie. Jedenfalls landet der Dschinn in der modernen Zeit bei einem Jungen in London.

 

Doch soweit ist es anfangs noch nicht. Bösartige und gewalttätige Dschinns werden beschrieben, die immer bereit sind auf ihren Herrn zu stürzen und diesen zu töten, sobald dieser die kleinste Schwäche zeigt. Und ihre Sehnsucht nach Freiheit, die genau genommen nie erfüllt wird, denn jeder der ihren Namen kennt, kann sie heraufbeschwören und sie müssen ihm bedingungslos gehorchen oder werden bestraft. Bartimäus ist ein bereits uralter Dschinn, sarkastisch und humorvoll und trotz seiner Hinweise auf seinen Appetit kommt er liebenswert herüber. Er glaubt an das Gute im Menschen, als er auf Asmira trifft, und wird gewissermaßen belohnt. Sie schafft es nicht nur, den Bann, der ihn an seinen bisherigen Herrn bindet, zu brechen (an der Stelle habe ich mich köstlich amüsiert, wer die Gelegenheit hat einen Blick auf die Seiten 276-280 zu werfen, weiß vielleicht warum). Sie verspricht ihm auch die Freiheit, sobald er ihr geholfen hat, den Ring zu bekommen. Asmira wiederum würde alles für ihre Königin tun, sogar ihr eigenes Leben opfern. Blind gehorcht sie jedem Befehl, bis sie zu begreifen beginnt, dass Gehorsam vielleicht nicht alles ist und es zwischen Schwarz und Weiß viele Grautöne gibt.

 

Stroud lässt zum einen Bartimäus selbst zu Wort kommen, zum anderen wird die Geschichte von einem Beobachter erzählt. Was mich anfangs etwas störte, waren die Fußnoten, die keiner eigentlichen Erklärung dienen, sondern genau genommen teilweise recht biestig-eloquente Gedanken des Dschinns sind. Doch das war wie gesagt nur anfangs, was vielleicht wiederum am äußerst lebendigen Stil und modernen Sprachgebrauch des Autors liegen könnte. Damit führt er einen leicht verständlich in die Handlung ein, wobei er gleichzeitig von Anfang an Spannung aufbaut. Seine Ideen sind durchdacht, nichts wirkt langatmig. Die Beschreibung seiner Figuren, wie auch ihrer Erlebnisse ist detailliert.

 

Fazit

 

Das Buch hat eindeutig nicht nur für Jugendliche Unterhaltungswert. Mich hat es auf die bereits 2006/2007/2008 erschienene Trilogie mehr als neugierig gemacht. Auf einer Skala von 1 – 5 bekommt „Bartimäus – Der Ring des Salomo“ die volle Punktzahl, weil einfach alles stimmt.

 

Copyright © 2010 Antje Jürgens

22. Oktober 2010

Walden, Veronika: Aufschrei der Seele

Filed under: Erfahrungen/Biografien,Fach- & Sachbuch — Ati @ 16:24

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Veronika Walden

Aufschrei der Seele

 

Medu-Verlag

ISBN 978-3-941955-07-3

Erfahrungen

Originalausgabe 2010

Umschlaggestaltung Daniela Tannebaum (Verlag)

Softcover, 169 Seiten

€ 14,95[D]

 

Zum Buch:

 

Über die Autorin vorweg etwas zu sagen ist unnötig, denn das Buch ist nicht nur von ihr, sondern es handelt auch von der 1946 geborenen und im Norden Deutschlands lebenden Veronika Walden. Genauer gesagt ist es ein Rückblick auf 25 Jahre Krankheit. Eine der Krankheiten, über die man gewöhnlich nicht einfach so laut spricht. Ein Erfahrungsbericht über das Funktionieren einer Frau, die neben Wahnvorstellungen und Depressionen Todessehnsucht verspürte und Wege aus ihrer Krankheit gesucht und teilweise gefunden hat.

 

Waldens Leben könnte Anfang der 1980er Jahre – von außen betrachtet – nicht schöner sein. Verheiratet, eine Tochter, ein schönes Zuhause in ihrer Traumwohnung mit nigelnagelneuer Einbauküche. Gut es gab immer mal wieder finanzielle Engpässe, weshalb sie schon kurz nach der Geburt ihrer Tochter Vanessa eine Arbeit suchen musste, um zum Familienunterhalt beizutragen. Dennoch, eigentlich scheint alles perfekt – und bis zu ihrem 35. Geburtstag hätte sie die Frage nach ihrem Befinden so beantwortet: Ich bin zufrieden mit meinem Leben und es geht mir gut. Ich liebe meinen Mann und meine Tochter über alles. Wir sind eine glückliche Familie.

 

Nur drei Jahre später haben sich massive Versagensängste in ihr Leben geschlichen und körperliche Beschwerden wie Schmerzen und Herzrhythmusstörungen oder Magen-Darm-Probleme dazugesellt. Beschwerden, auf die Ärzte ratlos reagieren, denn körperliche Ursachen liegen nicht vor. Lange Zeit versucht sie ihren Zustand nach außen so gut es geht zu verbergen, nicht ahnend, wie viel ihr persönliches Umfeld tatsächlich davon mitbekommt. Als eine Nachbarin in eine Nervenklinik eingewiesen wird bzw. diese ihr hinterher in ihrer Verzweiflung selbst erzählt, dass sie Mordfantasien gegen Walden hegt, ist plötzlich nichts mehr wie zuvor.

 

Abgesehen davon, dass die Ängste sich immer mehr verdichten – seltsamerweise nicht vor der Nachbarin mit den Mordfantasien – will sie selbst bisweilen am liebsten ihren Mann töten. Etwas, was für sie nicht nur unaussprechlich, sondern eigentlich auch unvorstellbar ist, denn Harmonie geht ihr über alles. Sogar über sich selbst.

 

Walden sucht Hilfe und findet sie auf einigen Umwegen bei einer Psychotherapeutin. Zwar muss sie die Behandlung selbst bezahlen, dafür stimmt die Chemie zwischen Patientin und Therapeutin und viele Erinnerungen und Dinge, die für Walden bislang nicht erkennbar waren, brechen sich ihre Bahn. Ihre Schuldgefühle bezüglich des Selbstmordes ihrer Mutter, nach dem sie wie selbstverständlich als gerade 17jährige die Versorgung ihres Vaters übernimmt, bis dieser wieder heiratet. Ihre Rolle als Hausmädchen und Kindermädchen im Haushalt ihrer Schwester aus der sie übergangslos in die Rolle der Ehefrau und Mutter schlüpft. Ein Mann, der eifersüchtig über sie wacht. Eine Ehe, in der der Mann das Geld heimbringt und seinen Hobbys frönt, während sie neben ihrer Arbeit den Haushalt ebenso wie die Finanzen führt, die Kindererziehung übernimmt und wenig eigene Interessen oder Freunde hat. Eine Ehe, die der ihrer Eltern sehr gleicht. Ihr eigener Hang zum Perfektionismus und zur Harmonie, der sie vieles schlucken lässt, bis es einfach nicht mehr geht und ihre Seele so laut um Hilfe zu rufen beginnt, dass sie es nicht mehr überhören kann.

 

Doch die Therapie ist langwierig und es fällt schwer bis fast unmöglich, ihre eigene Art, sich ständig zu überfordern, zu überwinden. Die Anforderungen, die das Familien- und Arbeitsleben an sie stellt, scheinen nahezu unvereinbar mit der Aufgabe, sich selbst zu finden. Erschwert wird das Ganze durch eine Waldens Krebserkrankung.

 

Der Glaube, diverse Therapien, und ihr eigener Wille zur Veränderung helfen, dennoch muss sie erkennen, dass es ein immerwährender Kampf sein wird und der Rückfall in alte Verhaltensmuster immer wieder passieren kann. Dass Vorwürfe alleine nicht richtig sind, dass ihr eigenes Verhalten die hauptsächliche, gar alleinige Ursache für ihren Zustand ist.

 

Ihre Ehe übersteht diese fast ein viertel Jahrhundert andauernde Belastungsprobe. Allerdings nur mehr oder weniger gut. Ihr Mann und sie driften auseinander, wobei nie eine wirkliche innere Verbundenheit zwischen ihnen bestand. Es fehlt die gemeinsame Sprache, die Themen, die wichtig sind, drohen immer wieder totgeschwiegen zu werden. Ihre zwischenzeitlich erwachsene Tochter heiratet, wird Mutter, und – ohne aktiv viel dagegen tun zu können – scheint sich abzuzeichnen, dass sich ihre Geschichte und die ihrer Mutter wiederholt.

 

Dennoch hat Walden den Mut nicht aufgegeben und kann heute mit ihrer Erkrankung umgehen.

 

Fazit:

 

Walden hat nicht nur den Mut gefunden, Hilfe zu suchen und den schmerzhaften, schwierigen Weg einer Therapie zu gehen. Sie ist darüber hinaus mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gegangen und spricht klar und verständlich alles an. Denn auch wenn sie nicht allein ist, so wird diese Thematik heute noch trotz einiger Veränderungen mehr oder weniger wort- und/oder verständnislos übergangen.

 

Als ich zu lesen begann, kam mir automatisch der Satz „Die Angst ist für die Seele ebenso wichtig wie das Bad für den Körper.“ in den Sinn. Angst kann das Leben umkrempeln. Positiv, wenn man lernt, mit ihr umzugehen. Sie macht auf Dinge aufmerksam, die wir bereinigen müssen. Waldens Buch – in dem im Übrigen überraschenderweise genau der Satz vorkommt – ist ein Beweis, dass es funktioniert. Ein Buch, das auch anderen Mut machen könnte und deshalb empfehlenswert. Ich wünsche der Autorin von ganzem Herzen, dass ihr restlicher Weg sich mehr und mehr ebnet.

 

Copyright © 2010 Antje Jürgens (AJ)

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