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21. Oktober 2010

Janke, Stefan: Hellassurvival

Filed under: Erfahrungen/Biografien — Ati @ 10:30

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BoD – Books on Demand, Norderstedt
ISBN 978-3-8370-3648-0
Reiseerzählung
Deutsche Erstausgabe 09/2009
Paperback, 308 Seiten

€ 19,95 [D]

 

Stefan Jahnke, 1967 geboren, wuchs in Dresden auf. Nach Schlosserlehre und Militärdienst folgte ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium an der TU Dresden. Die Tätigkeit in einer Werbeagentur in London ging in Anstellungen in der Verlagsbranche über, was wiederum von der Leitung und Beteiligung an einer Bildungseinrichtung oder leitenden Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bei einem der größten Reprografen Deutschlands abgelöst wurde. Jahnke ist verheiratet und lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern wieder in Dresden und Radebeul. Er ist Mitbegründer des Autorenvereins Kristallfeder. (Autorenhomepage www.stefan-jahnke.de)

Zitat der Inhaltsangabe

1992.  – Im ehemaligen Jugoslawien führen Kroaten, Serben und Bosniaken einen verheerenden Bürgerkrieg mit Massenmord und Vertreibung. Genau in jenem Gebiet, das als Transferland für Griechenlandurlauber bekannt und beliebt ist.

Da auf der Ausweichroute über Bari in Italien schon das Chaos bei der Abfertigung herrscht, schickt ein Ostdeutsches Reiseunternehmen den nagelneuen Bus mit einer Reisegruppe aus Dresden über die klassische Route, nahe an den Kampfgebieten vorbei und mitten durch Serbien, ins Land der Götter.

Die Reisenden wollen auf diese erste große Reise nach der Wende nicht verzichten, spüren aber, dass selbst Fahrer Matthias nicht nur vor der weiten und unbekannten Route Angst hat.

Die Fahrt beginnt und bald schon stehen Männer mit entsicherten Kalaschnikows im Bus, die ihre Pässe einsammeln und sie an der Weiterfahrt hindern. Flüchtlingstrecks blockieren die Autobahn und in der Nacht sehen die verängstigten Reisenden die Lichter vom Angriff auf den Flughafen Sarajewo.

Werden die Dresdner Griechenland erreichen, die antiken Stätten sehen und jemals nach Deutschland zurückkehren?

Spannender Bericht einer wahren Reise mitten durch den Krieg.

Ich muss ja gestehen, ich habe mich mit diesem Buch anfangs etwas schwer getan. Urlaub und An- bzw. Abreise durch Kriegsgebiet beim sofort erkennbaren Schreibstil Jahnkes schienen für mich zunächst nicht zusammenzupassen. Die Leichtigkeit, mit der das Buch beginnt, passte für mein Dafürhalten nicht unbedingt zur Inhaltsangabe. Wohl aber zu dem etwa genau so großen Anteil an Erzählungen über die Zeit in Griechenland selbst.

Gleich zu Beginn schafft es Jahnke die Sehnsucht zum Ausdruck zu bringen, die letztlich zu dieser Reise geführt hat. Bereits in der Schule hinterließ Griechenland einen bleibenden Eindruck bei ihm und weckte den damals unerfüllbar scheinenden Wunsch, dieses Land einmal zu bereisen. Eingedenk des Rates seiner Mutter, dass man Träume leben muss, legte er Griechenland trotz aller (Reise-)Beschränkungen der DDR deshalb gedanklich nicht ad acta, sondern trug möglichst alle Informationen zusammen, die er finden konnte.

Diese Sehnsucht wiederum führt dem Leser vor Augen, dass es erst knapp 20 Jahre her ist, dass es nicht für jeden von uns so einfach war, Freiheit zu genießen; dass wir sie oft als viel zu große Selbstverständlichkeit hinnehmen, ohne sie wirklich zu würdigen. Er erinnert an die Reiseflutwelle, die damals von den neuen Bundesländern über die plötzlich erreichbaren Urlauborte und –länder schwappte. Denn 1989 geschah das eigentlich Undenkbare. Mit dem Fall der Mauer und kurz darauf der Wiedervereinigung Deutschlands war es quasi auch möglich, eine neue Welt zu entdecken. Eine Welt, von der man zwar wusste, die aber hinter einem Schleier fast unerreichbar verborgen blieb. Jedenfalls rückte sein Traum von heute auf morgen in greifbare Nähe. 1992, mitten in seinem Studium, wurde er schließlich wahr. Er buchte zusammen mit seiner Mutter eine 11tägige Reise. Etwa drei Tage waren für die Hin- und Rückreise mit dem Bus eingeplant. Blieben 8 Tage, um zumindest einen Bruchteil von dem zu sehen, wovon er schon seit Jahren träumte.

17 Jahre nach der Erfüllung seines Traums schreibt Jahnke Hellassurvival. Die Aufzeichnungen aus einer Art Tagebuch seiner Mutter sind Bestandteil seiner Reiseerzählung. Zusammen mit seinen eigenen Erinnerungen entführt Jahnke den Leser in ein Griechenland, das man wie vieles aus der damaligen Zeit nicht mehr ganz so wiederfindet. Auch bei uns hat sich seither einiges verändert, was nur allzuleicht in Vergessenheit gerät.

Doch der Traum hat einen kleinen Albtraumfaktor, der Jahnke und seine Mitreisenden schnell an Zeiten erinnert, die doch eigentlich längst abgehakt scheinen. Mit Überfahren der jugoslawischen Grenze, das trotz des damals bereits ausgebrochenen Krieges als „sicher“ gilt, sehen sie als erstes in eine Kalaschnikow. Zermürbende Kontrollen, und der eine oder andere Zwischenfall sorgen dafür, dass die Reisenden einen Tag mehr für die Fahrt nach Griechenland brauchen.

Doch sie kommen an und die Aufregung, endlich dort zu sein, lässt die Aufregung der Anreise schnell verblassen. Augenzwinkernd erzählt er von der Schönheit des Landes, des antiken Erbes, Touristenattraktionen. Was er dort erlebt hat, sieht Jahnke recht realistisch und nicht verklärt. Neben geschichtlichen Details beschreibt der Autor auch nachvollziehbar den schnell aufbrandenden Nationalstolz der Griechen, ihre Vorliebe für Dramatik und zaubert auch dabei, dem einen oder anderen Leser ein Lächeln ins Gesicht.

Doch spätestens bei der Rückfahrt wird klar, dass der Krieg nur einen Katzensprung entfernt ist. Vor allem, weil die Reisenden jetzt nicht den Informationsstand haben, den sie in Deutschland hatten. Sie fahren ins Kriegsgebiet, ohne zu wissen, was in der Zwischenzeit geschehen ist.

Während die erste Grenze noch problemlos überquert wird, gibt es schon bald Probleme. Ein an und für sich glimpflich verlaufendes Aufeinandertreffen von Reisenden und Flüchtlingen führt ihnen nicht nur vor Augen, wie menschenverachtend Flüchtlinge dort behandelt werden. Es sorgt auch dafür, dass einer der Reisenden bald darauf aus dem Bus geholt wird, weil er etwas gebräunter aussieht als in seinem noch gültigen DDR-Pass und als Kroate durchgehen könnte.

Jahnke erzählt genauso wie von allem anderen davon und genau das machte mir persönlich deutlich, wie sorglos von den damaligen Reiseveranstaltern wie auch von den Reisenden selbst mit dem Thema Krieg und ihrem Leben umgegangen wurde. Denn obwohl alle im Vorfeld davon wussten, wurde diese Route gewählt bzw. die Reise gebucht, weil sie billig war und damit Jahnkes seinen Traum schneller erfüllte, weil sie möglich war. Jahnke macht deutlich, dass Krieg für alle etwas Greifbares und gleichzeitig Irreales war, bis sie schließlich direkt damit konfrontiert wurden. Genau so, wie es für uns alle wäre. Wir erleben Dinge wie Kriege, Überfälle, etc. auf dem Bildschirm in vermeintlich sicherer Entfernung und denken, dass uns doch irgendjemand richtig warnen muss, wenn es gefährlich wird und dass die Politik es lösen wird. Dass das nicht so einfach ist, umfasst Jahnke ebenfalls sehr klar in seinem Epilog, indem er nochmals den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und die politische wie menschliche Ohnmacht der Welt zusammenfasst.

Fazit: Glück und Leid liegen genau wie Träume und Albträume sehr eng beieinander. Das zeigt Jahnkes „Hellassurvival“ deutlich. Aber auch, was für ein lang anhaltendes, wundervolles Gefühl es sein kann, wenn lang gehegte, fast unmögliche Wünsche sich erfüllen.

Copyright © 2010 Antje Jürgens (AJ)

21. September 2010

Rocktäschel, Lutz: Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter

Filed under: Fantasy, Horror, SciFi — Ati @ 00:10

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Vuvuzela oder die Stimmen der Götter

Von Lutz Rocktäschel

 

Verlag Pro Business

ISBN: 978-3-868-05746-1

Science fiction

Originalausgabe 2010

Taschenbuch 236 Seiten

€ 9,99 [D]

 

Zum Autor

 

Der 1961 in Cottbus geborene Autor und studierte Philosoph arbeitet als selbstständiger Trainer für Rhetorik und Konfliktmanagement sowie Handelsvertreter für Industrieprodukte. Die Menschen und technischen Errungenschaften oder Erfahrungen, die er dabei kennenlernt bzw. macht, fließen in seine Geschichten mit ein. Rocktäschel ist Mitbegründer des Autorenvereins „Kristallfeder“.

 

„Vuvuzela oder die Stimmen der Götter“ ist sein zweiter Roman. Zwei der hier auftauchenden Figuren finden sich auch in seinem Erstlingswerk „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“. In beiden Büchern geht es um Töne, harmonische Schwingungen und Resonanzen, was angesichts der persönlichen Geschichte des Autors vielleicht nicht allzu sehr verwundert. In seinem zweiten Buch merkt er eingangs an: ‚Der Lärm der Vuvuzelas in den Fußballstadien wird von manchen als Summen eines Bienenschwarms beschrieben. Ich fühle mich auf mein Ohrenrauschen zurückgeworfen, das als lautes auf- und abschwellendes Kreischen an den Nerven zerrt. Ich wollte diesen Thriller eigentlich ‚Tinnitus‘ nennen, aber es gibt keinen Gegenstand, der besser jedem Ahnungslosen den Gehörlärm näher bringt, wie die Vuvuzela. Heute gilt das Ohrenrauschen als zivilisatorische Krankheit. In der griechisch-römischen Antike wurde den Betroffenen des Tinnitus die Fähigkeit zugeschrieben, die Stimmen der Götter oder die Melodie des Kosmos zu hören. Historische Vorbilder haben aus der Not ihres Tinnitus heraus wunderbare Musik komponiert, Bilder gemalt oder Bücher geschrieben. Ich mute meinen Lesern einen spannenden Akustik-Thriller zu, der voller Fantasie und abgedrehter Unmöglichkeiten steckt. (Autorenseite: www.energiemeer.de)

 

Zum Buch

 

Auch dieses Mal hat Rocktäschel ein schlichtes Cover gewählt. Es zeigt weiß auf schwarz die Unendlichkeit eines Spiralnebels. Was darüber hinaus auf den ersten flüchtigen Blick wie ein weiterer farbiger Nebel wirkt, stellt jedoch eine der spätestens seit der WM2010 allseits bekannte Vuvuzela dar.

 

Was verrät die Rückseite des Buches? Zitatanfang >>… Kohlpeter, ein ehemaliger Wirtschaftsagent, besucht auf Anraten seines Freundes ein international beachtetes Klangsanatorium bei Berchtesgaden. Dort will er sein Ohrenrauschen, ein furchtbares Tröten, wie von einer Vuvuzela, behandeln lassen. Ergebnis der Klangtherapie ist eine Hyper-Sensibilisierung, die es ihm ermöglicht, mit dem Tinnitus kreativ umzugehen. Auf einer nächtlichen Wanderung durch das Sanatorium hört er Stimmen und entdeckt ein experimentelles Labor zur kosmischen Fernerkundung. Der Akustik-Thriller nimmt seinen Lauf …<< Zitatende

 

Meine Meinung

 

Damit wird schon einmal recht gut wiedergegeben, was in dieser Geschichte geschieht. Auch dieses Mal bedient sich der Autor seines mir bereits aus seinem ersten Buch bekannten philosophischen Stils, was ‚Vuvuzela oder die Stimmen der Götter‘ zu einer Lektüre macht, der man seine volle Aufmerksamkeit in ruhiger Umgebung widmen sollte.

 

Es geht erneut um Klang, um Resonanzen und darum, dass wir nicht alleine im Weltraum sind. Und wieder ist das Buch eine Art Bericht. Eine Fortsetzung von „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“? Ja und nein. Beide Bücher hängen zusammen und können doch völlig separiert voneinander gelesen werden. Und so wie ‚Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter‘ endet, dürfen wir vermutlich davon ausgehen, dass es einen Nachfolgeband gibt.

 

Aber zunächst einmal zurück zum jetzigen Buch:

 

Hauptschauplatz der Geschichte ist die Erde. Der technische Fortschritt hat der Menschheit bereits Tragschrauber gebracht, mit denen sie sich fortbewegen können, aber das Meiste ist noch so, wie wir es aus unserem täglichen Leben kennen. Auch Krankheiten gibt es noch. Etwa Tinnitus.

 

Dieser wird unter anderem in einem Klangsanatorium behandelt. Es liegt abgeschieden im Berchtesgadener Land in einer ländlichen Idylle. Eine Journalistin will über dieses Sanatorium berichten. Dort werden ihrer Meinung nach nicht nur Patienten behandelt, sondern auch geheime Abhöroperationen durchgeführt. Sie vermutet gar, dass Patienten oder ausgewählte Agenten in eine Art Cyberborg umgewandelt werden. Damit liegt sie nur teilweise falsch. Die Journalistin trifft etwa zeitgleich in dem Sanatorium ein, wie der an Tinnitus leidende Protagonist Kohlpeter.

 

Allein die Darstellung des Sanatoriums ist futurisch unterhaltsam und bietet gleichzeitig einen Exkurs in die Beschreibung und Funktionsweise des menschlichen Ohrs und die Bedeutung des Hörens an sich. Die ersten Tage, die die Hauptfigur der Geschichte dort verbringt, sind für den Leser mit einer sehr authentisch wirkenden Schilderung eines Tinnitus-Patienten gefüllt. Der Autor weiß, wovon er schreibt.

 

Der Protagonist Kohlpeter erfüllt mit seiner Krankheit und einigen in seiner Person liegenden Besonderheiten jedoch auch die Grundvoraussetzung dafür, einer der ersten Esonauten zu sein – das sind Raumfahrer, die das Weltall und fremde Galaxien ohne Raumschiffe erkunden können. Sie erkunden alles mental, indem sie auf oder mit Resonanzwellen reisen. Die von ihnen gemachten Reisen bzw. Erfahrungen werden in einem unterirdischen Labor, welches zum Sanatorium gehört, visuell umgewandelt und können mit Daten einer herkömmlichen Weltraumexpedition mittels Sonden abgeglichen werden, um die Richtigkeit zu überprüfen.

 

Wer einmal in einem Akustik-Museum war, weiß, dass alles Töne hat, die entweder harmonisch miteinander schwingen oder sich gegenseitig abstoßen und dass diese Bewegungen visuell dargestellt werden können. Dabei entstehen faszinierende Bilder. Insoweit fand ich die Idee der mentalen Weltraumreisen schon mal spannend und die Sache mit der visuellen Umwandlung durchaus nachvollziehbar.

 

Auf diesen Reisen geht natürlich das eine oder andere schief. Zum einen, weil die Esonautik noch in den Kinderschuhen steckt, zum anderen, weil wir tatsächlich nicht allein im Weltraum zu sein scheinen. So muss Kohlpeter beispielsweise plötzlich feststellen, dass er seinen Körper und Schmerzen fühlen kann, obwohl besagter Körper ja eigentlich auf der Erde ist.

 

Doch das ahnt er noch nicht, als er, schlaflos in der Nacht sonderbaren Stimmen folgt, die ihn nicht nur in das unterirdische Labor, sondern auch zu jemandem aus seiner Vergangenheit führen, den er eigentlich nicht mehr wiedersehen wollte. Polwächter – in Rocktäschels erstem Buch einer der staatlichen Hüter zum Schutz der (Energie-)Netze – hat mittlerweile ein anderes Betätigungsfeld für sich entdeckt: die kosmische Fernerkundung. Und es gelingt ihm und den übrigen Mitarbeitern des Labors recht schnell, Kohlpeter für ihre Sache zu gewinnen. Zu groß ist seine Neugier.

 

Als Kohlpeter auf seinen Exkursionen jedoch nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit zu überwinden beginnt, gerät das Experiment außer Kontrolle. Zwei weitere Esonauten verschwinden mental spurlos, während ihre leblosen Körper auf der Erde zurückbleiben. Einer der beiden zieht die unendlichen, klangerfüllten Welten seinem geräuschüberfrachteten, irdischen Dasein vor und geht freiwillig.

 

Hier wirft der Autor die Frage auf, was passiert, wenn diese Körper vernichtet werden. Und das, obwohl sie für Esonauten die einzige Möglichkeit zu sein scheinen, wieder zur Erde zurückzukehren. Auch stellt sich beim überraschenden Ende der Geschichte die Frage, ob die Dinge, die Kohlpeter auf seinen Exkursionen gesehen und erlebt hat, tatsächlich extraterrestrischen Ursprungs sind oder ob sie lediglich gewissermaßen durch einen Zeitsprung entstanden und ganz und gar irdisch waren. Womit der Autor bei mir eindeutig die Neugier auf einen hoffentlich erscheinenden Folgeband geweckt hat.

 

Was mir in diesem Buch auch sehr gut gefallen hat, war die Intensität, mit der Rocktäschel auf die Themen Hören bzw. unseren Hörsinn und Tinnitus eingeht. Auf die Probleme, die entstehen, wenn wir nicht richtig hinhören; wenn wir nicht auf unseren Körper hören; wenn wir pausenlos von uns selbst überfordert werden. Auch wenn wir in der Lage sind, immer mehr zu hören, hören wir immer seltener zu und finden auch immer seltener Gehör. Hören fördert weit mehr Hirnaktivitäten, als beispielsweise das Sehen. Anders als Objekte, die für uns Symbolcharakter haben, müssen wir Geräusche erst interpretieren, eigene Erfahrungen daraus sammeln und Vorstellungen entwickeln, die dazu passen. Hören erzeugt quasi eine Art Kopfkino, wohingegen fertige Bilder unsere Fantasie so gut wie gar nicht fordern. Unser (gesunder) Hörsinn ermöglicht uns nicht nur Kommunikation, sondern ist der Sinn, der niemals schläft, der uns notfalls warnt. Doch unser Körper kann sich genauso wenig an Lärm gewöhnen, wie unser Gehör. Für beide ist Lärm Stress pur. Am stärksten muss dies Personen mit Tinnitus bewusst werden. Denn ihr Körper, ihr Hörsinn nimmt Geräusche noch einmal ganz anders wahr, als ‚gesunde‘ Menschen. Sperrt sie gar in eine Welt, die mit kleinen Dissonanzen beginnt und in einer Kakofonie an Geräuschen endet. Eine Welt, die ‚Gesunde‘ selten verstehen und aus der ein Entkommen unmöglich scheint.

 

Wie gut, dass Heilung über den Hörsinn ebenfalls möglich ist. Klänge, die uns nicht einmal wirklich gefallen müssen, wirken sich auf unseren Puls und die Atemfrequenz aus, regulieren den Blutdruck und beeinflussen sogar unser Immunsystem, ebenso wie unser Hormon- oder Nervensystem, weil sie auf Gehirnbereiche wirken, die wir nicht kontrollieren können. Leider können Klänge genau deshalb aber auch als Waffe eingesetzt werden.

 

Obwohl Rocktäschel explizit auf das Thema Hören eingeht, stört dies die Geschichte über kosmische Fernerkundung nicht. Im Gegenteil, sie wird dadurch verständlicher und erscheint weniger abgedreht als fantastisch. Und weckt, wie bereits erwähnt, die Lust auf einen hoffentlich kommenden Folgeband.

 

Lunden, September 2010

© Antje Jürgens (AJ)

 

 

30. August 2010

Jahnke, Stefan: Hohburg, ein Schatz und seine Hüter

Filed under: Krimi/Thriller,Roman — admin @ 18:27

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Hohburg Ein Schatz und seine Hüter

von Stefan Jahnke

 

BoD – Books on Demand, Norderstedt

ISBN:978-3839126301

Kriminalroman

Deutsche Erstausgabe 09/2009

Paperback, 308 Seiten

€ 19,95 [D]

 

Autorenseite

 

Zum Autor

 

Wer die Homepage des Autors Stefan Jahnke studiert, erfährt, dass er von 2008 bis 2010 insgesamt 16 Bücher veröffentlicht hat. Klingt zunächst nach viel und wirft die Frage auf, wie gut ein Roman dann sein kann. Doch kritische Leser dürfen beruhigt sein. Die Entscheidung des Autors sich mit seinen Manuskripten auf den Buchmarkt zu wagen, hat sich für den Leser durchaus gelohnt.

Jahnkes Geschichten und Romane lesen sich genauso bewegt wie sein Leben. Nach Schlosserlehre und Militärdienst folgte ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium an der TU Dresden. Die Tätigkeit in einer Werbeagentur in London ging in Anstellungen in der Verlagsbranche über, was wiederum von der Leitung und Beteiligung an einer Bildungseinrichtung oder leitenden Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bei einem der größten Reprografen Deutschlands abgelöst wurde. Jahnke ist verheiratet und lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern wieder in Dresden und Radebeul. Er ist Mitbegründer des Autorenvereins Kristallfeder.

 

Zum Buch

Die Zeit der Wende und Wiedervereinigung Deutschlands hat den Autor geprägt und diese Prägung macht sich in seinen Büchern ebenso wie sein Geschichtswissen bemerkbar. Sein Spektrum reicht von Reiseerzählungen über Wirtschaftsthriller zu Krimis und historischen Romanen. Mit ‚Hohburg – Ein Schatz und seine Hüter‘ schafft der Autor es zudem spielend, alle Genres zu vereinen. Der Roman ist der Auftakt zu einer Reihe um Kommissar Zech, der Fälle im Hier und Jetzt lösen muss, deren Ursachen aber weit in die Geschichte zurückreichen. Im Fall des Mordes im Hoburgtunnel gar über August dem Starken, der eben jenen Tunnel erbauen ließ, bis in die Anfänge des 15. Jahrhunderts.

Meine Meinung

Der von Jahnke gezeichnete Protagonist in Form von Kommissar Zech, offenbart sich dem Leser als liebenswert unbeständiger Mensch, der im Beruf jedoch akribisch recherchiert und ein Gespür für historische Zusammenhänge hat. Letzteres ist überaus sinnvoll, denn im Laufe der Ermittlungen wird er relativ schnell mit dem Diebstahl historischer Dokumente konfrontiert, die im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt stehen. Und – wie so vielen Ermittlern – wird ihm von seinem Vorgesetzten zunächst der (Ermittlungs-)Weg eher mit Steinen zugeschüttet als hilfreich gepflastert. Während der Autor seinen Kommissar ganz nebenbei noch in eine Beziehungskrise geraten lässt, führt er uns bei den Ermittlungen in eine bewegende, aufwühlende Reise quer durch die Jahrhunderte, ohne aktuelle (finanz-)politische Geschehnisse außer Acht zu lassen. Denn der Tote im Tunnel ist nicht nur der Retter einer insolventen Firma in Dresden, sondern auch der Nachfahre einer alten Verwalterdynastie der Burg, die direkt über dem Tunnel steht. Und er bleibt nicht alleine. Ein zweiter Mord geschieht, der im direkten Zusammenhang mit dem Ersten steht. Auch bei den Ermittlungen dazu wird immer klarer, dass die Vergangenheit längst nicht vergangen ist und dynastische Machtgefüge und ein uralter Schatz korrupte Machenschaften nach sich ziehen, die so manchen Beteiligten auch heute noch nicht nur über Leichen gehen lassen, sondern auch die moderne Justiz in die Knie zwingen können.

Jahnke lässt uns durch die überaus wachen Augen seiner Hauptfigur nicht nur sehr authentisch an der Geschichte Sachsens voller Intrigen und Schrecknissen teilnehmen, sondern stößt uns auch auf aktuelle Probleme und Gegebenheiten des Freistaates. Der eine oder andere Leser dürfte Probleme haben, alles zu verstehen, sofern er das Buch einfach mal so nebenbei liest und keine Bezüge zum Handlungsort hat. Doch wer sich auf Jahnkes Buch einlässt, merkt schnell, dass es dem Autor spielend gelingt, seinen Kommissar alle Komponenten und Wirrnisse erkennen, vereinen und klären zu lassen, ohne dass die historischen Elemente den aktuellen Bezug überdecken. ‚Hohburg Ein Schatz und seine Hüter‘ fesselt durch seinen spannenden Verlauf und macht eindeutig Lust, die übrigen Bände der Reihe um Kommissar Zech zu lesen.

Copyright © 2010 Antje Jürgens

 

Rocktäschel, Lutz: Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag

Filed under: Abenteuer,Fantasy, Horror, SciFi,Roman — Ati @ 18:06

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Verlag Pro Business

ISBN 978-3-868-05202-2

Fantasy, Scifi

Originalausgabe 09/2008)

Taschenbuch, 378 Seiten

€ 14,99 [D]

 

Der 1961 in Cottbus geborene Autor und studierte Philosoph arbeitet als selbstständiger Trainer für Rhetorik und Konfliktmanagement sowie Handelsvertreter für Industrieprodukte. Die Menschen und technischen Errungenschaften oder Erfahrungen, die er dabei kennenlernt bzw. macht, fließen in seine Geschichten mit ein. Rocktäschel ist Mitbegründer des Autorenvereins „Kristallfeder“.

„Die Stimmgabel: Berichte aus dem Wimpernschlag“ ist sein erster Roman. Eine Figur daraus, der Wissenschaftsagent Kohlpeter, findet sich auch in seinem zweiten Roman „Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter“ wieder, der ab September 2010 erhältlich ist. (Autorenseite: www.energiemeer.de)

Zitat aus der Homepage des Autors:

In diesem Science-Fiction-Roman nehme ich dich auf eine einzigartige und ungewöhnliche Reise mit. Stell dir vor, du bist ein reines Energiewesen, das aus dem Jenseits des Universums stammt und auf der Erde in eine andere Person einschlägt. Über diese Person entdeckst du unsere stoffliche Welt, die all deinen bisherigen Erfahrungen widerspricht. Gleichzeitig verstrickst du dich in Berlin in die Ereignisse um die Erfindung eines neuartigen autonomen Generators, mit dem die Energieprobleme der Erde gelöst werden könnten. Eine europäische Behörde und ein Agent eines Energiekonzerns jagen den Konstruktionsunterlagen des verstorbenen Erfinders hinterher. Sie ahnen nicht, dass ihnen ein Außerirdischer oder gar Außergalaktischer einen Strich durch die Rechnung macht.

Worum geht es denn da genau? Um unsere Erde – so wie wir sie kennen. Mit allen Höhen und Tiefen, Ängsten und Wünschen, Träumen und Visionen. Da gibt es aber auch noch eine feinstoffliche Parallelwelt. Gut durchorganisiert, hoch entwickelt, friedlich. Die Bewohner dort wissen bereits von der Erde. Sie fürchten eine Disharmonie zwischen den parallel existierenden Welten. Um dem vorzubeugen oder gar gegenzusteuern, wird ein Beobachter zu uns gesandt: Styx. Das ist für ihn mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Denn die Erde, so vertraut sie in manchen Dingen auch scheinen mag, ist eben doch eine stoffliche Welt. Und so muss Styx um seine Existenz ebenso kämpfen wie um seine Rückkehr in seine Heimat, dem Energiemeer. Wie gut, dass es da Wirte gibt, in die er hineinschlüpfen kann – und Computer, die ihm auf den ersten Blick doch viel ähnlicher als die Menschen scheinen.

Doch was passiert, wenn reine Energie in einen Menschen fährt? Es entstehen Probleme für die nichts ahnenden Wirte und natürlich auch für Styx. Gelingt ihm die Verständigung mit dem stofflichen Wesen ‚Mensch‘? Was passiert mit dessen Körper, wenn er plötzlich mit Styx‘ Energie konfrontiert wird.

Was passiert, wenn Styx in einen Computer fährt, der deshalb plötzlich keine Energie aus der normalen, üblichen Stromversorgung benötigt? Das ruft fatalerweise Energiekonzerne und Regierungen auf den Plan, denn die können über eben diese Stromversorgung so gut wie alles auskundschaften, was sie wissen wollen. Der vermeintlich ‚sichere‘ PC in den eigenen vier Wänden? Eine Illusion – liefert er doch Energiekonzernen und Regierungen wertvolle Informationen. Privatsphäre? Pustekuchen. Einfach alles wird überwacht. Für diejenigen, die diese machtvolle Art der Informationsbeschaffung in Händen halten, muss es ein Horrorszenario sein, dass jemand eine autonome Möglichkeit der Energiegewinnung erfindet. So erschreckend, dass sie alles tun, um den- oder diejenigen aufzuhalten. Was dafür sorgt, dass ein paar eigentlich harmlose, computerspielende Jugendliche mit in die Sache hineingezogen werden.

Ich bin, offen gestanden, mit etwas gespaltenen Gefühlen an dieses Buch herangegangen. Einfach weil ich mit Scifi normalerweise nicht viel am Hut habe. Da ich andererseits jedoch mehrere gute Kommentare gehört bzw. gelesen habe und immer wieder gerne etwas Neues ausprobiere, konnte ich letztlich doch nicht widerstehen, zumal mich das schlicht gehaltene Cover angesprochen hat. Glücklicherweise, denn trotz anfänglicher Probleme, drei Mal weglegen und vier Mal wieder in die Hand nehmen, weil ich mich in den feinstofflichen Protagonisten Styx zunächst nicht hineinfinden konnte, hat es mich dann doch überraschend schnell gepackt. Was der Autor auf seiner Homepage verspricht, hält er auf jeden Fall.

Rocktäschel bedient sich einer philosophischen, anspruchsvolleren Sprache und bringt Technik- und Physikwissen ein, was sich für den einen oder anderen anfangs etwas schwierig darstellen könnte. Aber durchhalten lohnt sich absolut, denn abgesehen davon, dass die Materie sich beim Weiterlesen fast von selbst öffnet, bietet er gleichzeitig Denkanstöße, die den Leser innehalten lassen. Er zeichnet auch das Bild einer totalen Überwachung. Regeln scheinen ein Ausbrechen unmöglich zu machen. Das hat jedoch absolut nichts mit den feinstofflichen Wesen zu tun. Der Autor spielt nicht nur mit den Perspektiven (die Geschichte wird größtenteils von Styx selbst erzählt, er lässt jedoch auch ‚Menschen‘ zu Wort kommen) sondern auch mit der Sprache. Und dieser Schreibstil ermöglicht dann das Eintauchen in diese ungewöhnliche, voll interessanter Wendungen steckende, stellenweise sehr bedrohlich anmutende Geschichte. Bedrohlich, weil Rocktäschels Roman tatsächlich keine reine Fiktion ist? Das eine oder andere ist durchaus schon überaus real in unserem Alltag, ohne dass wir allzu viel davon mitbekommen.

Fazit: Mit „Die Stimmgabel: Berichte aus dem Wimpernschlag“ hat man kein Buch in der Hand, das mal eben so nebenbei gelesen werden kann oder gelesen werden sollte. Es lohnt sich auf alle Fälle, sich in die Materie zu vertiefen und ich bin schon auf die neue Geschichte des Autors gespannt.

© 08/2010 Antje Jürgens

25. August 2010

Fiechter, Regula: Mystisches Pendeln

Filed under: Esoterik — Ati @ 14:35

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Mystisches Pendeln – Set mit Buch, Pendeltafeln und Pendel + 1 Deck Mystisches Lenormand

Von Regula Elizabeth Fiechter

ISBN-10: 3868267212 – ISBN-13: 978-3868267211

Genre: Esoterik, Kartenlegen, Pendeln

Königsfurt-Urania Verlag GmbH 04/2010

Umfang: Umkarton 19×12,8x 5 cm, broschiertes Buch 12x17cm, 128 Seiten, 36 Pendeltafeln, Pendel und 36er Kartendeck

€ 29,90 [D]

 

Zur Autorin

 

Regula Fiechter wurde 1958 in Bern geboren und wuchs auch dort auf. Sie lebt heute noch in der Schweiz, arbeitet als Malerin und Medium und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Wahrsagekarten. Nach ihren Vorgaben fertigte Urban Trösch in Eitempara-Technik das zu dem Set gehörenden Mystic Lenormand-Kartendeck und gestaltete auch das beigefügte Buch mit.

Zum Set

Ich muss gestehen, dass dieses Set nicht das erste ist, das ich aus dem Hause Königsfurt-Urania erhalten habe. Deshalb hat mich die liebevolle und gute Ausführung nicht im Mindesten überrascht.

Doch zum Inhalt: Das messingfarbene Pendel liegt sehr gut in der Hand. Wer öfter mal mit Pendeln zu tun hat, weiß, dass dies bei Pendeln im Allgemeinen durchaus nicht immer der Fall ist. Kartendeck und Pendeltafen weisen dieselben, von der Autorin gestalteten, und von Trösch umgesetzten Motive, auf. Wobei das Motiv an sich bei den Tafeln natürlich etwas in den Hintergrund tritt, damit die eigentlichen Aussagen darauf klarer ersichtlich sind. Karten und Tafeln sind links oben von 1 bis 36 numeriert. Rechts oben sind astrologische Hinweise eingearbeitet, die ebenfalls als Deutungshilfe herangezogen werden können. Die Rückseiten von Karten und Pendeltafeln zeigen das Motiv, welches bereits auf dem Umkarton zu sehen ist. Die einzelnen Motive sind sehr detailliert und liebevoll ausgestaltet – Neugierige sollten wirklich eine Lupe in die Hand nehmen und sie sich einmal genauer betrachten. Mit dem Buch selbst verweist Fiechter zuerst auf die Ursprünge des Lenormand und führt Neulinge dann Schritt für Schritt ans Kartenlegen heran. Die Hinweise zur Deutung werden mit den ebenfalls im Buch enthaltenen Erläuterungen zu jeder der 36 Karten erleichtert. Danach folgt eine Heranführung ans Pendeln bzw. das Auspendeln der Karten mithilfe der Pendeltafeln. Was, in dieser Kombination, nicht allzu gewöhnlich ist und das Set zu etwas Besonderem macht. Das Buch beschränkt sich auf das Wesentliche – dies dafür aber klar verständlich und leicht nachvollziehbar. Die Erfahrung von Fiechter, die sich bereits seit langer Zeit mit Lenormand beschäftigt, fließt sehr gut darin ein.

Meine Meinung

Lohnt sich die Anschaffung? Ja – sowohl für Neulinge in diesem Bereich, als auch für diejenigen, die sich schon mit Kartenlegen und Pendeln beschäftigt haben. Wer sich von welchen Kartendecks angesprochen fühlt, ist ja immer eine recht persönliche Angelegenheit. Gleiches gilt natürlich für Pendel. Mich hat das Set angesprochen. Und – da sowohl Kartenlegen als auch Pendeln wunderbare Instrumente sind, sich selbst oder anderen bei der einen oder anderen Frage zu helfen bzw. Dinge klarer zu sehen, die man vorher so nicht sieht, aber doch schon im Inneren weiß, freue ich mich bereits darauf, das Set ausgiebig zu nutzen.

Ich danke dem Königsfurt-Urania Verlag für die freundliche Überlassung des Rezensionsexemplares.

© 08/2010 Antje Jürgens

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