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21. Januar 2012

Von Aster, Christian: Armageddon TV

Filed under: Dystopie/Endzeit,Fantasy, Horror, SciFi,Roman — Ati @ 14:17

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Christian von Aster: Armageddon TV

periplaneta
ISBN13:
9783940767721
ISBN10:
3940767727
Science-Fiction, Dystopie
2. Auflage 03/2011
Taschenbuch, 216 Seiten
[D] 13,00 €

Verlagsseite
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Ein Blick auf seine Homepage verrät, dass sich der 1973 geborene Autor Christian von Aster als Genregrenzensaboteur und Wortartisten und in gewisser Weise auch als trotzig beschreibt. Von Aster studierte Germanistik und Kunst, schreibt Drehbücher (ohne Hoffnung auf die filmische Umsetzung hierzulande, aber es gibt ja auch die Bühne), Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. Nebenbei führt er auch schon mal Regie bei Hörspielen oder Kurzfilmen. Letztere wurden genau wie diverse Kurzgeschichten bereits mit Preisen bedacht. Seine Lesungen sind wegen ihrer Inszenierungen nicht nur Anhängern der Fantasy- oder Gothic-Szene ein Begriff.

 

Mein SuB, der seit 2011 irgendwie mit Hefeteig verwandt zu sein scheint, wenn ich die Ausmaße bedenke, die er mittlerweile angenommen hat, unterteilt sich in verschiedenen Kategorien. Die eine beinhaltet Bücher, die nur kurz darauf abgelegt und dann gelesen werden. Eine zweite solche, die quasi auf den richtigen Lesetag warten, weil sie mich nicht 100%ig ansprechen. In der dritten landen dann jene, die ich über mehrere Tage verteilt lesen muss, weil eventuelle Schockmomente und Gewaltszenen oder bisweilen ermüdende Erklärungen zu sehr ausufern. Es gibt noch eine vierte, die Bücher beinhaltet, die ich unbedingt noch einmal lesen muss. Dann gibt es noch jene Bücher, die es irgendwie schaffen, sich aus all diesen Bereichen meines SuBs herauszumogeln, hin und her zu wandern, oder – schlimmer noch – womöglich hinter den SuB und damit das Regal rutschen.

 

Eins dieser Bücher ist Armageddon TV von Christian van Aster, dessen zweite überarbeitete Auflage bereits im März 2011 von periplaneta herausgegeben wurde (die Originalausgabe erschien bereits 2004 im Eigenverlag). Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass es sich anfangs in der zweiten oder dritten Kategorie befand. Jedenfalls habe ich es gestern zufällig wiederentdeckt und siehe da, es war der richtige Lesetag dafür.

 

Bevor ich damit angefangen konnte, sprach mich jemand auf meinen in seinen Augen abartig hohen Bücherkonsum an. Ich habe etwas in der Art erwidert, dass ich kein Fernsehgerät besitze, worauf ich zu hören bekam, dass das ja noch abartiger sei. Meine Erwiderung, dass angesichts des Fernsehprogramms quer durch alle Sender die Frage nach eventuellen Abartigkeiten vielleicht neu überdacht werden müsse, wurde achselzuckend abgetan.

 

Auch ohne Fernseher kann man sich bedauerlicherweise Sendungen nicht gänzlich verschließen, die davon leben, andere lächerlich zu machen oder sie zu absonderlich anmutenden Taten anzustacheln. Ich war völlig geschockt, als ich mitbekommen habe, wer sich für so ‚hochgeistige‘ Sendeformate wie Big Brother oder das Dschungel-Camp  oder diverse Casting-Dauerbrenner begeistert. Kein Wunder, dass Kinder und jugendliche heutzutage in Gruppen über (in ihren Augen) Schwächere herfallen, lernen sie in solchen Sendungen doch schon recht früh, wie angebliche Vorbilder sich Aasgeier-ähnlich verhalten und um der Einschaltquoten willen auf dafür prädestinierte Opfer einhacken. Wo das Selbstwertgefühl herkommen soll, wenn sie so mitbekommen, wie sehr manche Leute bereit sind, sich für wenige Momente im Rampenlicht zu erniedrigen, ist mir schleierhaft. Viele Erwachsene sind auch nicht besser und zwar nicht nur, weil sie die teils mehr als ätzenden Bemerkungen mancher 5-Minuten-Berühmtheiten oder Jury-Mitglieder cool finden, auch weil sie mit teils infantiler Begeisterung nacheifern, was sie sehen oder hören. Ich gebe gerne zu, dass meiner Lesewut nicht nur hochgeistige Literatur oder wissenschaftliche Abhandlungen zum Opfer fallen, aber ich lese lieber auch noch den trivialsten Heftroman und lasse mich notfalls auch als abartig titulieren, bevor ich mir so etwas antue.

 

Warum ich das schreibe? Nun, in Armageddon TV geht es nicht um Außerirdische, wie der eine oder andere jetzt vielleicht angesichts des Genres vermutet. Die Geschichte spielt ganz normal hier auf der Erde, handelt von ganz normalen Menschen (meiner Ansicht zwar nicht unbedingt geistig normal, sondern einfach der Spezies Mensch angehörend). Und irgendwie von dem, was ich gerade erwähnt habe. Von Aster bietet seinen LeserInnen eine Lektüre, die pechschwarz satirisch für Schluckbeschwerden sorgt. Einen dystopischen Einblick in eine Fernsehlandschaft, die die oben erwähnten Sendeformate noch weiter pervertiert.

 

Überaus gewinnbringend vermarktet das Medienimperium POE-Network eine Sendung, für die sie Sportler anwirbt. Klingt jetzt erst mal harmlos, ist es jedoch nicht. Neben dem Imperium selbst, verdienen sich Pharmaindustrie und Marketingunternehmen eine goldene Nase, nicht zu vergessen die Rüstungsindustrie. Ihre Produkte werden publikumswirksam bei Wettkämpfen eingesetzt, in der die Sportler eigentlich nur die gegnerische Fahne erobern müssen. Da dabei jedoch nicht mit Platzpatronen geschossen wird und sogar Panzer zum Einsatz kommen, werden die Zuschauer blutig unterhalten und Verluste kühl mit einkalkuliert. Moral war gestern, heute kann man bei Armageddon TV Chips knabbernd vom Sofa aus verfolgen, wie die um ihr Überleben kämpfenden Sportidole weggeputzt werden.

 

Und ähnlich wie bei Unfällen, werden die Blicke unwillkürlich auf bestimmte Dinge gelenkt. Man fühlt sich geschockt, angewidert (etwa vom Sendeformat im Buch) und gleichzeitig ist alles so schrecklich, dass man kaum wegsehen geschweige denn nicht weiterlesen kann.

 

Fazit:

 

Bleibt zu hoffen, dass die bitterböse, medienkritische Vision des Autors nicht irgendwann Nachahmer findet. Wirkliche Unterhaltung sieht irgendwie anders aus. Denn auch wenn van Aster alles gleichermaßen zielsicher, bitterböse und überspitzt darstellt, zeigt die Realität, dass wir grundsätzlich gar nicht so weit entfernt davon sind. Während ich las, dachte ich beständig an die vorab genannten Sendungen, in denen nicht nur von Senderseite um der der Einschaltquote willen, sondern auch von Teilnehmerseite um des Geldes willen so vieles getan wird, was der gesunde Menschenverstand nicht begreifen will. Die Manipulationsfähigkeit mancher Leute trägt sich nur, wenn andere sich manipulieren lassen. Beide Seiten beleuchtet von Aster in seinem dystopischen Roman, mal lenkt er den Fokus auf die Sportler, mal auf die Strippenzieher hinter den Kulissen. Dabei hält er die vordergründig brutalen Beschreibungen der blutigen Wettkämpfe auf einem relativ erträglichen Maß. Er streut Intrigen und Machtspielchen ein, steuert auf den Schlusskampf im Armageddon Dome zu. Das alles nicht unbedingt in einem rasanten Tempo, aber trotzdem schockierend. Ich möchte Armageddon TV vier von fünf Punkten geben und kann es allen ans Herz legen, die Geschichten mögen, die sich etwas abseits des Mainstream-Geschmacks tummeln.

 

Copyright © 2012, Antje Jürgens (AJ)


8. Januar 2012

Donck, Carel: Nur noch ein einziges Mal

Filed under: Belletristik,Roman — Ati @ 11:34

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Carel Donck: Nur noch ein einziges Mal

 

Originaltitel De Nachtmoerder

aus dem Niederländischen übersetzt von Rosemarie Still
Knaur

ISBN 9783426505595

ISBN 3426505592

Belletristik

Deutsche Erstausgabe 2011

Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München

Taschenbuch, 205 Seiten

[D] Preis 8,99 €

Verlagsseite

Der 1946 geborene und in Amsterdam lebende Carel Donck war Kennern der Szene bisher eher durch Drehbücher für Film und Fernsehen ein Begriff. Mit seinem ersten Roman „Nur noch ein einziges Mal“ betritt er also quasi nicht nur Neuland, sondern wagt sich auch gleichzeitig an ein Thema heran, dass viele Menschen seit ewigen Zeiten beschäftigt und wohl auch noch einige Zeit beschäftigen wird.

 

Was passiert, wenn wir sterben? Mit denen die wir zurücklassen, aber auch mit uns? Lösen wir uns einfach auf, verpufft unsere Existenz ohne Nachhall? Oder betreten wir eine andere Ebene? Wenn ja, werden wir die, die wir zurücklassen wiedersehen? Wenn es mehr als unser irdisches Leben gibt, wäre es dann nicht wundervoll, wenn wir unsere Lieben wenigstens ab und an etwas lenken könnten? Oder würde es für zu viel Chaos sorgen? Aber beobachten wäre doch auch schon etwas, oder?

 

In Doncks Debütroman bekommt die Protagonistin Laura diese Chance. Als sie bei einem Unfall getötet wird, findet sie sich nach ihrem Wiedererwachen in einer Art Zwischenwelt wieder. Lange Flure, kleine Zimmerchen und riesige Säle in unendlicher Fortsetzung. Die Einrichtung im Gesamten eher spartanisch.

 

Wer jetzt glaubt, dass Laura als eine Art Engel oder in anderer Gestalt wieder auf die Erde darf, weil sie etwa zu früh gestorben ist, irrt. An ihrem Tod oder am Zeitpunkt ihres Todes besteht kein Zweifel. Und Doncks Vorstellung vom Jenseits ist dann nicht nur räumlich betrachtet ganz anders, als man es gemeinhin zu lesen bekommt.

 

Laura ist zum einen zunächst zum puren Zusehen verdammt. Erst nach einiger Zeit gelingt es ihr, über Träume Kontakt mit ihrem Sohn und später auch zu ihrer Tochter aufzunehmen. Bis dahin verfolgt sie in einem kleinen Zimmerchen, das ihr zugewiesen wird, geradezu süchtig, was die „Mitarbeiter“ der Zwischenwelt seit ihrem Tod akribisch aufgezeichnet haben. Doch sie kann auch live den Alltag ihrer zurückgebliebenen Familie am Bildschirm verfolgen. Sie kann beobachten, wie schwer sich ihr Sohn Mark mit ihrem Tod tut. Findet heraus, dass ihr Mann sie vor ihrem Tod betrogen hat und mittlerweile mit ihrer gemeinsamen Freundin lebt. Und weil mit dem Tod nicht alle Emotionen verpuffen, freut sich Laura zunächst einmal, als sie begreift, dass Silvia mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bei dem Versuch von den Kindern akzeptiert zu werden. Spätestens als sie über die Träume Einfluss auf ihre Kinder nehmen kann, setzt Laura alles daran, Silvia das Leben so schwer wie möglich zu machen, ohne zunächst zu begreifen, was sie ihren Kindern damit antut.

 

Daneben gibt es aber auch noch Lauras Dasein in der Zwischenwelt. Donck zeichnet wie bereits erwähnt ein etwas anderes Bild. Es ist sehr still dort, obwohl ganze Säle voller Menschen sind. Monotonie bestimmt den Alltag. Keine bekannten Gesichter begegnen Laura, eine Unterhaltung ist nur den wenigsten möglich. Mit ihr spricht allenfalls der für sie zuständige Mitarbeiter der Zwischenwelt. Die Blicke der Menschen sind leer und niemand – außer einem Mädchen – scheint Laura wirklich wahrzunehmen. Sie fühlt sich einsam, verraten und ohnmächtig. Vor allem, nachdem ausgerechnet das eben erwähnte Mädchen ihr einen Ort zeigt, der in die Unendlichkeit zu führen scheint und sich dann fast unmittelbar danach zu diesem Ort aufmacht.

 

Doncks in Gegenwartsform geschriebener Debütroman lässt sich leicht lesen. Man taucht bereits anfangs in eine sehr dramatische und emotionsgeladene Atmosphäre ein. Die Wechsel zwischen den Erlebnissen in der Zwischenwelt und Lauras Beobachtungen ihrer Familie sind sehr fließend und überaus gut gelungen. Und obwohl Donck den Hauptteil der Geschichte von Laura selbst erzählen lässt und ihr Tod eindeutig das Hauptthema ist, bleibt dem Leser doch das nahezu zum Scheitern verurteilte Bemühen Silvias nicht verborgen, die verzweifelt versucht, den Kindern eine gute Mutter und dem Ehemann eine gute Frau zu sein. Ebenfalls sehr ausführlich geht Donck auf Lauras Sohn Mark ein, der sehr unter dem Tod seiner Mutter leidet. Die Elemente des Schmerzes und der Trauer werden sehr einfühlsam übertragen.

 

Ohne sich in ausführlichen Charakterbeschreibungen zu ergehen, schafft es Donck, die Welt der Lebenden und ihre Handlungsweise nachvollziehbar lebensecht darzustellen. Demgegenüber stehen die Figuren der Zwischenwelt, die zwar ebenfalls klar gezeichnet, aber durch ihr Verhalten eher vage verschwommen daherkommen und – bis auf das Mädchen –  keine große Rolle in dem Geschehen zu spielen scheinen.

 

Die eigentliche Grundthematik, die in vielen Büchern verkitscht herüberkommt, wird von dem niederländischen Autor rührend aber nicht rührselig dargestellt. Kleine dramatische Szenen reihen sich aneinander, ohne durch melodramatische Elemente verdorben zu werden. Donck lässt seine Leser an einem kurzweilig zu lesenden aber keinesfalls flüchtigen Entwicklungsprozess seiner Hauptfigur teilnehmen. Lässt ihn miterleben, wie Laura Akzeptanz und Abschied lernen muss. Aber auch Liebe erkennen kann und dass eine vermeintliche Feindin auch zu einer Verbündeten werden kann, wenn es um die Kinder geht. Dass die Figuren in der Zwischenwelt dann doch eine größere Rolle spielen, als zunächst angenommen, zeigt sich spätestens an Lauras Entwicklungsprozess gegen Ende des Buches.

 

Was zunächst tröstlich erscheint – nach dem Tod den Kontakt zu denen, die wir lieben, nicht völlig zu verlieren – offenbart sich in Doncks Version vom Leben danach als zunehmend trostloser, da er Laura größtenteils zur stillen und unsichtbaren Beobachterin verdammt.  Dennoch erlebt Laura Glücksmomente und das hebt – obwohl das Buch nicht fröhlich ist – die Grundstimmung deutlich. Dazu gehören die Begegnungen mit dem jungen Mädchen ebenso wie die Momente, in denen sie mit ihren Kindern Kontakt aufnehmen kann. Trotz des traurigen Schlusses fühlt man sich versöhnt und in gewisser Weise auch getröstet.

 

Fazit:

 

Doncks Debütroman fesselt unweigerlich. Er ist für mich kein Buch, dass man mal eben so nebenbei liest und dann einfach und schnell wieder vergisst. Zum einen, weil seine Vorstellung vom Leben danach etwas erschreckend trostloses beinhaltet. Zum anderen und vor allem aber, weil er emotional fesselt. Kein Mainstreambuch, aber eines, das man lesen sollte und für das ich fünf von fünf Punkten vergeben möchte.

 

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

2. Mai 2011

St. Crow, Lili: Strange Angels 01 – Verflucht

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Lili St. Crow

Strange Angels 01: Verflucht


Originaltitel Strange Angels
aus dem Englischen übersetzt von Sabine Schilasky
PAN
ISBN 9783426283455
ISBN 342628345X
Fantasy, Jungenbuch 12 – 15 Jahre
Deutsche Erstausgabe 2011
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 384 Seiten
[D] Preis 16,99 €

Verlagsseite

Autorenseite  

 

Lili St. Crow – unter diesem Pseudonym veröffentlicht die 1976 in New Mexico geborene und z. T. im Vereinigten Königreich auf einer Militärbasis aufgewachsene Autorin Lilith Saintcrow Geschichten und Bücher für Jugendliche, während sie sich unter ihrem richtigen Namen an ein erwachsenes Publikum wendet. Ein weiteres Pseudonym ist Anna Beguine. Die heute mit einigen Katzen und ihrer Familie in Vancouver lebende Autorin bevorzugt dabei die Genres Paranormale Romance oder Urban Fantasy.

 

Die Liste ihrer Veröffentlichungen deutet darauf hin, dass sie nicht nur seit ihrem 10. Lebensjahr gerne schreibt, sondern geradezu süchtig danach zu sein scheint. Neben der frei zugänglichen Onlineserie „Selene“, erschienen seit 2004 auch mehrere Novellen und Buchreihen der Autorin unter einem der drei oben genannten Namen.

 

2004 – 2008: Watcher-Serie, 5 Bände

2005:              Society-Serie, 2 Bände

2005 – 2008: Dante-Valentine-Serie, 5 Bände

2007:              Smoke, Mirror, Steelflower

2009:              The Demon’s Librarian

2008 – 2011: Jill-Kismet-Serie, 6 Bände

 

Wer „Selene“ verfolgt oder verfolgt hat, wird vielleicht die eine oder andere Figur aus der Dante-Valentine-Reihe wiedererkennen. Dante Valentine? Jill Kismet? Richtig, diese beiden Reihen kennen Fans des Genres aus den von LYX für den deutschen Buchmarkt übersetzten Bänden. Und dank PAN wird auch die anvisierte jugendliche Zielgruppe hierzulande etwas mit dem Namen St. Crow anfangen können. Der Verlag brachte im April 2011 den gleichnamigen Auftaktroman der bislang fünfteiligen Serie Strange Angels unter dem Titel „Verflucht“ in die Buchläden.

 

Wie bei den übrigen Büchern des Verlags kann man auch bei „Verflucht“ zunächst bereits zur Covergestaltung gratulieren. Der dunkle, matt gehaltene Umschlag zeigt ein schlafendes Mädchen, wirkt durch die Drucktechnik fast samtig, fasst sich griffig an. Die weiße Schrift des Titels leuchtet förmlich ins Auge, obwohl sie gleichzeitig etwas verschwommen und dadurch unwirklich wirkt. Und damit einen Bezug zum Buchinhalt bekommt.

 

Im Buch selbst geht es um die 16jährige Dru, die – vorübergehend – in den Dakotas lebt. Die Geschichte spielt über einen Zeitraum von einigen Tagen im Winter. Der eben erwähnte Bezug zum Buchcover zeigt sich darin, dass Dru visionsartige Träume erlebt.

 

Neben Dru geht es aber auch um Zombies und Dämonen, Vampire und Gestaltwandler. Die kennt der Teenager nicht nur aus Büchern und Filmen, sondern weiß schon von klein auf, dass sie zur Realität gehören, auch wenn die meisten Menschen nichts davon mitbekommen. Ihre Mutter ist vor Jahren gestorben. Ihre Großmutter, die sie daraufhin großgezogen hat, lebt auch nicht mehr. Einzig ihr Vater ist ihr geblieben, der Dinge jagt, die für gewöhnlich ohne nachzudenken ins Reich der Mythen und Gruselgeschichten sortiert werden. Jedenfalls, bis er eines Tages auf jemanden trifft, der ihn tötet und seiner Tochter als Zombie auf den Hals hetzt. Und er ist nicht der Einzige, der auf Dru angesetzt wird, denn in ihr schlummert ein Geheimnis. Sie selbst hat keine Ahnung, worum es dabei geht, ihr Widersacher jedoch offenbar schon, weshalb ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als sich zu wehren.

 

Sollten hier Buffy und Konsorten in leicht variierter Form à la Supernatural wiederauferstehen?

 

Steckt in der Geschichte nur ein weiterer Teenager, der unwahrscheinlich zäh, widerspenstig und nicht totzukriegen ist? Der seinen Daseinszweck allein im Killen von Monstern und nebenbei im Anschmachten eines übernatürlichen Wesens sieht? Der schlaflose Nächte en masse erlebt, horrormäßige Gestalten einfach so im Kickboxstil vernichtet und das Erlebte auch noch problemlos wegsteckt? Ein Teenie, der cool damit umgeht, dass er den zum Zombie mutierten eigenen Vater töten muss, um zu überleben?

 

Glücklicherweise wird man in „Verflucht“ davon verschont. Dru ist trotz ihres Wissens um die Anderen ein völlig normales Mädchen, das – zumindest im Auftaktroman – keine übermäßig übernatürlichen Kräfte in sich bündelt. Sie kann sich wehren, sie kann mit Waffen umgehen, doch sie ist keine Heldin, die über allem steht und nebenbei stets noch perfekt gestylt ist. Sie ist ein junges Mädchen, das neben den ganz normalen Problemen wie Schule und Erwachsenwerden auch damit kämpfen muss, mit den ständigen Ortswechseln zu leben, die das Leben mit ihrem Vater und seinen Aufträgen so mit sich bringt. Keine gute Voraussetzung um Freundschaften zu schließen. Dru ist trotzig und in gewisser Weise zornig. Wenn man alle auf Abstand hält, fällt das Abschiednehmen gar nicht erst schwer. Einsam – so stellt sich Dru dar. Dru muss schreien und weinen, ist verzweifelt und ängstlich. Eben eher eine Gejagte als eine Jägerin.

 

Trotzdem schreckt sie einen Jungen nicht ab: Graves, ebenfalls ein Außenseiter, der sich nach und nach als ein Junge herausstellt, der ohne festen Wohnsitz auch niemanden hat, der sich um ihn kümmert, spricht sie an. Und als kurz darauf Dru’s kleine Welt durch den doppelten Tod ihres Vaters zusammenbricht, ist er es, der ihr hilft. Er bietet ihr neben einem Unterschlupf eine Schulter zum Anlehnen, obwohl er nicht einmal andeutungsweise ahnt, worauf er sich da einlässt. Er fragt nicht viel, sondern handelt. Er schreckt nicht vor dem zurück, was ihn da überrollt, sondern stellt sich dem Ganzen – ebenfalls nicht cool und abgeklärt, sondern eher wie jemand, der nach dem Prinzip mitgehangen-mitgefangen lebt. Was hier ins Auge fällt, ist, dass Graves, ganz unauffällig eine erwachsene und erzieherische Rolle einnimmt, indem er Dru auf „wichtige“ Dinge im „normalen“ Leben verweist und sie animieren möchte, sich daran zu halten. Was in vergleichbaren Romanen oftmals von Erwachsenen ausgeht und dadurch bisweilen eher ermüdend-belehrend als motivierend wirkt, stellt sich im Hinblick auf seine Person durchaus überlegt und schlüssig dar.

 

Wer zwischen Graves und Dru eine Liebesgeschichte vermutet, wird enttäuscht. Dafür gibt es zunächst eine Geschichte über eine sich anbahnende Freundschaft und Vertrauen, über Werte, Perspektiven und Ziele. Alles andere wäre fehl am Platz, zu heftig ist das, was die beiden erleben. Bereits anfangs der von Dru erzählten und von ihren Gedanken durchsetzten Geschichte wird klar, dass die Autorin nicht sehr zartfühlend mit ihnen umgeht. Die Leser werden nicht von gut aussehenden Blutsaugern und scheinbar unwiderstehlichen Werwölfen an-, sondern von zerfallenden Zombies und beißwütigen Gestaltwandlern ins Geschehen gezogen. Dru und Graves machen gezwungenermaßen das, was zum Überleben notwendig ist, sind dabei aber verletzlich und auch durchaus wehrlos. Beide Charaktere wirken mit ihren Schwächen und in ihrer Hilflosigkeit bei allem was sie tun lebensecht. Flüssig verwebt die Autorin die fantastischen Elemente mit dem realen Hintergrund zu einer Atmosphäre, die den Leser schnell einhüllt, auch Erwachsene hin und wieder schlucken lässt, jedoch nicht nur platt auf blutrünstigen Horror abzielt. Gegen Ende von „Verflucht“ bekommen die beiden Hilfe durch den nach Apfelkuchen duftenden Blutsauger Christope, der eine nicht gleich einfach und klar zu definierende Rolle spielt.

 

Ein kleines Manko ist, das Dru’s Gedanken, die als kursiver Text dargestellt werden, sich häufen. Was einerseits gut zu ihrer inneren Zerrissenheit passt, stört andererseits in seiner Häufigkeit. Durch Wiederholungen bestimmter Dinge entwickeln sich zusätzlich Längen. Zumindest Letztere werden jedoch meist schnell von spannungsreichen Momenten abgelöst und gehen in dem grundsätzlich flüssigen Schreibstil fast unter.

 

Ein weiteres Manko stellt die von der Autorin gewählte Erzählform dar. Man sieht alles aus Dru’s Sicht, kann so nur ihrem Fokus folgen und verschiedenen Zusammenhänge nicht ohne Weiteres erkennen. Obwohl letztendlich alles verwoben wird, sucht man manchmal den roten Faden. Ein Perspektivwechsel hätte hier gut getan, obwohl der Leser an sich in diesem Buch mit einer Fülle an Informationen versorgt wird. Sie ergeben sich aus Rückblicken auf Dru’s bisheriges Leben, aus Träumen, Andeutungen, Ahnungen; was alles in allem für einen trotz allem gelungenen Auftakt der Strange-Angels-Reihe sorgt. Das nachvollziehbare Verhalten der lebensecht wirkenden Hauptfiguren tut ein Übriges.

 

Letztlich wird bereits mit diesem ersten Band klar, dass die Bücher der Reihe vermutlich nicht in sich abgeschlossen und separat lesbar sind. Das Ende von „Verflucht“ ist völlig offen. So wird weder das Geheimnis um Dru gelüftet, noch die Rolle des eben erwähnten Blutsaugers ganz klar. So ist ungeklärt, was aus Graves wird oder wer wirklich hinter dem Mord an Dru‘s Vater steckt. Dieses Ende kann jedoch bei allen Fragen schwer als Cliffhanger bezeichnet werden.

 

Fazit

 

Die fehlenden Antworten macht Lust auf die im Herbst erscheinende Fortsetzung „Verraten“, zumal bereits jetzt erkennbar scheint, dass die Geschichte sich steigert. Die kleinen Schwächen sorgen dennoch für einen Punkteabzug, weshalb ich nur vier Punkte von fünf Punkten vergeben möchte. Zudem habe ich bei der Altersfreigabe ab 12 Jahre Bedenken, da die Zombiepassagen doch sehr anschaulich beschrieben sind.

 

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

27. April 2011

Seifried, Victoria-Louise: Victorianisch

Filed under: Belletristik — Ati @ 11:10

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Victoria-Louise Seifried
Victorianisch

periplaneta
ISBN 9783940767615
ISBN 3940767611
Kurzgeschichten, Slam
Originalausgabe 2010
Broschiert, 90 Seiten mit CD
[D] 12,50 €

Verlagsseite

 

Mundwerk …

 

Hinter diesem Wort verbirgt sich so einiges. Gibt man es bei einem bekannten Internetsuchdienst ein, so erfährt man beispielsweise, dass es eine Vereinigung von Kieferorthopäden gibt, die sich so nennt, oder auch ein internationales Filmcatering für Kino – Fernsehen – Werbung – Musikproduktionen und Tourneeservice mit mobilem Aufenthaltsraum. Ein deutschsprachiges A-Cappella-Comedy-Ensemble findet sich ebenso wie ein Theater gleichen Namens.

 

Kürzlich fand ich das Wort bei einem Titel aus dem Programm des Verlages periplaneta, der immer wieder für positive Überraschungen in meinem Bücherregal bzw. beim Lesen der Bücher, bevor sie in besagtes Regal wandern, sorgt. Das Buch aus der Edition Mundwerk (die sich mit Bühnentexten, Comedy, Kabarett und Slam beschäftigt) ist mit seinen 13,5 x 13,5 cm und 90 Seiten ein eher kleiner Vertreter seiner Sorte, doch kann es Victorianisch inhaltlich betrachtet durchaus mit den größeren aufnehmen. Ergänzend sind die Buchtexte mit einer CD versehen. Alles wurde von der Autorin Seifried verfasst und gesprochen. Einige Titel auf der CD kann man im Buch nachlesen, sie sind gegenüber denen, die sich nicht dort finden, bis auf die letzte Nummer mit der Musik von „Big Plaice in the Desert“ untermalt. Interessierte können übrigens Hörproben auf der periplaneta-Seite finden.

 

Das Buch selbst ist – nicht nur auf dem Umschlag – mit Fotos versehen, die die Autorin zusammen mit dem Shar Pei Pucca harmonisch auf einem Sofa zeigen. Während außen Hochglanz und Farbe wirken, verblassen innen die Motive in ihrer Schwarz-Weiß-Optik keineswegs (allein die Schuhe würden mich nach dem Buch greifen lassen….).

 

Seifrieds Seite bei myslam.net verrät, dass die junge Studentin der Psychologie, Philosophie und Politikwissenschaften sich seit 2007 im Bereich Poetry- oder Saal-Slam engagiert und gleich im ersten Jahr Berlinmeisterin wurde. Neben zahlreichen Auftritten bei Kulturprojekten, Wettbewerben und Lesungen kann man sie neben YouTube auch seit 2008 wöchentlich im Fernsehen bei Lettra TV finden. Und wer den Quatsch Commedy Club kennt, der weiß vielleicht auch, dass sie sich dort im Wettbewerb so gut durchgesetzt hat, dass sie diesen Monat im Finale für den Titel Quatsch Comedy Talent 2011 kämpft.

 

2010 unterschrieb sie bei periplaneta und in diesem Zusammenhang kam Ende des vergangenen Jahres das Buch mit CD in der Edition Mundwerk heraus, das momentan vor mir liegt, bzw. gerade auch aus den Lautsprechern um mich herum schallt. In ihren kurzen Prosa-Texten und Gedichten widmet sich die junge, vielversprechende Autorin querbeet Themen in unserer Gesellschaft.  Dingen, die ihr im Alltag begegnen. Ihren Namen zum Programm machend, nutzt sie dabei ihre Sprache – Viktorianisch. Das ist für sie nämlich nicht einfach nur ein Zeitalter oder eine Modeerscheinung, wie sie gleich eingangs erklärt. Gleichzeitig kann man aber auch erkennen, dass es nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Lebenseinstellung ist.

 

Wer mit offenen Augen, einer gesunden Portion Neugier und auch mit der Tendenz sich für gewisse Dinge mal in die Nesseln zu setzen, durchs Leben geht, der kann wie Seifried mit einem witzigen und selbstironischen Augenzwinkern und bisweilen auch mit biestiger Eloquenz in konzentrierten Pointen so profane Dinge wie Eiscreme und Schokolade, das seltsame Verhalten an Heiligabend oder gesperrte Kreditkarten thematisieren. Gleichzeitig aber auch Missstände (wie etwa in Viitourol începe), Ängste und andere Emotionen ansprechen und dabei den erhobenen Zeigefinger aufrüttelnd und nachdenklich machend, nicht aber hochmütig belehrend wirken lassen. Die von Seifried beschriebenen und/oder gesprochenen Episoden gehen bei aller Kürze unter die Haut. Sie fesseln durch Humor und Besinnung, durch Wortwahl wie durch Betonung.

 

Fazit

 

Buch und CD überzeugen, machen förmlich Lust auf mehr und bekommen fünf Punkte von fünf Punkten.


Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

26. April 2011

Ashwood, Sharon: Dark Forgotten 02 – Vampirdämmerung

Filed under: Buch- & Sammelreihe,Fantasy, Horror, SciFi,Roman — Ati @ 16:22

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Sharon Ashwood
Dark Forgotten 02 – Vampirdämmerung

Originaltitel: Scorched
aus dem Amerikanischen übersetzt von Sabine Schilasky
Knaur
ISBN 9783426652442
ISBN
3426652447
Fantasy
Deutsche Erstausgabe 2011
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
Breitklappenbroschur, 496 Seiten
[D] 12,99 €


Verlagsseite 

Autorenseite

 

 

Bereits in ihrer Kindheit interessierte sich die in British Columbia lebende Autorin Sharon Ashwood für Märchen und Mythen. Ihre bis heute anhaltende Faszination für Seltsames, Unwirkliches, Unheimliches oder Fantastisches setzt die freie Autorin und Journalistin mit einem Universitätsabschluss in Englischer Literatur in Urban-Fantasy-Romane um. 2009 erschien der Auftaktroman ihrer Dark-Forgotton-Reihe unter dem Titel „Ravenous“, der bei uns in Deutschland 2010 von Knaur als „Hexenlicht“ veröffentlicht wurde. Der zweite Teil „Scorched“ erschien in den Staaten ebenfalls 2009, die deutsche Übersetzung „Vampirdämmerung“ folgte dann Anfang 2011. Auch die beiden Folgebände Seelenkuss und Höllenherz (Originaltitel „Unchained“ 2010 und „Frostbound“ 2011) sind bereits für den deutschen Buchmarkt avisiert.

 

Zur Gestaltung der Cover der Reihe bediente sich der Verlag der derzeit gerne gebräuchlichen Darstellung eines hälftigen Männer- oder Frauengesichtes vor einer Großstadtkulisse, die sich auf den Innenseiten des Buchumschlags fortsetzt. Abwechselnd wechseln die Gesichter von links (Band 1 und 3) nach rechts (Band 2 und 4). Zusätzlich wird ein geflügeltes, mystisches Wesen gezeigt, welches bei den Bänden 1 und 2 auf von Menschen errichteten Gebäuden stehend, bei den Bänden 3 und 4 auf Felsen hockend zeigt. Ein dezenter Metalliclook und ein Lichtpunkt auf einem der Buchstaben des jeweiligen Buchtitels runden die Covergestaltung gelungen ab.

 

Die Autorin lässt ihre Romanreihe teils in der realen Welt, teils in einer Fantasywelt spielen. In „Vampirdämmerung“ findet der größte Teil des Geschehens in der zur Fantasywelt gehörenden Burg statt – einem düster-bedrohlichen und gleichzeitig sicheren Gefängnis für übernatürliche Wesen, was die reale Welt sehr verblassen lässt. Umso deutlicher wird das geheimnisvolle, magische Labyrinth, in das Leserinnen wie Leser dank der in dritter Person erzählten Ereignisse eintauchen können.

 

Während sich der erste Band um Holly Carver und den ihr zugedachten Partner dreht, geht es in „Vampirdämmerung“ um den zum Dämon mutierenden Ex-Cop Conall Macmillan und die Vampirin Constance. Macmillan ist bereits aus Hexenlicht bekannt, wo er von einer Dämonin geküsst wurde, was ihn selbst nach und nach in ein übernatürliches Wesen verwandelt. Zwar gelingt es Holly den auf Macmillan lastenden Fluch etwas zu lösen, aber eben nicht ganz – was zu seiner Inhaftierung in der Burg führt. Macmillan gelingt zwar die Flucht von dort, doch kaum draußen trifft er auf den Vampir Caravelli (ebenfalls ein Bekannter aus dem Auftaktroman). Also kehrt er gezwungenermaßen in die Burg zurück. Dort begegnet er Constance. Noch ist sie keine richtige Vampirin, ist auch aufs Bluttrinken nicht unbedingt versessen bzw. hat noch gar keins getrunken. Doch sie benötigt momentan die Kräfte, die ihr als richtige Vampirin zur Verfügung stünden. Und deshalb will sie an Macmillans Blut. Dabei merkt sie sehr schnell, dass der so appetitlich menschlich riechende Mann nur scheinbar menschlich und nicht sehr willig ist. In Anbetracht der Tatsache, wie Macmillan zu seinem neuen Dasein kam, ist er nicht allzu erpicht darauf, als Snack herzuhalten. Dass er ihr trotzdem helfen möchte ihren Ziehsohn zu retten, liegt daran, dass etwas an ihr seine ehemals rein menschliche Seite zum Klingen bringt und seine Beschützerinstinkte weckt. Hier scheint der dämonische Anteil in ihm dann tatsächlich eine positive Seite zu bekommen. Vor allem, weil Constances Ziehsohn eng mit der Burg und damit mit dem Schicksal aller Insassen verknüpft ist.

 

Ein weiterer Nackenbeißerroman ohne Tiefgang? Der Auftaktroman, mit dem die Autorin sich angenehm von anderen Büchern abhebt, versprach schon mal das Gegenteil. In Hexenlicht bot sie nicht einfach nur eine gewöhnliche und nichtssagende Story und mit ihren fantastischen Elementen auch nicht nur eine platte Stilvorlage für eine bisweilen sinnlose Anhäufung erotischer Szenen. Ashwood setzte darin auf interessante Charaktere, auf ein eher düsteres Hintergrundszenario, sehr wohl auf etwas Romantik, eine softe Erotik, aber eben auch auf eine Geschichte, die geschickt verwobene Handlungsfäden zusammenlaufen lässt.

 

Leider passiert dann aber in „Vampirdämmerung“ über einhundert Seiten anfangs erst einmal nicht viel. Obwohl Ashwood genau genommen direkt an Hexenlicht anknüpft, somit deutlich macht, dass auch ein abgeschlossener Roman ohne Weiteres zu einer Reihe zählen kann, sucht man zunächst leicht vergeblich den roten Faden der Geschichte zu erhaschen. Nur bedingt tröstend wirkt der Umstand, dass Holly und Caravelli in „Vampirdämmerung“ ein eigener Nebenhandlungsstrang gewidmet wird und nicht einfach nur ihre Namen eingestreut werden. Doch bedauerlicherweise fehlt hier Hollys Sarkasmus, ihr Humor. Humorlos ist „Vampirdämmerung“ damit jedoch noch lange nicht und je länger man liest, desto mehr besticht Ashwoods Mixtur aus Fantasy und erotisch angehauchter Liebesgeschichte. Desto mehr steigt die Spannung. Desto mehr reißt „Vampirdämmerung“ mit. Desto mehr wird die gelungene Verknüpfung des düsteren Erzählstrangs mit einer sinnlichen Liebesgeschichte deutlich. Gleichzeitig zeigt sich, dass man zwar die Bücher unabhängig voneinander lesen kann, dass aber Bezüge auf bereits Erzähltes hergestellt werden, die empfehlen, die Bände in der erschienenen Reihenfolge zu lesen.

 

Die Autorin verwendet auch in „Vampirdämmerung“ viele Details zur Beschreibung des Aussehens aller Figuren, ihrer Charaktereigenschaften, aber auch der einzelnen Szenen. Sie arbeitet Motivationen heraus und bindet neue Gestalten geschickt ein. Während Constance und Macmillan um ihre Menschlichkeit ebenso wie um die Rettung von Constances Ziehsohn kämpfen, merkt man schnell, dass keiner der Nebencharaktere überflüssig ist und alle zusammen zu dem gelungen inszenierten Geschehen beitragen. Die sympathischen Hauptfiguren entwickeln sich zügig. Sie sind nicht einfach nur übermenschliche Helden, sie haben ihre Fehler und Schwächen. Doch auch ihre Kräfte und ihre Macht wachsen, was sich spätestens am Schluss des Buches als dringend notwendig erweist, da sie dabei Kreaturen und Problemen gegenüberstehen, denen sie zuvor hoffnungslos unterlegen gewesen wären. Doch ob nun mysteriös, rücksichtslos und oder einfach nur fehlgeleitet, ihre Widersacher ziehen zwar letztlich den Kürzeren, doch sie bringen auch Spannung in die Geschichte und sorgen mit für eine kurzweilige, interessante Handlung.

 

Was auffällt ist, dass Constance und Macmillan flirten, was das Zeug hält, egal wie die Situation ist, in der sie sich gerade befinden. Die Gefühle der beiden keimen nicht erst behutsam im Verlauf der Geschichte, ersticken in ihrer Fülle den eigentlichen Handlungsverlauf aber nicht. Auch wirken bestimmte Textstellen fast zu flüssig. Nicht unbedingt problemlos, aber fast zu gekonnt umschiffen Constance und Macmillan Hindernis um Hindernis – was daran liegen könnte, dass an ihrer Seite unter anderem Holly und Caravelli kämpfen, wenn es hart auf hart kommt. Das könnte störend wirken, tut es aber tatsächlich nicht.

 

Fazit

 

Auch der zweite Band der Reihe zeichnet sich durch den originellen, flüssigen und klar verständlichen Stil der Autorin aus, was sich allerdings nicht von der ersten Seite an zeigt. Doch wer durchhält, wird mit einer spannenden Geschichte belohnt, die eindeutig Lust auf den dritten Band macht und für die ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.

 

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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